Plan des Wirtschaftsministeriums für Energiewende

Verbände der Wohnungs- und Energiewirtschaft begrüßen Kursänderung und fordern Kostenkontrolle

Den lang erwarteten Monitoring-Bericht zum Stand der Energiewende hat das Wirtschaftsministerium letzte Woche veröffentlicht. Die Ergebnisse dieses Berichts sollen mit einem Zehn-Punkte-Plan umgesetzt werden, den Bundesministerin Katherina Reiche vorstellte. Nun gibt es dazu erste Reaktionen aus der Energie- und Wohnungswirtschaft.

Der Ausbau der Fernwärme soll bezahlbar bleiben. Bild: Ahmed / Adobe Stock
Der Ausbau der Fernwärme soll bezahlbar bleiben. Bild: Ahmed / Adobe Stock

Aus Sicht der kommunalen Energiewirtschaft und der sozial orientierten Wohnungswirtschaft in Sachsen ist der Plan des Wirtschaftsministeriums ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Doch beide Branchen mahnen: Der eingeschlagene Kurs allein reicht nicht aus – entscheidend ist das Ziel.

Kosten im Blick behalten

Vorstand Mirjam Philipp vom Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) resümiert: „Eine Kursänderung ist zu begrüßen, doch das Ziel bleibt, die Investitionskosten so zu steuern, dass die Energie-Betriebskosten für unsere Mieter und Mitglieder auch künftig tragbar bleiben. Nur so entsteht ein tragfähiges Gesamtkonstrukt.“

Die Anforderungen von Klimaschutz, Versorgungssicherheit und bezahlbarem Wohnen müssen nach Ansicht von Alexander Müller, Verbandsdirektor des vdw Sachsen, gleichermaßen erfüllt werden. Er unterstreicht: „Die Energiewende gelingt nicht durch Wunschdenken, sondern nur durch realistische Planung und Technologieoffenheit.“

Von der Landesgruppe Sachsen des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) weist der Geschäftsführer Dr. Florian Gräßler ebenfalls auf die Kosten der Energiewende hin: „Ohne eine entschlossene und strikt auf die System- und Kosteneffizienz ausgerichtete Politik werden die Transformationskosten volkswirtschaftlich nicht aufzubringen sein. Jetzt ist Machen und Tempo gefragt, damit wir von der Analyse zügig in die konkrete Umsetzung von Empfehlungen kommen – die Gesamtkosten müssen runter.“

Sichere Versorgung gewährleisten

Vor allem die Punkte ehrliche Bedarfsermittlung, Planungsrealismus und Technologieoffenheit im Plan des Wirtschaftsministeriums sind nach Ansicht der sächsischen Verbände von zentraler Bedeutung. Mirjam Philipp vom VSWG betont: „Für uns steht an erster Stelle die Versorgungssicherheit. Mehr als 70 Prozent unserer Mitgliedsunternehmen setzen in Sachsen auf Fernwärme – bundesweit sind es lediglich rund 14 Prozent. Diese Abhängigkeit bedeutet einerseits Sicherheit, andererseits dürfen unrealistische gesetzliche Anforderungen nicht zu einer Verteuerung der warmen Betriebskosten führen. Verantwortung für faire Kosten tragen wir alle – Energieversorger und sozial orientierte Vermieter gemeinsam.“

Auch Alexander Müller mahnt: „Wir brauchen Lösungen, die Versorgung sichern, Netze zukunftsfähig machen und gleichzeitig bezahlbar bleiben.“

Dr. Florian Gräßler, Vertreter der kommunalen Unternehmen in Sachsen, sieht den Ausbau der Wärmenetze als richtige Maßnahme, um die Klimaziele zu erreichen. Dabei seien aber Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz entscheidend. Seiner Meinung nach können die Wärmenetze nur im Rahmen einer sicheren Förderung wachsen.

Netzausbau für erneuerbare Energien gefordert

Beim Ausbau erneuerbarer Energien sieht die Wohnungswirtschaft dringenden Handlungsbedarf. Der massive zusätzliche Strombedarf für Wärmepumpen stellt die bestehenden Netze nämlich vor enorme Herausforderungen. Alexander Müller vom vdw Sachsen meint: „Ohne Netzausbau und flexible Lösungen riskieren wir eine Schieflage der Energiewende. Wir brauchen keine Überbietungswettbewerbe bei Zielzahlen, sondern einen klaren Realismus: Erst die Infrastruktur, dann die flächendeckende Umsetzung.“

Redaktion (allg.)

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