Neubauzahlen 2021 des Statistischen Bundesamtes

Erstmals seit 2011 sinkt die Zahl fertiggestellter Wohnungen

Bau- und Wohnungswirtschaft waren lange davon ausgegangen, dass 2021 mindestens 300.000 Wohnungen entstehen. Das Statistische Bundesamt meldet jetzt einen Rückgang der Fertigstellungen um 4,2 Prozent auf 293.393 neue Einheiten. Damit zeige der Mangel an Material und Arbeitskräften jetzt schädliche Wirkung.

Inflation und Materialmangel bremsen die Neubautätigkeit jetzt nachweisbar. Foto: Adobestock/1599685sv
Inflation und Materialmangel bremsen die Neubautätigkeit jetzt nachweisbar. Foto: Adobestock/1599685sv

Seit 2011 war die Zahl der Neubauwohnungen jedes Jahr gestiegen. 2020 konnte die Bauwirtschaft immerhin 306.376 neue Wohnungen an den Markt übergeben. Das baupolitische Ziel der Großen Koalition unter Angela Merkel waren jährlich 350.000 neue Einheiten, und es schien, dass das Land diesem Niveau, wenn auch unter großen Schwierigkeiten, Schritt für Schritt näher kommen würde. „In der Legislaturperiode 2018 bis 2021 sind insgesamt 1,179 Millionen neue Wohnungen gebaut worden“, hebt der Immobilienverband Deutschland (IVD) lobend hervor. Die Große Koalition hatte sich für die Legislaturperiode den Bau von 1,5 Millionen Wohnungen zum Ziel gesetzt.

Die neue Ampelkoalition hat nachgelegt, will 400.000 Einheiten jährlich, also sogar 1,6 Millionen Wohnungen in vier Jahren bauen lassen. Seit Herbst letzten Jahres brauen sich jedoch Negativfaktoren zusammen, die schlimmstenfalls die Baukonjunktur komplett abwürgen könnten. Zu den Ursachen schreibt das Statistische Bundesamt: „Hier dürften Lieferengpässe und Rohstoffknappheit, deutliche Preissteigerungen als Folge einer erhöhten Nachfrage nach Baustoffen wie Holz und Stahl im In- und Ausland sowie die hohe Auslastung beziehungsweise Personalknappheit im Baugewerbe eine maßgebliche Rolle spielen.“

Bereits im Februar, also vor Beginn des russischen Eroberungskrieges, meldeten die Statistiker aus Wiesbaden für das Jahr 2021 folgende Preiserhöhungen:

  • Konstruktionsvollholz plus 77,3 Prozent
  • Dachlatten plus 65,1 Prozent
  • Bauholz plus 61,4 Prozent
  • Spanplatten plus 23,0 Prozent
  • Stahlstäbe plus 53,2 Prozent
  • Stahlmatten plus 52,8 Prozent

Die Erzeugerpreise für diese Baustoffe seien im Jahresdurchschnitt 2021 so stark gestiegen wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949.

3,6 Prozent Rückgang in Mehrparteienhäusern

Unter diesen Bedingungen ist die Neubauzahl ist im letzten Jahr um 12.983 Einheiten geringer ausgefallen als 2020. Das ist ein Rückfall auf das Neubauniveau des Jahre 2019 (293.002 WE). In den Zahlen sind sowohl die Baufertigstellungen für neue Gebäude als auch für Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden enthalten. Auf neue Einfamilienhäuser entfielen davon 78.209 Wohnungen, was einem Rückgang um 10,4 Prozent entspricht. In Mehrfamilienhäusern wurden 147.925 und damit 3,6 Prozent weniger Neubauwohnungen fertiggestellt. In Zweifamilienhäusern sank die Zahl um 1,7 Prozent auf 20.118 Wohnungen. Die Zahl fertiggestellter Wohnungen in neuen Nichtwohngebäuden stieg gegenüber dem Vorjahr um 6,4 Prozent auf 5.317. Durch Baumaßnahmen an bereits bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden entstanden 31.724 Wohnungen, das waren 2,7 Prozent weniger als im Jahr 2021.

Verbände wiederholen bekannte Forderungen

Angesicht dieser besorgniserregenden Zahlen über die abnehmende Bautätigkeit meldeten sich die Interessenverbände der Immobilienwirtschaft mit den hinlänglich bekannten Forderungen und Vorschlägen zur Erleichterung und Beschleunigung der Bauaktivitäten. Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft benötigt nach Ansicht des GdW „vor allem Planungssicherheit durch eine auskömmliche Fördersystematik“. Der IVD fordert vereinfachte Genehmigungsverfahren und verstärkt die Umnutzung, den Umbau und Reaktivierung bestehender Gebäude. Das Potenzial aus Aufstockung und Redevelopment sei riesig, auf diesem Weg könnten bis 2040 rund 4,3 Millionen Wohnungen im Bestand entstehen.

Auch der neue BFW-Präsident Dirk Salewski fordert „verlässliche Rahmenbedingungen für mehr Planungssicherheit und eine auskömmliche Förderkulisse“. Bleibt die Frage, ob jemals eine Regierung ein Förderprogramm auflegen könnte, dessen Umfang ausreichte, um eine Inflation von 7,4 Prozent (April) und ein nie dagewesene Preisspirale auszugleichen. Und das in einer Phase, in der die Regierung die gesamte Volkswirtschaft gegen die Auswirkungen eines Krieges in Europa und wirtschaftliche Sanktionen gegen den Aggressor stützen muss. Da bleiben erhebliche Zweifel.   (Red.)

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