Mietausfälle und Stundungen überschaubar

Immobilienwirtschaft zeigt sich in Corona-Krise sehr anpassungsfähig

Wohnungsunternehmen und Vermieter von Gewerbeflächen zeigen in der Corona-Krise eine hohe Anpassungsfähigkeit. Mietausfälle und die Zahl von Mietstundungen halten sich nach wie vor in beherrschbaren Grenzen. Und viele Bestandshalter suchen nach fairen Einigungen, weil sie ihre Mieter langfristig halten wollen.

Mietverluste bleiben in der Krise bislang die Ausnahme. Foto: Adobestock/MH
Mietverluste bleiben in der Krise bislang die Ausnahme. Foto: Adobestock/MH

Der VdW Verband der Wohnungswirtschaft in Bayern hat seine Mitgliedsunternehmen im Juli zum dritten Mal zu den Auswirkungen der Pandemie befragt. 212 Wohnungsunternehmen mit fast 307.000 Wohnungen haben geantwortet. Fazit von VdW-Direktor Hans Maier:

„Die bayerische Wohnungswirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten sehr anpassungsfähig gezeigt und gut auf die zahlreichen Herausforderungen im Zuge der anhaltenden Corona-Pandemie eingestellt“. Während viele Wohnungsunternehmen in den Umfragen im April und Mai noch von teils massiven Einschränkungen in den Bereichen Vermietung und Instandhaltung berichtet hätten, so habe sich die Lage mittlerweile vielerorts etwas entspannt. Im wichtigen Arbeitsbereich Wohnungsvermietung sprachen im Juli nur noch 6,5 Prozent der befragten Unternehmen von großen Behinderungen für die tägliche Arbeit – im Mai waren es noch 23 Prozent.  

VdW Bayern meldet Mietstundungen von knapp zwei Millionen Euro

Auch die finanziellen Auswirkungen der Krise seien überschaubar. Noch wichtiger sind die finanziellen Auswirkungen der Krise. 38 Prozent der befragten Unternehmen hätten mit ihren Wohnungsmietern Stundungsvereinbarungen abgeschlossen. Auch hier gebe es jedoch verhalten positive Neuigkeiten: Die Anzahl der vereinbarten Stundungen stagniere im niedrigen vierstelligen Bereich, die Summe der insgesamt gestundeten Beträge steige nur langsam an. Bei den Gewerbemietern hätten sich die gestundeten Beträge im Vergleich zum Mai sogar leicht reduziert. Insgesamt bestehen nach Angaben der Unternehmen im Wohn- und Gewerbebereich aktuell Stundungsvereinbarungen über eine Summe von knapp zwei Millionen Euro.

Gewerberaum-Vermieter streben gütliche Einigungen an

Der ZIA Zentrale Immobilienausschuss meldet, die Verhandlungen zwischen Gewerbe-Vermietern und Mietern im Handelsbereich seien von großer Einigungsbereitschaft geprägt. Das sei das Ergebnis einer nichtrepräsentativen Umfrage des ZIA unter seinen betroffenen Mitgliedern. Demnach hätten alle Vermieter während des Corona-Shutdowns bei ihren Mietverträgen über Mietzins-Stundungen oder Reduktionen verhandelt. Bei über 40 Prozent der Vermieter ginge es dabei um mehr als 70 Prozent ihrer Mietverträge. Insgesamt konnten die Vermieter bereits im Rahmen des Shutdown bei bis zu 90 Prozent ihrer Mietverträge eine Einigung mit ihren Mietern erzielen. Es gebe zudem schon Einigungen für die Miete in der Zeit danach. 

Die Ergebnisse zeigten zudem, dass es den Vermietern vornehmlich um eine langfristige Bindung des Mieters gehe. Diesen Maßstab gaben 100 Prozent der Umfrageteilnehmer an. Für 85 Prozent spielte darüber hinaus die Leistungsfähigkeit des Mieters eine Rolle. 

Unterdessen meldet das Portal ImmoScout24, dass die Gewerbemieten bislang weitgehend unberührt von der Corona-Pandemie scheinen. Dies zeigten die Ergebnisse des Mietpreisindex für Gewerbeflächen (GIMX) für das erste Halbjahr 2020, den ImmoScout24 Gewerbe zusammen mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) herausgibt. Während sich die Mietpreise auf dem Büromarkt trotz Kontakteinschränkungen und zunehmenden Homeoffice-Regelungen stabil entwickelten, differenziere sich der Einzelhandelsmarkt weiter aus.

Trotz Homeoffice keine Einbrüche bei Büromieten 

Infolge der Kontakteinschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie schickten zahlreiche Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice. Auf die angebotenen Büromieten wirke sich das bislang nicht aus. Neun von zwölf der untersuchten Großstädte wiesen für die Angebotsmieten Zuwächse von mehr als zwei Prozent für das erste Halbjahr 2020 aus.

Bereits vor der Corona-Pandemie hätten sich im Einzelhandelsmarkt sehr unterschiedliche Bewegungen gezeigt. Dieser Trend habe sich im ersten Halbjahr 2020 in beiden Quartalen fortgesetzt.

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