Einbruch im Wohnungsbau verringert den Wohlstand spürbar
Im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) hat das Institut in der Studie die aktuelle Lage auf dem Bau und den Wohnungsmärkten in Deutschland untersucht. Die mitwirkenden Wissenschaftler sprechen darin von einer „fatalen Situation“. Deutschland erlebe einen Zustand, den es so noch nie gegeben habe: „Es werden so viele Wohnungen gebraucht wie lange nicht. Und es werden so wenige Wohnungen gebaut wie lange nicht. Beides kommt zusammen: Das ist toxisch – das ist Marktversagen. Die Folge ist der Kollaps auf dem Wohnungsmarkt“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.
Botschaft ans Kanzleramt: Mehr Wachstum nur mit mehr Wohnungsbau
Studienleiter Günther übt dabei heftige Kritik an der Bundesregierung: „Den Wohnungsbau so abstürzen zu lassen, ist sowohl sozial als auch ökonomisch unverantwortlich.“ Schließlich hänge die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands ganz entscheidend am Wohnungsbau. Der Bund müsse den Neubau von Wohnungen als strategische Aufgabe begreifen, wenn Deutschland wieder auf einen Wachstumspfad kommen solle: „Wirtschaftswachstum funktioniert nur mit mehr Wohnungsbau. Das ist die Botschaft, die ganz offensichtlich weder im Bundeskanzleramt noch im Bundesfinanzministerium bislang angekommen ist. Anders lässt es sich kaum erklären, warum die Bundesregierung auf den Einbruch beim Neubau, der in diesem Jahr einen neuen Tiefpunkt erreichen wird, nicht reagiert.“ Die Prognose beim Wohnungsneubau für 2026 liege laut ifo-Institut bei lediglich nur noch rund 185.000 Wohnungen (ifo-Institut), so Matthias Günther.
Über ein halbes Prozent weniger BIP und ein Prozent Wohlstandsverlust
Die Baubrache verbuchte in zwei Jahren – vom letzten „starken Baujahr“ 2023 bis zum Tiefpunkt der Bautätigkeit in 2025 – ein Netto-Umsatzverlust von rund 26,9 Milliarden Euro), so das Pestel-Institut. Das habe das Wirtschaftswachstum bundesweit nach unten gedrückt: Der Rückgang beim Wohnungsbau hat nach Berechnung der Wissenschaftler 0,6 Prozentpunkte beim Bruttoinlandsprodukt gekostet.
Außerdem habe der Wohnungsbau-Ausfall dem Staat enorme Einnahmeverluste beschert: Allein bei der Umsatzsteuer habe er im vergangenen Jahr 5,1 Milliarden Euro und bei der Grunderwerbsteuer 1,9 Milliarden Euro weniger eingenommen als dies bei einer noch stabilen Bautätigkeit von rund 300.000 Wohneinheiten pro Jahr der Fall gewesen wäre. Dazu kommen, so die Wissenschaftler vom Pestel-Institut, Arbeitsplätze, die durch den Absturz des Wohnungsbaus verloren gegangen sind. „Ebenso freie Stellen, die in Boom-Regionen nicht besetzt werden können, da Wohnungen fehlen“, so Matthias Günther. Der Ökonom ermittelt einen Wohlstandsverlust von insgesamt mindestens ein Prozent, den Deutschland durch den massiven Rückgang beim Wohnungsbau innerhalb von nur zwei Jahren verkraften musste.
Wohnungsknappheit als Wirtschaftsbremse
Die Wohnungsknappheit entwickelt sich nach Ansicht des Pestel-Instituts immer mehr zur Beschäftigungsbremse. Die Wissenschaftler haben dabei die 1,15 Millionen Arbeitsplätze im Blick, die als offene Stellen bei der Arbeitsagentur gemeldet sind. Gerade in Großstädten und Metropolregionen werde es immer schwieriger, frei werdende Arbeitsplätze vor allem in unteren Einkommensgruppen neu zu besetzen. Betroffen seien vor allem wirtschaftlich starke Regionen in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen sowie in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg.











