Bayerische Förderkrise

Fördertopf für sozialen Wohnungsbau ist schon leer

Der Fördertopf des Landes Bayern für den sozialen Wohnungsbau 2025 ist bereits leer. Der Förderstopp betrifft aktuell über 90 Wohnungsunternehmen. Betroffen sind rund 4.950 Wohnungen in Neubauprojekten und 1.280 Wohnungen in Modernisierungsmaßnahmen.

Nachdem das Fördergeld für den sozialen Wohnungsbau vergeben ist, droht auf Hunderten Baustellen ein abrupter Stopp der Arbeiten. Foto: Adobestock/Bluedesign
Nachdem das Fördergeld für den sozialen Wohnungsbau vergeben ist, droht auf Hunderten Baustellen ein abrupter Stopp der Arbeiten. Foto: Adobestock/Bluedesign

Das meldet der vdw Bayern nach einer Umfrage zu den Investitionstätigkeiten der 505 Mitgliedsunternehmen. Der Förderstopp zu Jahresbeginn 2025 sei für viele Unternehmen überraschend gekommen. Hintergrund ist eine massive Überzeichnung der Fördermittel im Jahr 2024: Auf 700 Millionen Euro für die Einkommensorientierte Förderung (EOF) kamen Anträge über 1,9 Milliarden Euro. Wegen dieses Antragsstaus werde 2025 keine neue Förderung mehr bewilligt – auch für 2026 fehle die Planungssicherheit.

Für den Neubau von 2.318 Neubauwohnungen und die Modernisierung von 247 Wohnungen sei die Bewilligung zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn bereits von den Behörden erteilt worden – ohne, dass nun die Fördermittel bereitgestellt werden. Dadurch würden die betroffenen Unternehmen in teure Zwischenfinanzierungen gedrängt. Das wirke sich vor allem auf Unternehmen aus, die sich bereits mit städtebaulichen Verträgen verpflichtet haben. Leidtragende seien auch junge Wohnungsgenossenschaften, bei denen die Finanzierung der ersten Bauprojekte nun ungewiss sei, stellt vdw-Verbandsdirektor Hans Maier fest.

Die Landesförderung hatte den Neubau stimuliert

Im Januar 2025 hatte sich Hans Maier noch sehr positiv zur stimulierenden Wirkung des sozialen Wohnungsbaus durch die bayerische Landesförderung geäußert. Fast ein Drittel der sozial orientierten Wohnungsunternehmen in Bayern wollten zu Jahresbeginn 2025 ihre Neubauinvestitionen erhöhen. Insgesamt waren 4.500 Mietwohnungen geplant. Grundlage dieser Aktivitäten bildete die relativ großzügige Wohnraumförderung der bayerischen Landesregierung. Rund 80 Prozent der geplanten Neubauprojekte sollten 2025 ganz oder teilweise mit Fördermitteln umgesetzt werden. Für 58 Prozent der Wohnungsunternehmen sei der Neubau ohne Förderung nicht möglich. Der Freistaat Bayern habe 2024 die Rekordsumme von 1,1 Milliarden Euro für die Wohnraumförderung bereitgestellt. Doch die hohe Nachfrage sorgte für einen kompletten Abruf der Mittel, sodass erstmals Projekte abgesagt werden mussten.

Neubauaktivitäten sind 2024 stark eingebrochen

Die Geschäftszahlen 2024 wirken zunächst stabil: Die Gesamtinvestitionen seien leicht auf 2,6 Mrd. Euro gestiegen. Doch der Neubau sei 2024 um ein Fünftel auf 3.566 Wohnungen zurückgegangen. Beim geförderten Wohnungsbau zeige sich der Einbruch noch deutlicher. Mit 1.822 geförderten Wohnungen liege der Rückgang bei 42 Prozent. „Die Lage ist ernst“, sagt Verbandsdirektor Hans Maier. Denn für das Jahr 2025 werden keine neuen Anträge mehr bewilligt.

Die Mitgliedsunternehmen investierten im Jahr 2024 insgesamt 2,6 Milliarden Euro – ein Plus von 2,1 Prozent. In den Neubau flossen 1,6 Milliarden Euro (-1,8 %), in Modernisierungen 386 Millionen Euro (-4,9 %) und in die Instandhaltung 681 Millionen Euro (+18,3 %). Die nahezu gleichbleibenden Investitionen konnten den Rückgang beim Wohnungsbau nicht aufhalten. Die Baukrise habe im Jahr 2024 endgültig auch die Wohnungswirtschaft in Bayern erreicht. Zeigte sich nach rund zehn Jahren eines nahezu ununterbrochenen Anstiegs bei den Fertigstellungen im Jahr 2023 erstmals wieder ein moderater Rückgang um rund zehn Prozent, so stürzten die Fertigstellungen im Jahr 2024 regelrecht ab. Der Wohnungsneubau ging um ganze 21 Prozent zurück und fiel von 4.300 Wohnungen im Jahr 2023 auf nur noch 3.566 Wohnungen in 2024 ab.

„Fördergeld für Sozialwohnungen darf nicht privates Rettungskapital sein“

Die Ursache für die deutliche Überzeichnung der Wohnraumfördermittel liegt für den Verband vor allem an der stark wachsenden Nachfrage aus der Privatwirtschaft. „Es kann nicht sein, dass Wohnraumfördermittel in der Baukrise zu Rettungskapital werden“, kritisiert der Verbandsdirektor. Denn das hat nichts mit einer nachhaltigen Bewirtschaftung zu tun. „Bei der sozial orientierten Wohnungswirtschaft bleiben die geförderten Wohnungen nach Bindungsablauf im Bestand und werden weiterhin zu fairen Preisen vermietet“, erklärt Maier. Andere Bundesländer hätten zwar auch mit knappen Fördermitteln zu kämpfen, aber einen kompletten Stopp scheint es nur in Bayern zu geben.

Redaktion (allg.)

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