Ausbau des Glasfasernetzes

Entscheidend ist die Wohnungswirtschaft

Die zentrale Rolle der organisierten Wohnungswirtschaft beim deutschlandweiten Glasfaserausbau (FTTH) macht eine aktuelle Studie deutlich. Die Branche strebt die flächendeckende Erschließung ihrer Bestände an. Doch dabei muss sie Hindernisse überwinden und erhebt Forderungen.

Bis 2030 soll es für Millonen von Wohnungen einen Glasfaseranschluss geben. Foto: Hardy Welsch/1&1 Versatel
Bis 2030 soll es für Millonen von Wohnungen einen Glasfaseranschluss geben. Foto: Hardy Welsch/1&1 Versatel

Die Wohnungswirtschaft in Deutschland ist bereit, den flächendeckenden Glasfaserausbau (FTTH) in ihren Beständen voranzutreiben, um das politische Ziel einer Gigabit-Gesellschaft mittels Glasfaserausbau zu erreichen. Dieses Engagement belegt eine Studie der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte Wohnstadt (NHW) und der TKI mbh. Die große Mehrheit der befragten Unternehmen plant einen Vollausbau ihrer Einheiten bis 2035. Allerdings bremsen Komplexität, Fachkräftemangel und unklare regulatorische Vorgaben den Fortschritt, insbesondere im Bestand. Die Branche lehnt Zwangslösungen ab und setzt stattdessen auf freiwillige Kooperationen mit Netzbetreibern. Der zentrale Appell lautet: Fairer Wettbewerb durch offene Netze (Open Access), um Investitionen zu sichern und Monopole zu verhindern.

Ehrgeizige Ziele im institutionellen Wohnungsbestand

Die organisierte Wohnungswirtschaft verwaltet über neun Millionen vermietete Wohnungen und ist damit ein unverzichtbarer Akteur für Infrastrukturmaßnahmen. Bereits heute sind alle befragten Unternehmen mit dem Thema FTTH befasst, und die große Mehrheit (über 64 Prozent) befindet sich bereits in der Ausbauphase. Darüberhinaus plant die klare Mehrheit der Befragten die vollständige oder weitgehende Erschließung ihrer Einheiten mit Glasfaser. Durch die Absicht, größtenteils eine Fertigstellung bis zum Zieljahr 2030 anzustreben, ist das Engagement der Wohnungswirtschaft entscheidend für die Erreichung der nationalen Ausbauziele.

Anschlussquote bleibt größte Herausforderung im Bestand

Trotz des starken Engagements klafft aktuell eine Lücke zwischen Ausbauaktivität und tatsächlicher Anschlussquote ("Homes Connected"), die mit der bundesweiten Quote von circa 27 Prozent vergleichbar ist. Das liegt daran, dass die komplexe Erschließung des Bestandes noch am Anfang steht. Dabei treten vor allem folgende Hürden zutage:

  • Kapazitätsengpässe: fehlende Baukapazitäten und akuter Fachkräftemangel.
  • Regulatorische Komplexität: unklare Gesetzeslagen, langwierige und komplexe Genehmigungsprozesse (Netzebene 3) sowie die anspruchsvolle Inhouse-Verkabelung (Netzebene 4).
  • Wirtschaftlichkeit: Für die Mehrheit der Unternehmen sind nur Investitionsbeträge zwischen 250 Euro und 499 Euro Netto-Baukosten pro Wohneinheit (Netzebene 4) wirtschaftlich tragfähig.

Kooperation statt Brechstange: Der Ruf nach fairen Regeln

Die Wohnungswirtschaft spricht sich gegen einen regulatorischen Zwangsausbau aus, wie er durch pauschale Duldungspflichten oder ein uneingeschränktes Recht auf Vollausbau entstehen könnte. Stattdessen setzt sie auf freiwillige Kooperationen mit Netzbetreibern, um Planungssicherheit und Akzeptanz zu gewährleisten. Zwangslösungen werden als Bedrohung der Investitionssicherheit und der Wahlfreiheit der Wohnungswirtschaft betrachtet. 

Glasfaserbereitstellungsentgelt: Notwendig, aber optimierungsbedürftig

Das Glasfaserbereitstellungsentgelt (GBE), das Vermietern seit 2021 die Umlage von Kosten für neue Glasfaser-Inhouse-Netze auf Mieter ermöglicht, spielt laut Umfrage als Finanzierungsmodell bislang nur eine untergeordnete Rolle. Die Experten der Studie sehen die Verlängerung der GBE-Regelungen bis 2032 positiv. Sie fordern jedoch eine Anhebung der Entgelte (derzeit maximal 60 Euro/Jahr) und eine einfachere Gestaltung, damit das GBE ein attraktiveres Finanzierungsinstrument werden kann.

Flächendeckender Ausbau bis 2035

Die Wohnungswirtschaft beweist eine hohe Ausbau- und Investitionsbereitschaft für FTTH und versteht sich selbst als Motor für die Gigabit-Gesellschaft. Das Ziel des flächendeckenden Ausbaus ihrer Bestände bis 2035 ist klar gesteckt. Der Erfolg hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob die politischen Rahmenbedingungen die Investitionen der Wohnungswirtschaft und ihrer Kooperationspartner wirksam schützen und fördern.

Redaktion (allg.)

Pixabay/ Mohamed_hassan
Ruhestörende Mieter belasten den Hausfrieden. Die genervten Nachbarn beschweren sich, mindern vielleicht die Miete oder klagen sogar auf Mängelbeseitigung. Andererseits ist eine Kündigung eines ruhestörenden Mieters schwer durchzusetzen, da der Vermieter die...
Printer Friendly, PDF & Email
28.11.2023
Glasfaser für die Wohnungswirtschaft
Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Vodafone und OXG beschleunigen den Glasfaser-Ausbau in der deutschen Wohnungswirtschaft. Gemeinsam wollen die Partner modernste...
30.10.2024
Trendbarometer der Aareal Bank
Viele Mieter sehen die energetische Gebäudesanierung positiv. Knapp jeder zweite Mieter in Deutschland (45 %) würde für eine energieeffiziente Wohnung sogar höhere Mietkosten akzeptieren – so...
24.9.2025
Plan des Wirtschaftsministeriums für Energiewende
Den lang erwarteten Monitoring-Bericht zum Stand der Energiewende hat das Wirtschaftsministerium letzte Woche veröffentlicht. Die Ergebnisse dieses Berichts sollen mit einem Zehn-Punkte-Plan umgesetzt...
22.5.2023
GdW und Telekom kooperieren
Mit einem Paukenschlag starteten GdW und Telekom in die Eröffnung der Kabel- und Breitbandmesse ANGACOM: Der Bonner Konzern und der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft haben sich auf gemeinsame...
2.12.2025
5. Praxisbericht der Initiative Wohnen.2050
Mittlerweile zum fünften Mal hat die Initiative Wohnen.2050 (IW.2050) ihren Praxisbericht vorgelegt. Dieser zeigt auf, wie weit sich Teile der Wohnungswirtschaft in Richtung Klimaneutralität...
23.9.2024
Hoher Besuch in Eberswalde
Bundesbauministerin Klara Geywitz und Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach eröffneten gemeinsam eine Holzbaufabrik für Wohnmodule in Eberswalde. Anschließend besuchte Klara Geywitz die...