Wiederinbetriebnahme von Trinkwasser-Anlagen nach dem Corona-Shutdown

Gut fünf Wochen nach dem deutschlandweiten Corona-Lockdown erwacht langsam und koordiniert das öffentliche Leben wieder aus seinem Dornröschenschlaf. Geschäfte und Schulgebäude dürfen bereits unter bestimmten Voraussetzungen wieder öffnen und sukzessive werden Hotels, Sportstätten und andere öffentliche Einrichtungen folgen. In dieser Phase befindet sich die mikrobielle Situation häuslicher Trinkwasser-Installationen in einem besonders sensiblen Zustand.

Nach der langen Wasser-Entnahme-Pause: Jetzt gründlich spülen. BILD: PIXABAY
Nach der langen Wasser-Entnahme-Pause: Jetzt gründlich spülen. BILD: PIXABAY

Aufgrund der zunächst nur teilweisen Nutzung, beispielsweise in Schulen, ist das Risiko einer Entwicklung von Legionellen und anderen pathogenen Keimen besonders hoch, da das Wasser in den Leitungen meist nur ungenügend ausgetauscht wird.

Wie man zusätzliche Krankheitsrisiken aus der Trinkwasser-Installation vermeiden kann, wird hier knapp beschrieben. Ausführlich zum Nachlesen in der Fachpublikation Nr. DVQST-02-2020 des Deutschen Verein der qualifizierten Sachverständigen für Trinkwasserhygiene – DVQST e.V. im Anhang zum kostenlosen Download. 

Regelmäßigen Trinkwasseraustausch gewährleisten

Um Legionellen und anderen krankheitserregenden Keimen keine Zeit bzw. Wachstumschancen durch Stagnation und bedenkliche Temperaturen zu geben, muss der regelmäßige Austausch des Trinkwassers in den Leitungen gewährleistet werden.

Vor der WiederInbetriebnahme sollte zumindest der Filter am Hauswassereingang rückgespült und an eventuell vorhandenen Enthärtungsanlagen am Ionentauscher eine manuelle Regeneration durchgeführt wer-den. Auch eventuell vorhandene Spülstationen sollten kontrolliert werden.

Feinsiebe und Duschschläuche reinigen

Auch die Peripherie darf nicht vergessen werden. Nach Stillstand und daran anschließender Spülung bzw. Nutzung werden durch sich verändernde Strömungsverhältnisse in den Wasserleitungen Ablagerungen, Schlacken und auch Biofilm gelöst und weitertransportiert. Diese können dann Feinsiebe, Eckventile, Rückflussverhinderer oder Verbrühschutz-Vorrichtungen an Wasch-becken und Duschen belegen und verstopfen, was zu Fehlfunktionen und verstärkter Keimbelastung führen kann. Es empfiehlt sich daher, Feinsiebe und Duschschläuche zu entfernen bzw. zu reinigen und eine Funktionsprüfung von Eckventilen, Rückflussverhinderern in Armaturen und Verbrühschutz-Thermostaten durchzuführen.

Ebenfalls sollten Filter und Wasserbehandlungseinheiten z.B. in leitungsgebundenen Kaffeemaschinen oder Trinkwasserspendern überprüft werden. Häufig müssen diese in regelmäßigen Abständen und nach längeren Stillstandszeiten gewechselt werden. Hierzu sind die Vorgaben der Hersteller zu beachten.

Betrieb simulieren und gründlich spülen

Wurde die Trinkwasser-Installation während der Betriebsunterbrechung weiterhin gespült? In diesem Fall ist unter Berücksichtigung des geänderten Nutzungsverhaltens weiterhin der bestimmungsgemäße Betrieb zu simulieren.

Wenn die Trinkwasser-Installation länger als sieben Tage stillgestanden hatte, muss sehr gründlich gespült werden. In der Leitung mit dem größten Durchmesser muss mindestens eine Fließgeschwindigkeit von 2 m/s erreicht werden. Diese Fließgeschwindigkeit kann bei ausreichendem Wasserdruck erreicht werden, wenn eine bestimmte Anzahl von Entnahmestellen gleichzeitig geöffnet wird.

Es empfiehlt sich, die Spülvorgänge innerhalb der Installation von unten nach oben im Gebäude durchzuführen.

Sind seit der Anlagenstillegung mehr als vier Wochen vergangen, wird empfohlen, zusätzlich zu den beschriebenen Spülmaßnahmen auch mikrobiologische Kotrolluntersuchungen gemäß TrinkwV durchgeführt werden.

Hatte eine Trinkwasser-Installation bereits vor der Stilllegung mikrobiologische Auffälligkeiten wie z.B. Befunde auf Legionellen, ist natürlich auch auf die Sicherheit des Spül-Personals zu achten.

Quelle: © DVQST e.V.

Weiterführende Infos im untenstehendem PDF.

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