Neubautour nach Trier, Ingelheim und Mainz

Das Schlagwort Bezahlbare Wohnungen ist überall zu hören, wenn es um den Mietwohnungsbau geht. Breite Schichten der Bevölkerung sollen sich das Wohnen leisten können. Die Verbände der sozial orientierten Wohnungswirtschaft in Rheinland-Pfalz hatten eine Tour organisiert, zu der Finanzministerin Doris Ahnen eingeladen war. Besucht wurden besonders gelungene Beispiele für sozial geförderten Wohnungsbau.

Mainz liegt am Rhein und ist eine beliebte Stadt mit hoher Wohnqualität. Wie in anderen Ballungzentren, fehlt auch hier Bezahlbarer Wohnraum. Bild: Pixabay/ stilfee
Mainz liegt am Rhein und ist eine beliebte Stadt mit hoher Wohnqualität. Wie in anderen Ballungzentren, fehlt auch hier Bezahlbarer Wohnraum. Bild: Pixabay/ stilfee

Die Zahl der genehmigten Wohnungen in Rheinland-Pfalz lag 2024 auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren. Dass sie nicht noch weiter gesunken ist, ist vor allem der sozialen Wohnraumförderung  zu verdanken, deren Kreditvolumen im vergangenen Jahr 445,2 Millionen Euro betrug.
Wohnraumförderung ist der Landesregierung sehr wichtig

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat für den Doppelhaushalt 2025/26 die Fördermittel nahezu verdoppelt. Wie wichtig diese Gelder sind, zeigten die Wohnungsbaubeispiele aus der Praxis, die den Teilnehmenden auf den Stationen der Reise in Trier, Ingelheim und Mainz präsentiert wurden.

Die Fachreise führte nach Trier, Ingelheim und Mainz

In Trier realisiert die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft 13 sozial geförderte Wohnungen im energetisch anspruchsvollen KfW-40-EE-Standard. Mit dem Gebäude wird eine Baulücke an einer innerstädtisch prägnanten Stelle gegenüber St. Matthias geschlossen.

In Ingelheim hat die Wohnungsbaugesellschaft Ingelheim am Rhein GmbH ein lebendiges Quartier mit 83 Neubau-Wohnungen auf dem Thornschen Gelände errichtet. Klinker- und Holzfassaden wechseln sich ab. Es ist ein Beispiel dafür, wie Wohnraumförderung den Städtebau mit hervorragenden Qualitäten prägen kann. Auf städtebauliche Nachverdichtung setzt ebenfalls das Projekt Heidesheimer Höfe, wo Denkmalschutz und ergänzende Neubauten zu einem lebendigen Quartier verbunden werden.

In Mainz-Mombach rückt ein geförderter Neubau an der Jägerhofstraße in den Fokus. An der Stelle, an der zuvor ein nicht mehr sanierungsfähiges Einfamilienhaus stand, sind neun sozial geförderte Wohnungen gebaut worden, die an einen geschützten Innenhof angrenzen – ein gutes Beispiel für maßvolle Verdichtung, die Lebensqualität schafft.

„Lebenswerte Quartiere“

Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen würdigt die Wirksamkeit der sozialen Wohnraumförderung in Rheinland-Pfalz: „Die Kosten fürs Wohnen steigen vielerorts bereits seit Jahren an. Deshalb ist es so wichtig, mit Mitteln der sozialen Wohnraumförderung bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Fördermittel wurden im Doppelhaushalt 2025/2026 nahezu verdoppelt. Hier setzt die Landesregierung einen klaren Schwerpunkt. Die heutige Fachreise macht deutlich, wie erfolgreich es sein kann, Bezahlbarkeit mit Qualität und Nachhaltigkeit zu verbinden. Im Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen arbeiten wir mit unseren Bündnispartnern, unter anderem der Architektenkammer Rheinland-Pfalz und den VdW-Verbänden, gemeinsam an guten Lösungen. In Trier, Ingelheim und Mainz finden sich Vorzeigeprojekte für bezahlbaren Wohnraum, die durch Landes- und Bundesmittel unterstützt wurden.“

Der VdW Rheinland-Pfalz sieht in der Neubau-Tour ein wichtiges Zeichen für den Wert sozialer Wohnraumförderung.
Sinn der Reise war es unter anderem zu zeigen, dass mithilfe von staatlichen Mitteln es zu sehr guten Lösungen beim Mietwohnungsbau kommen kann, zeigt sich Joachim Rind, Präsident der Architektenkammer, überzeugt. Er meint:

Wohnraumförderung und architektonische und städtebauliche Qualität schließen sich nicht gegenseitig aus.“ 

Quelle: Arbeitsgemeinschaft rheinland-pfälzischer Wohnungsunternehmen

 

Die Neubautouur der AG rheinland-pfälzischer Wohnungsunternehmen im Einzelnen:

Der Besuch in Trier: Neubau an der Matthiasstraße − Geförderter Neubau | KfW-40-NH-Standard in innerstädtischer Baulücke

Bauherrin: Aachener Siedlungs- und Wohnungs-gesellschaft, Köln
Planung: Architekt Stefan Hurtmann (Aachener SWG)

In unmittelbarer Nachbarschaft zur ortsbildprägenden Abteikirche St. Matthias in Trier-Süd schließt der Neubau eine städtebauliche Lücke. In dem auch energetisch anspruchsvollen Projekt wird der KfW-40-NH-Standard erreicht und 13 sozial geförderte Wohnungen geschaffen. Die 3- bis 5-Zimmer-Wohnungen bieten auch Platz für größere Familien, die es auf dem Trierer Wohnungsmarkt eher schwer haben. Drei E-Ladestationen und 44 Fahrradstellplätze sind Teil des Verkehrskonzepts.

