Trendwende nach Jahrzehnten

Wohnungen in Deutschland werden kleiner

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, die Größen von Neubauwohnungen seit 2005 schrumpfen.Dadurch sinken nun die durchschnittlichen Wohnungsgrößen im Bestand. Bis 2050 werden die Wohnungen in Deutschland im Schnitt sechs Quadratmeter kleiner sein als heute

Neue Wohnungen in Deutschand werden seit 2005 kleiner. Foto: Adobestock
Neue Wohnungen in Deutschand werden seit 2005 kleiner. Foto: Adobestock

Nach Jahrzehnten kontinuierlich wachsender Wohnflächen deutet sich eine historische Trendwende an: Erstmals seit Beginn der Erhebungen stagniert die durchschnittliche Wohnungsgröße in Deutschland. In den kommenden Jahren dürfte sie sogar schrumpfen. Seit 1965 wuchs sie von 69 auf 94 Quadratmeter – und damit um mehr als ein Drittel. Parallel dazu hat sich die Wohnfläche pro Person von knapp 20 auf gut 49 Quadratmeter mehr als verdoppelt. Doch seit etwa 2005 werden Neubauwohnungen wieder kleiner, was sich auch im Bestand bemerkbar machen wird: Bis 2050 dürfte die durchschnittliche Wohnung etwa sechs Quadratmeter kleiner sein als heute. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Kleinere Haushalte und gestiegene Immobilienpreise

Die Entwicklung in Deutschland ähnelt der in vielen anderen Industrieländern. In Belgien, Japan oder Norwegen wurden Neubauwohnungen bereits um die Jahrtausendwende kleiner, in Frankreich, Polen und Russland wenige Jahre später.

Verantwortlich für diesen Rückgang sind laut Studie zwei zentrale Faktoren: kleinere Haushalte und steigende Immobilienpreise. Die demografische Entwicklung gilt als Haupttreiber: Der Anteil der Einpersonenhaushalte in Deutschland hat sich seit den 1960er Jahren auf 41 Prozent verdoppelt – in Großstädten wie Berlin oder München liegt er sogar bei rund 50 Prozent. Auch der starke Anstieg der Immobilienpreise seit 2010 verschärft die Entwicklung. Viele können sich größere Wohnungen nicht mehr leisten. Für Bauträger wiederum sind kleine Wohnungen wirtschaftlich attraktiver.

Perspektive bis 2050: Weniger Fläche, mehr Effizienz

Obwohl die durchschnittliche Haushaltsgröße in den vergangenen Jahrzehnten deutlich geschrumpft ist, dominieren im Bestand weiterhin große Wohnungen. Diese Diskrepanz macht deutlich: Der Wohnungsmarkt steht vor einer Anpassung. „Wenn neue Wohnungen kleiner werden, ist dies kein Rückschritt, sondern eine notwendige Anpassung an gesellschaftliche Realitäten“, betont Studienautor Sebastian Kohl. „Kleinere, gut geschnittene und energieeffiziente Wohnungen werden die zentrale Wohnform der Zukunft sein – und sie sind ein Schlüssel, um den großen Energiebedarf des Gebäudesektors zu senken.“

Redaktion (allg.)

Pixabay/ Mohamed_hassan
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