Verkäufe weiter rückläufig

Heizungsindustrie produziert auf Sparflamme

Die deutsche Heizungsindustrie verzeichnet auch im ersten Halbjahr 2025 einen deutlichen Rückgang der Verkaufszahlen. Der Einbruch betrifft Öl- und Gasheizungen. Erstmals wurden mehr Wärmepumpen als Gasheizungen abgesetzt.

So neuwertig wie die Anlage auf dem Foto sind längst nicht alle Heizungsanlagen. Die Dena schätzt, dass rund vier Millionen Heizungen seit 30 Jahren im Betrieb sind, vor allem in Einfamilienhäusern. Foto: Adobestock/Gerd
So neuwertig wie die Anlage auf dem Foto sind längst nicht alle Heizungsanlagen. Die Dena schätzt, dass rund vier Millionen Heizungen seit 30 Jahren im Betrieb sind, vor allem in Einfamilienhäusern. Foto: Adobestock/Gerd

Nach dem massiven Absatzeinbruch um 46 Prozent im Jahr 2024 sank der Absatz in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nochmals um 22 Prozent auf nur noch 296.500 Geräte. Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), befürchtet schlechteste Jahresergebnis der vergangenen 15 Jahre, sollte sich dieser Trend in den kommenden fünf Monaten fortsetzen. Während der Markt für öl- und gasbasierte Heizungen nach einem bereits schwachen Vorjahr um nochmals bis zu 81 Prozent weiter stark eingebrochen sei, verzeichneten Wärmepumpen (+55 %) und Biomasseheizungen (+42 %) prozentuale Zuwächse. Die verkauften Stückzahlen im Einzelnen:

  • Heizungs-Wärmepumpen: 139.500
  • Gas-Wärmeerzeuger: 132.500
  • Biomasse (Holz, Pellets): 14.000
  • Öl-Wärmeerzeuger: 10.500

Verunsicherung hemmt Investitionen

Der BDH sieht die zentrale Ursache für die anhaltend schwache Marktentwicklung in der anhaltenden Verunsicherung der Verbraucher. Die aktuell gültige Rechtslage sowie die im Koalitionsvertrag angekündigte Überarbeitung des Gebäudeenergiegesetzes sorgten für fehlende Planungssicherheit. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte kurz nach Amtsübernahme angekündigt, „das Heizungsgesetz abschaffen zu wollen“.

Der Verband erinnert an den Dena-Gebäudereport, wonach rund vier Millionen Heizungen in Deutschland älter als 30 Jahre seien. Um die Klimaziele zu erreichen, müssten ab sofort jedes Jahr über eine Million Heizsysteme modernisiert werden. Damit dies gelingt, braucht es verlässliche gesetzliche Vorgaben, stabile Förderbedingungen und planbare Energiekosten. Nur so entsteht das Vertrauen, das private Haushalte für zukunftsweisende Investitionen benötigen.

Klimaschützer sehen Grund zum Optimismus

Die Initiative Klimaneutrales Deutschland wertet hingegen die Halbjahresbilanz der Heizungsindustrie ganz anders und betont: Erstmals seien mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft worden. „Derzeit sehen wir einen echten Wärmepumpen-Run – ganz ohne Zwang“, sagt Carolin Friedemann, Geschäftsführerin der Initiative. Derzeit heizten laut einer Allensbach-Umfrage 15 Prozent der selbstnutzenden Hausbesitzer in Deutschland mit einer Wärmepumpe. Bis 2029 könnte sich diese Zahl mehr als verdoppeln, auf fast 40 Prozent. Dass viele Hauseigentümer gerade ihre Pläne in die Tat umsetzen, zeigten die aktuellen Verkaufszahlen der Heizungsindustrie. Die Allensbach-Umfrage wurde von der Initiative Klimaneutrales Deutschland in Auftrag gegeben. Die Meinungsforscher wollen herausgefunden haben, dass Deutschlands Eigenheimbesitzer für die private Energiewende bereit seien: Bis 2029 wollten vier von zehn eine Wärmepumpe zum Heizen nutzen. Der Anteil der selbstgenutzten Eigenheime mit Wärmepumpe könnte sich mehr als verdoppeln und damit eine enorme Nachfragewelle auslösen, von der Handwerk und Mittelstand profitieren.

Wärmepumpen: Milliardenpotenzial für den Mittelstand

Deutschlandweit wohnen rund 13,5 Millionen Haushalte im eigenen Haus. Wenn sich die Anschaffungspläne aus der Umfrage realisieren, könnten allein in den kommenden Jahren über drei Millionen zusätzliche Wärmepumpen installiert werden – das bisherige Spitzenjahr 2023 kommt auf 356.000 verkaufte Anlagen. Für Hersteller und Installateure bedeute das ein riesiges Umsatzpotenzial.

Umfrage-Methodik

Die Umfrage wurde im Herbst 2024 vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt. Befragt wurden 4.089 Hausbesitzer ab 18 Jahren, die im eigenen Haus wohnen. Die Befragung wurde online durchgeführt. Sie sei repräsentativ für die Gesamtheit aller Hausbesitzer in Deutschland, die im eigenen Haus wohnen. Bei 17,3 Millionen Haushalten (lt. Zensus), die in Ein- oder Zweifamilienhäusern leben, und einer Eigentumsquote von 78 Prozent entspreche das rund 13,5 Millionen Haushalten.

 

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