Studie der EXPO REAL

Kein Wachstum ohne Wohnraum

Zum Start der internationalen Fachmesse für Immobilien und Investitionen am 6. Oktober hat die EXPO REAL die aktuelle Studie „Wohnen im Lebenszyklus“ veröffentlicht. Sie kommt zu dem eindeutigen Ergebnis: Die Knappheit an Wohnraum entwickelt sich zur Wachstumsbremse der deutschen Wirtschaft. Aber wie lässt sich das Problem lösen?

Zur Eröffnung der EXPO REAL in München liegt eine aktuelle Studie zum Wohnungsmarkt vor. Foto: Messe München GmbH
Zur Eröffnung der EXPO REAL in München liegt eine aktuelle Studie zum Wohnungsmarkt vor. Foto: Messe München GmbH

„Unsere Studie zeigt, dass ausreichend verfügbarer Wohnraum und funktionierende Wohnungsmärkte als Wachstumsfaktoren für die Wirtschaft stark unterschätzt werden. Den Wohnungsmarkt aktiver zu gestalten, ist nicht nur eine soziale Frage, sondern auch ein dringendes wirtschaftspolitisches Gebot. Die Lösung der Wohnungsfrage ist eine zwingende Voraussetzung dafür, dass die Konjunktur in Deutschland wieder Fahrt aufnimmt – ohne Wohnraum wird es auch kein Wachstum geben“, sagt Claudia Boymanns, Exhibition Director der EXPO REAL.

Mit der wissenschaftlichen Untersuchung setzt die EXPO REAL einen gezielten Impuls in der Debatte um die Lösung der akuten Wohnungsknappheit.„Der Wohnungsmarkt und insbesondere der akute Mangel an bezahlbarem Wohnraum sind derzeit die zentralen Gesprächsthemen der Immobilienbranche. Davon zeugen auch die vielen Vorträge und Diskussionsrunden in unserem Konferenzprogramm in diesem Jahr sowie unser neues Format Flexible Housing“, merkt Boymanns an.

Mangel an bezahlbarem Wohnraum versperrt Zugang zum Arbeitsmarkt

Matthias Günther, Geschäftsführer des Pestel Instituts und Autor der Studie, diagnostiziert in seiner Untersuchung einen gelähmten Wohnungsmarkt, der zunehmend auch den Arbeitsmarkt „erstarren“ lässt: „In Defizit-Regionen, in denen die Nachfrage das Wohnangebot massiv übersteigt, können Haushalte mit niedrigem Einkommen faktisch nicht mehr umziehen, weil die Differenz zwischen Angebots- und Bestandsmieten ein für diese Einkommensgruppe nicht mehr bezahlbares Ausmaß angenommen hat. Und auch die dringend benötigte qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland wird durch die massive Unterversorgung mit Wohnraum stark behindert. Die große Arbeitskräftelücke vieler Industrie- und Dienstleistungsbranchen kann sich dadurch nicht schließen“, erklärt der langjährig erfahrene Wohnungsmarktforscher.

Die Ungleichheit am Wohnungsmarkt nimmt zu

Hinzu kommt: Die Wohneigentumsquote in Deutschland nimmt über alle Altersgruppen seit Jahren stetig ab. Die Folgen für die Vermögensverteilung seien fatal, so der Wohnungsmarktexperte. Die EXPO REAL Wohnstudie macht deutlich, dass die Ungleichheit beim Thema Wohnen in Deutschland insgesamt immer weiter zunimmt. Die verfügbare Wohnfläche je Einwohner war noch nie so hoch wie heute, gleichzeitig herrscht in vielen Regionen Wohnungsmangel.

