Ladestationen für E-Autos

Wohnungsnahes Laden macht den Unterschied

Wo hakt es noch beim Stromtanken in Wohngebäuden? Technische Machbarkeit (63 Prozent), und ein aus Sicht der Vermieter bislang zu geringer Mieterbedarf (55 Prozent) sowie hohe Investitionskosten (56 Prozent) sind die größten Hürden beim Ausbau der E-Ladeinfrastruktur im deutschen Wohnungsbestand. Das hat eine Umfrage unter 200 Führungskräften der Branche ergeben.

Ladestationen werden von Mietern bislang eher wenig nachgefragt. Foto: Nassauische Heimstätte
Ladestationen werden von Mietern bislang eher wenig nachgefragt. Foto: Nassauische Heimstätte

Die Investitionskosten werden nun durch die neue Bundesförderung „Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern“ adressiert doch es bestehen zahlreiche weitere Herausforderungen. Innerhalb der kommenden drei Jahre rechnen die Befragten mit einem Ladebedarf von durchschnittlich elf Prozent ihrer Mieterschaft – Tendenz steigend.

„Im Mieterland Deutschland ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern entscheidend für das Gelingen der Mobilitätswende“, sagt Christoph Klinck, Tribe Lead Commercial & Industrial bei ista und Geschäftsführer bei Chargemaker. „Vermeintlich hohe Investitionskosten und lange Amortisationsdauern fordern die Wohnungswirtschaft bei der Errichtung von Ladeinfrastruktur heraus. Mit dem ‚Masterplan Ladeinfrastruktur 2030‘ wird dies zwar nun angegangen, aber viele Programme werden nach dem Prinzip ‚First come, first serve‘ vergeben. Deshalb sollten sich Interessenten schon jetzt vorbereiten und ein zukunftssicheres Ladeinfrastruktur-Konzept aufsetzen lassen.“

Private Wohnungsunternehmen treiben den Markt

Unter den Befragten der Studie sind die privaten Wohnungsunternehmen beim Ausbau der Ladeinfrastruktur derzeit am weitesten: 62 Prozent verfügen bereits in mindestens einer Liegenschaft über Ladeinfrastruktur. Bei Genossenschaften (52 Prozent) und kommunalen Unternehmen (48 Prozent) liegt der Anteil niedriger. Bislang dominieren sogenannte 1-zu-1-Wallboxen, die einzelnen Mietern fest zugeordnet sind. Geteilte Ladepunkte gewinnen jedoch an Bedeutung, insbesondere bei Projektentwicklern. (Halb-)öffentliche Ladepunkte spielen bislang eine untergeordnete Rolle – mit einer Ausnahme: 60 Prozent der befragten Genossenschaften können sich vorstellen, künftig solche Angebote zu schaffen.

Henne-Ei-Problem zwischen Mietern und Vermietern

In allen Teilsegmenten der Wohnungswirtschaft ist der wichtigste Grund für die Installation von Ladepunkten die Nachfrage durch die Mieter.

„Der Ladeinfrastrukturausbau stottert auch aufgrund einer Henne-Ei-Situation: Die Menschen zögern, weil die Ladeinfrastruktur vermeintlich nicht ausreicht – die Wohnungswirtschaft zögert, weil die Mieter vermeintlich keine Lademöglichkeiten nachfragen. Es bleibt zu hoffen, dass der ‚Masterplan Ladeinfrastruktur 2030‘ hilft, diese Blockade zu lösen“, sagt Klinck.

Für 46 Prozent der privaten Wohnungsunternehmen und 52 Prozent der Projektentwickler ist auch die Marktwertsteigerung ein treibendes Motiv. Für kommunale Wohnungsunternehmen und Genossenschaften stehen dagegen stärker regulatorische Anforderungen wie GEIG und EPBD im Fokus.

Hausaufgaben für die Branche: Informationsdefizite bremsen Investitionsentscheidungen

Während fehlendes Know-how noch mit als geringste Hürde für den Ladeinfrastrukturausbau angegeben wurde, fehlen für eine wirtschaftlich belastbare Planung häufig zentrale technische Daten– insbesondere bei kommunalen Wohnungsunternehmen und Genossenschaften. Nur 42 Prozent der Befragten kennen die Netzanschlussleistung und lediglich 22 Prozent verfügen über Informationen zur Last (zum Beispiel aktuelle Lastgangmessung). Überwiegend bekannt sind hingegen Lagepläne und Grundrisse (92 Prozent), Informationen zu den Arten der Stellplätze (83 Prozent), Elektropläne (64 Prozent) und Brandschutzvorgaben (52 Prozent).

Printer Friendly, PDF & Email
19.10.2023
Bewegung in Sachen Ladeinfrastuktur
Das Wohnungsunternehmen Berlinovo Immobilien Gesellschaft mbH stellt Flächen zur Verfügung, auf die Vattenfall öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur errichten kann. Im ersten Schritt sind dafür...
19.6.2025
E-Mobilität
Viele Mieter:innen und Eigentümer:innen besitzen ein E-Auto. Die Nachfrage nach Lademöglichkeiten in Wohngebäuden wächst. Vermieter- und Verwalter:innen haben den Einbau von Ladeinfrastruktur auf der...
13.10.2023
Deutschland bekommt schlechte Noten
Die Infrastruktur kommt schlecht weg bei den Bundesbürgern. Sechs von zehn Befragten (60%) glauben, dass in Deutschland nicht genug unternommen wird, um die Infrastrukturbedürfnisse des Landes zu...
10.4.2025
Mieterstrom-Projekte erfolgreich umsetzen
Von Nachhaltigkeit über Kosteneinsparung bis Energieautarkie: Mieterstromprojekte bieten viele Vorteile, wenn sie richtig umgesetzt werden.
17.1.2024
Infrastruktur von der Energieverteilung bis zur Ladesäule
Die Energiewende setzt auf Elektrifizierung in den Bereichen Wärmeversorgung und Mobilität sowie eine dezentrale Stromversorgung. Dadurch wachsen die Anforderungen an die Energieverteilung – auch im...
26.6.2024
LichtBlick eMobility
Für große Unternehmen mit eigenen Immobilien gelten gesetzliche Lade-Anforderungen, die erfüllt werden müssen. Fehlendes Know-how bei Investitions- und Betriebskosten von Ladepunkten sorgen häufig für...