Die Chefin des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), Maren Kern, findet die Anzeichen ermutigend: das Schneller-Bauen-Gesetz Berlin, der Schritt Richtung Berliner Verwaltungsreform, das erneuerte Berliner Wohnungsbündnis (Bündnis für Wohnungsbau und bezahlbares Wohnen) oder der „Bauturbo“ der Bundesregierung. Kern dringt gleichzeitig auf einen gemeinsamen Kurs für mehr Wohnungsbau.
Investitionen verdampfen im Baukostensog
Die BBU-Mitgliedsunternehmen hätten – sogar mit einem Spitzenwert im Jahr 2024 – Rekordinvestitionen getätigt: für neue Wohnungen, zeitgemäße Bestände und klimafitte Quartiere. Im Ergebnis aber sei Bau-Geld heute ein Drittel weniger wert als noch vor fünf Jahren und es gäbe durch die Last der Baupreise keine deutlich verbesserte Zahl an Wohnangeboten. Trotz aller Effizienzanstrengungen seitens der Wohnungsunternehmen könnten Mietsteigerungen daher nicht verhindert werden. „Die Mieten bei unseren Unternehmen steigen zwar deutlich langsamer als im Markt insgesamt. Dennoch ist diese Entwicklung für einkommensschwächere Haushalte belastend“, so Kern weiter.
Neubauprojekte liegen auf Eis
Die Neubauzahlen in Berlin würden immer weiter sinken: die Zahl sowohl der Fertigstellungen als auch der Baustarts bei den BBU-Mitgliedsunternehmen sei 2024 so niedrig gewesen wie seit Jahren nicht. Viele Unternehmen legten ihre Neubauprojekte auf Eis. Sie könnten die hohen Baukosten und Zinsen nicht erfolgreich refinanzieren, weil auch sie dann die im Neubau längst üblichen Mieten von 20 Euro und mehr pro Quadratmeter nehmen müssten, erläuterte Kern.
Markt diktiert Hürdenlauf für Wohnraum
Die Zahlen der Berliner BBU-Mitgliedsunternehmen zeigten klar: Gestiegene Materialpreise und Handwerkskosten sowie teure Zinsen blieben die größten Projektbremsen. Aktuellen Überlegungen in Richtung radikaler Eingriffe in den Wohnungsmarkt erteilte Kern auch mit Blick auf einen vorsichtigen Optimismus der Branche eine klare Absage. Es sei kontraproduktiv, wegen einiger schwarzer Vermieter-Schafe verschärfte Regelungen für Enteignung oder den Mietendeckel anzugehen. Unternehmen mit hoher Sozialorientierung bei den Mieten benötigten für ihre wirtschaftliche Ausrichtung klare Rahmenbedingungen, die ihnen den Rücken stärkten, warnte Kern.
Bauen vereinfachen, Vertrauen verdienen
Die Unternehmen der sozialen Wohnungswirtschaft wollen weiter und mehr liefern. „Dazu müssen Politik und Verwaltung ihr Versprechen einlösen, Planen und Bauen umfassend zu entschlacken und damit schneller, einfacher und bezahlbarer zu machen“, forderte Kern und nannte konkrete Forderungen. Die Aufbruchstimmung sei da – laut Kern müssten jetzt Bauen und Modernisieren entschlossen dereguliert, vereinfacht und digitalisiert werden, damit am Ende auch wirklich bezahlbarer Wohnraum dabei herauskommt.
Branche unter Druck
Die BBU-Vorständin Maren Kern benannte auf der BBU-Jahrespressekonferenz die Stolpersteine, die die soziale Wohnungswirtschaft beim Bohren der „dicken Bretter“ Neubau, Energiewende, Klimafolgenanpassung und bezahlbares Wohnen ausbremsen. Wir nennen beispielhaft einige Forderungen:
Koalitionsvertrag zum „Wucherparagraphen“, § 5 Wirtschaftsstrafgesetz umsetzen:
- Bußgeldverfahren bereits bei dem Verlangen einer deutlich überhöhten Miete zulassen und mit höheren Strafen auf Abschreckung setzen
Realstandards statt Maximalstandards:
- Dekarbonisierung der Energieversorgung: CO2-freie Wärmeversorgung wichtiger als CO2-freie Gebäude
Bürokratieabbau endlich in den Behördenalltag bringen:
- „Bauturbo“ des Bundes beschleunigen, um Förderfähigkeit durch gesetzliches Verankern eines „überragendes öffentliches Interesse“ zu verbessern
Förderung verlässlich sichern:
- Serielles und modulares Bauen gezielt fördern, um Baukosten zu senken und Verfahren zu beschleunigen
Koalitionsvertrag zum Kauf von öffentlichem Bauland umsetzen:
- Bauland für Genossenschaften und andere gemeinwohlorientierte Anbieter zugänglich machen