Derzeit fehlen laut EXPO REAL Wohnstudie allein in Westdeutschland etwa 1,2 Millionen Wohnungen, vorausgesetzt der Langzeitleerstand wird nicht mehr angeboten. Dieses Wohnraumdefizit muss sich auflösen, um die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt wieder anzukurbeln. „Die Lage spitzt sich zu. Es reicht nicht mehr aus, einzelne Segmente zu fördern. Der Wohnungsbau insgesamt muss stimuliert werden, wenn das Wohnungsproblem gelöst werden soll“, sagt Günther. Sowohl der soziale als auch der Wohnungsbau durch Projektentwickler und der Eigenheimbau müssen auf breiter Front belebt werden. Ein großer Schritt könnte gegangen werden, wenn der Staat seine Vorteile in der Refinanzierung an den Wohnungsbau weitergeben würde, und zwar sowohl an den Mietwohnungsbau als auch an den Bau von Eigentumswohnungen, heißt es in der Studie.

Energetische Sanierung weiter wichtig, Bauen von Wohnungen ist prioritär

Qualitativ ausgerichtete Förderprogramme allein können das Problem nicht lösen. Förderungen, die gegenüber den in Deutschland ohnehin schon sehr hohen Standards ‚noch bessere‘ Wohnungen bauen lassen, seien in dieser Situation nicht zielführend. „Es sollte auch egal sein, ob die Gebäude aus Beton, Stahl oder Holz sind – Hauptsache ist, dass die Wohnungen gebaut werden. Sonst gibt es keine positive wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland“, erklärt Studienautor Günther. „Ein wesentlicher Bestandteil der Transformation des Gebäudesektors liegt in der Deckung des nach der Sanierung verbleibenden Energiebedarfs durch regenerative Quellen. Die Kosteneffizienz der Umstellung auf alternative Systeme der Wärmebereitstellung – zu nennen ist insbesondere die Wärmepumpe – ist weit höher als eine sehr anspruchsvolle energetische Sanierung. Die Bestandssanierung darf nicht aufgegeben werden, aber die zu erreichenden Standards hinsichtlich des Wärmebedarfs sind zu hinterfragen,“ so Günther.

Die ganze Studie hier im Download.

 

Redaktion (allg.)

Pixabay/ Mohamed_hassan
Unpünktliche Zahlung, unerlaubte Hundehaltung, Lärm und vieles andere kann das Mietverhältnis stören. Verhält sich der Mieter nicht vertragstreu, kann der Vermieter eine Abmahnung aussprechen. Eine solche Abmahnung ist die Vorstufe für weitergehende Maßnahmen, wie...
Printer Friendly, PDF & Email
4.4.2023
Wohnen im Alter
Es fehlen Wohnungen, es fehlen bezahlbare Wohnungen, es fehlen kleinere Wohnungen - besonders für ältere Menschen. Die Bayboomer gehen in absehbarer Zeit in Rente. Das Pestel-Institut schlägt jetzt...
16.1.2024
Sozialbündnis wirft dem Staat Missmanagement vor
Das Bündnis „Soziales Wohnen“ wirft Bund und Ländern „Missmanagement“ bei der Versorgung von einkommensschwachen Menschen mit Wohnraum vor. Weil immer mehr Sozialwohnungen fehlen, seien die...
15.8.2024
Pestel-Institut kritisiert Erhöhung des Wohngelds
Angesichts der Preis- und Mietenentwicklung hat das Bundeskabinett eine Erhöhung des Wohngeldes um durchschnittlich 30 Euro ab 1. Januar 2025 beschlossen. „Damit treibt der Bund die Mieten weiter nach...
6.2.2025
Verbändebündnis schlägt Alarm
Seit 30 Jahren sinkt die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland. Auch die erhebliche Ausweitung der Bundesförderung durch die Ampelregierung konnte diesen Negativtrend nicht stoppen. Eine neue Studie...
9.10.2025
EXPO REAL 2025 beendet
Nach einer Phase der Unsicherheit zeigt die europäische Immobilienwirtschaft wieder sichtbare Anzeichen der Stabilisierung. Hohe Zinsen, wirtschaftliche Herausforderungen und strukturelle...
16.1.2023
Spitzentreffen im Bauministerium
Am 13. Januar fand zwischen Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) und 17 Spitzenvertretern der Bau- und Immobilienwirtschaft ein Krisengespräch statt. Die Branche erwartet, dass die Bauministerin...