Serielle Sanierung – Projekt „Badwiesen 2030”

Schlichte Gebäude werden zu Schauobjekten der IBA

Es ist das größte Projekt in der Geschichte der Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen. Sie lässt acht Bestandsgebäude aus den 1960er-Jahren seriell sanieren und stockt eine Etage auf. Zusätzlich verdichten fünf Neubauten in Holzhybridbauweise das Wohnquartier. Das 100-Millionen-Projekt ist Teil der Internationalen Bauausstellung, die 2027 in Stuttgart stattfindet. 

Die Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen saniert derzeit vier Zeilengebäude aus den 1960-Jahren seriell. Ziel ist der KfW-Standard 55 und eine CO2-Reduktion um 90 Prozent. Foto: dena/Claudius Pflug
Die Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen saniert derzeit vier Zeilengebäude aus den 1960-Jahren seriell. Ziel ist der KfW-Standard 55 und eine CO2-Reduktion um 90 Prozent. Foto: dena/Claudius Pflug

„Das Projekt ‚Badwiesen 2030‘ ist unser Real-Labor für nachhaltiges und klimaneutrales urbanes Leben und Wohnen. Wir haben in dieses Bauvorhaben so ziemlich alles gepackt, was zukunftsweisend ist“, sagt Bernd Weiler, Vorstand Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen eG. 1966 errichtete die Kreisbaugenossenschaft in unmittelbarer Nähe zum Kirchheimer Bahnhof ein Quartier mit 192 Wohnungen, verteilt auf acht Zeilenbauten. Die Bestandsgebäude bilden den Kern des Projekts Badweisen 2030. Sie werden in vier Bauabschnitten seriell saniert, modernisiert und nachverdichtet. Die 60 Jahre alten Mehrfamilienhäuser erhalten eine neue Gebäudehülle in Holzrahmenbauweise, die im Werk vorgefertigt wird und auf der Baustelle montiert werden muss. Nach der seriellen Sanierung sind die Gebäude auf Energieeffizienzstandard 55, der CO2-Ausstoß sinkt um 90 Prozent.

Aufstockung bringt 48 zusätzliche Wohnungen

Aufgrund der kurzen Bauzeit und der minimalen Beeinträchtigung der Mieter werden serielle Sanierungen in der Regel in bewohntem Zustand durchgeführt. In Kirchheim ist dies nicht möglich, weil im Zuge der Sanierung auch Änderungen der Grundrisse und Maßnahmen zur Erhöhung des Wohnkomforts umgesetzt werden: So erhalten die Wohnungen offene Wohn- und Essbereiche und werden mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Um die serielle Sanierung zu erleichtern, wurden die Balkone geschlossen. Der zusätzlich Raum erweitert die Wohnflächen. Neue aufgeständerte Balkone werden nach der Sanierung die alten ersetzen. Durch Aufstockung einer zusätzlichen Etage in Holzbauweise entstehen in den Bestandsbauten 48 zusätzliche Wohnungen mit 3.500 Quadratmeter Wohnfläche.

Zwischen den rechtwinkelig angeordneten Zeilenhäusern werden fünf Neubauten in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet. Durch Aufstockung und Neubau entsteht auf diese Weise 60 Prozent mehr Wohnraum. Die Zahl der Wohnungen erhöht sich um insgesamt um 120 Einheiten. 
 

Benachbartes Klärwerk dient als Wärmequelle

Die für das Quartier erforderliche Energie wird ausschließlich über regenerative Quellen erzeugt. Eine Wärmepumpe nutzt die im Abwasser des benachbarten Klärwerks enthaltene Wärme als Energiequelle, um die 13 Gebäude zu heizen und im Sommer zu kühlen. „Unseres Wissens sind wir hier mit dem innovativen Abwasserwärmekonzept Vorreiter unter den deutschen Wohnungsgenossenschaften“, betont Stephan Schmitzer, technischer Vorstand der Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen. Da alle Wohnungen mit Fußbodenheizungen ausgestattet sind, die geringe Vorlauftemperaturen ermöglichen, können die Wärmepumpen sehr hohe Jahresarbeitszahlen von über 5,0 erreichen. Die Dachfläche wird zu 60 Prozent mit Photovoltaikanlagen belegt. Die Solarenergie wird für die Wärmepumpe, Warmwassererzeugung, Gebäudetechnik und günstigen Mieterstrom genutzt. Stromspeicher ermöglichen es, die solaren Erträge zeitversetzt zu nutzen. Durch Abwasserwärme und Solarstrom decken den Energiebedarf des Quartiers zu einem großen Teil. Es ist somit bilanziell energieautark.

Insgesamt 100 Millionen Euro investiert die Kreisbaugenossenschaft in das Quartier. Die Badwiesen sind Teil der Internationalen Bauausstellung 2027 in Stuttgart. Für die IBA zeigt das Projekt auf vorbildliche Weise, wie Zeilenbauten aus den 1960er Jahren, die in vielen deutschen Städten zu finden sind, seriell saniert und nachhaltig weiterentwickelt werden können.

Maßnahmen

  • Sanierung der Gebäudehülle mit vorgefertigten Fassadenelementen in Holzrahmenbauweise
  • Aufstockung des Gebäudeensembles
  • Ergänzungsbauten in Holzbauweise
  • Erneuerung der Gebäudetechnik über die Fassade
  • Heizenergie über Abwasser-Wärmepumpen
  • Solarstrom über Photovoltaikanlagen auf den Dächern

Auf einen Blick: Bauabschnitt 1:

  • Adresse: Badwiesen 5-7, 73230 Kirchheim / Teck
  • Anzahl der Gebäude: 4 Mehrfamilienhäuser
  • Anzahl der Vollgeschosse: 4 + 1 (Bestand), 5 (Neubau)
  • Anzahl der Wohnungen aktuell: 48, Nach der Aufstockung und Nachverdichtung: 68
  • BGF aktuell: 7.795 m2, Nach der Aufstockung und Nachverdichtung: ca. 11.928 m2
  • Baujahr: 1966
  • Sanierungszeitraum 1. Bauabschnitt: Sommer 2024 – Winter 2026
  • Energieeffizienzniveau nach der Sanierung: KfW 55
  • CO2-Reduktion: -90 %
  • Investitionsvolumen 1. Bauabschnitt: 25 Mio. Euro

Quelle: Deutsche Energie-Agentur (dena)/www.energiesprong.de
 

Redaktion (allg.)

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