Studie der Baustoff-Industrie

Rund 215.000 zusätzliche Arbeitsplätze können im Bauhandwerk entstehen...

12.06.2018
Ein offensichtlich gut gelaunter handwerker kniet in einem Sanierungsobjekt, in der Hand ein gerät zum Einblasen von Dämmmaterial
Die Wärmedämmung von Gebäuden – hier das Einblasen von Zellulose – ist Handarbeit. FOTO: Adobestock/ Ingo Bartussek

... wenn zur Erreichung der Klimaziele der Gebäudebestand bis 2050 energetisch modernisiert wird. Das hat das Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. München (FIW) im Auftrag des BuVEG Bundesverbandes energieeffiziente Gebäudehülle in einer Studie errechnet.

Öffentliche und private Gebäude in Deutschland stehen für 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs. Hier  Energie und damit CO2 einzusparen ist deshalb möglich und notwendig. Dabei ist es das erklärte Ziel der Bundesregierung, bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu schaffen. Bei einer dazu erforderlichen Erhöhung der Sanierungsquote auf etwa 1,6 Prozent jährlich, was einer Verdoppelung der aktuellen Quote entspricht, würden 215.000 Arbeitsplätze im Bereich der energetischen Sanierung und weitere 67.000 Arbeitsplätze im Neubau von energiesparsamen Gebäuden entstehen. Damit können insgesamt zur Erreichung der Klimaziele bis 2050 über 280.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Der Ausbau überwiegend von kleinen und mittleren Betrieben gestemmt

Besonders diese Betriebe stellen aber nur dann zusätzliche Mitarbeiter ein, wenn die wirtschaftliche Entwicklung planbar ist. Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer BuVEG: „Längst ist klar, dass durch Automation und Digitalisierung viele Arbeits und Ausbildungsplätze in klassischen Berufen verschwinden. Mit der Umsetzung der energetischen Sanierung hat Deutschland jedoch langfristig ein großes, zukunftssicheres Beschäftigungsreservoir in der Bauwirtschaft.“

Bauwirtschaft arbeitet heute an der personellen Kapazitätsgrenze

Die Prognose des Industrieverbandes für die zusätzlichen Stellen im Bauhandwerk könnten sich leicht als zu optimistisch erweisen, weil die Fachkräfte fehlen. Die Bauwirtschaft erlebt in Deutschland das achte Boomjahr, die Unternehmen arbeiten große Auftragsüberhänge ab, es ist schwer für Auftraggeber, kurzfristig Handwerker zu bekommen.
 
Der Hauptverband der deutschen Bauindustrie meldete zu Beginn des Jahres einen Genehmigungsüberhang von 400.000 Wohnungen, der die Produktion noch einige Zeit tragen werde. Im Bauhauptgewerbe (also ohne Ausbauhandwerk) waren Ende 2017 rund 812.000 Personen beschäftigt. Seit 2009 habe die Bauwirtschaft 100.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Allein 2017 habe sich der Personalbestand um 30.000 oder vier Prozent erhöht. Der Bedarf könne nur gedeckt werden, weil ein großer Teil aus dem Ausland komme. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit ausländischen Pass lag im September 2016 bei 116.000. Das seien 15.500 Baukräfte mehr gewesen als 2015. Seit Beginn des Bauaufschwungs habe sich deren Zahl mehr als verdoppelt.

Mehr Bauen und Sanieren geht also bei der derzeitigen Auftragslage gar nicht. Eine bessere staatliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung – wie vom BuVEG gefordert – könnte nach Ende des jetzigen Baubooms wie ein Konjunkturprogramm wirken und zumindest einen Teil der jetzigen Beschäftigung erhalten.

Autor: Thomas Engelbrecht

Suchbegriffe:  BauenBaukonjunkturBauhandwerkBuVEG

aus: IVV Ausgabe 06/2018

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