In den Neubau zieht ebenso die neue Geschäftsstelle der Aachener ein. Das kirchliche Wohnungsunternehmen versteht dies auch als Statement für ein größeres Engagement in Trier.

Die Wohnungen sollen im Sommer 2026 bezugsfertig sein. Zum Zeitpunkt der Fachreise ist der Rohbau fertiggestellt.

Der Besuch in Ingelheim: Thornsches Gelände − Geförderter Neubau | Inklusives, generationenübergreifendes Wohnquartier mit viel Grün

Bauherrin: Wohnungsbaugesellschaft Ingelheim am Rhein GmbH
Architekten: Kramm & Strigl Architekten und Stadtplanerges. mbH, Darmstadt, Schuster Architekten GbR, Ingelheim am Rhein

Im Herzen von Frei-Weinheim mit Nähe zum Rhein ist ein lebendiges Wohnquartier entstanden. Junge und alte Menschen, Familien, Singles, Studierende, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung leben im neuen inklusiven Quartier zusammen. Es ist ein ‚Zuhause im Grünen‘ in einer für alle offenen Grünanlage mit zwei Spielplätzen.

Die Architektur präsentiert sich abwechslungsreich, Klinkerfassaden wechseln sich mit Holzfassaden ab. Die Wohnhäuser sind begrenzt auf zwei
Stockwerke plus Dachgeschoss mit luftigen Wohnungen.

Auf dem 7.200 Quadratmeter großen Areal sind zehn Häuser entstanden mit ganz unterschiedlichen Kubaturen, jedes davon mit einer individuellen Dachform. 83 1- bis 5-Zimmer-Wohnungen finden hier Platz mit 45 bis 110 Quadratmetern. Elf Wohnungen sind barrierefrei, sieben vollständig rollstuhl
gerecht. Eine Tiefgarage bietet Platz für 89 Autos. Zusätzlich stehen im Quartier Car-Sharing-PKW zur Verfügung.

Projekt Heidesheimer Höfe in Ingelheim − Inklusives Quartier mit Bestand, Umbau im Denkmalschutz und Neubauten

Bauherrin: Wohnungsbaugesellschaft Ingelheim am Rhein GmbH
Architekt Neubau: schneider+ schumacher, Frankfurt am Main  
Architekt Denkmäler: Schuster Architektur, Ingelheim am Rhein

In Ingelheims Stadtteil Heidesheim entsteht ein lebendiges Quartier, in dem Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf leben sollen. Die Bestandsgebäude des Diakoniewerks Zoar werden weiterbetrieben, dabei handelt es sich um eine Werkstatt, eine Kita, ein Wohnhaus und eine Kantine. Die denkmalgeschützten Backsteingebäude (ca. von 1880) werden saniert und für die Wohnnutzung umgenutzt. In den Freiflächen verdichten Neubauten, teilweise mit kleineren Gewerbeeinheiten mit hohem gestalte-ischen Anspruch, das Quartier nach.

Die denkmalgeschützte Parkanlage bleibt erhalten und bietet hochwertige grüne Aufenthaltsräume. So entstehen an mehreren Stellen  Begegnungsorte, die das Quartier in Bezug auf Wohnen, Arbeiten und Leben besonders wertvoll machen. Im denkmalgeschützten Gebäude werden 36 Wohnungen implementiert. In den Neubauten entstehen rund 170 Wohnungen, 100 davon sollen öffentlich gefördert werden.

Zu Besuch in Mainz: Jägerhofstraße Mombach − Geförderter Neubau | Privater Auftraggeber für kleineres Projekt

Bauherrin: Thomas Kräuter, Mainz
Planung: Melachrinos und Schlitt Architekten BDA, Mainz

Im Ortskern des Mainzer Stadtteils Mombach sind zwei schlichte Neubauten mit neun Wohnungen entstanden. Die unterkellerten Gebäudeteile mit Flachdach umschließen einen geschützten Innenhof, zu dem sich die Wohnbereiche öffnen. Alle Wohnungen sind mit einer Terrasse oder Loggia versehen; die Fassade ist begrünt. Die dreigeschossigen Häuser im Effizienzstandard 40 plus bieten barrierefreie Wohnungen mit zwei bis fünf
Zimmern und sind somit auch für größere Familien geeignet. Durch die Trennung in private und gemeinschaftliche Zonen kommen die Grundrisse ohne lange Flure aus.

Zum Energiekonzept gehören eine Luftwärmepumpe und Solarzellen auf dem Dach. Fahrrad- und PKW-Stellplätze sowie ein Spielplatz vervollständigen das Angebot im Außenbereich.

Das Grundstück war zuvor mit einem leerstehenden, nicht sanierungsfähigen Einfamilienwohnhaus bebaut, das für die Maßnahme abgebrochen wurde. So kann man auch vom Prinzip der Nachverdichtung sprechen, ein Modellprojekt im Stadtgebiet von Mainz mit heiß umkämpftem Wohnungsmarkt.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft rheinland-pfälzischer Wohnungsunternehmen

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