Heizung mit regenerativen Energien

So rechnen Sie Betriebskosten korrekt ab

Immer mehr Gebäude werden von Solarthermieanlagen, KWK-Anlagen und Wärmepumpen beheizt. Was ist bei der Betriebskostenabrechnung zu beachten?

Solarthermische Anlagen erfordern besondere Betriebskostenabrechnungen. Foto: Adobestock/Ingo Bartussek
Solarthermische Anlagen erfordern besondere Betriebskostenabrechnungen. Foto: Adobestock/Ingo Bartussek

Zu den wichtigsten Aufgaben von Hausverwaltern zählt die jährliche Betriebskostenabrechnung. Mit klassischen Öl- oder Gas-Zentralheizungen kennen sich Verwalter in der Regel bestens aus. Doch was, wenn das Gebäude ausschließlich oder zum Teil mit regenerativen Energien beheizt wird? Eine Verbrauchsabrechnung ist nicht verpflichtend für Räume, die „überwiegend“ mit regenerativen Energien beheizt werden. Im Wortlaut der Heizkostenverordnung (HKVO) heißt es in § 11, Absatz 1 Punkt 3:

„Soweit sich die §§ 3 bis 7 auf die Versorgung mit Wärme beziehen, sind sie nicht anzuwenden auf Räume in Gebäuden, die überwiegend versorgt werden

a) mit Wärme aus Anlagen zur Rückgewinnung von Wärme oder aus Wärmepumpen- oder Solaranlagen oder

b) mit Wärme aus Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung oder aus Anlagen zur Verwertung von Abwärme, sofern der Wärmeverbrauch des Gebäudes nicht erfasst wird […].“ (HKVO)

Der Messdienstleister Minol empfiehlt stets die verbrauchsbasierte Betriebskostenabrechnung, da diese nachweislich zu einem bewussten Verbrauchsverhalten und einem sparsamen Umgang mit der Umweltressource Energie führt.

Ob das Gebäude überwiegend – also zu mehr als 50 Prozent – mit Wärme aus regenerativen Quellen versorgt wird, ist im Falle eines Neubaus im Vorfeld lediglich rechnerisch zu ermitteln. Dazu müssen die theoretisch vom Fachplaner berechneten anteiligen Verbrauchswerte der einzelnen Wärmeerzeuger zur ersten Einstufung herangezogen werden. Erst im Nachgang, nach einer Heizperiode, können die Ist-Werte mittels einer vollständigen Messausstattung bestätigt werden. Bei einem bestehenden Heizungssystems können die Verbrauchswerte der einzelnen Wärmequellen wie Heizkessel (mittels Gas- und Gesamtwärmezähler) oder Wärmepumpe (Strom- und Wärmezähler) aus den bereits gemessenen Ist-Werten rechnerisch ermittelt werden. Wenn konventionelle Wärmeerzeuger durch erneuerbare Energien ersetzt oder ergänzt werden, empfiehlt der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter (DDIV), stets den verantwortlichen Messdienstleister zu den technischen Gegebenheiten des Gebäudes zu informieren, damit später bei der Betriebskostenabrechnung alle notwendigen Informationen vorliegen.

Für Anlagen mit solarthermischer Unterstützung, Kraft-Wärme-Kopplung und Wärmepumpen ist im Sinne einer sicheren, transparenten und nachvollziehbaren Betriebskostenabrechnung folgendes zu beachten:

Heizungsanlagen mit solarthermischer Unterstützung

Laut HKVO dürfen nur die tatsächlich entstandenen Betriebskosten für eine Heizungsanlage an die Wohnungsnutzer weitergereicht werden. Bei Solarthermieanlagen sind lediglich die Stromkosten für den Betrieb der Solarstation und die Wartungskosten der Solaranlage umlegbar. Um den Betriebsstrom der Solarstation – Pumpe und Regelung – für eine Umlage in der Heizkostenabrechnung nachweisbar zu ermitteln, müssen diese Komponenten von einem geeichten Stromzähler gemessen werden. Das kann entweder ein separater Stromzähler nur für die Solaranlage sein, genauso ist aber ein gemeinsamer Zähler für alle Heizungspumpen und Regelungen, einschließlich der solaren Komponenten, möglich. Wie Verbrauchszähler bei Heizungsanlagen mit regenerativen Energieerzeugern richtig anzuordnen sind, legen die Richtlinien zur Verbrauchskostenabrechnung des Vereins Deutscher Ingenieure e.V. (VDI) in den Richtlinien 2077 fest: Für Solarthermieanlagen gilt die VDI 2077 Blatt 3.3 mit Erscheinungsdatum vom 1. August 2016.

Kraft-Wärme-Kopplung (KWK-Anlagen)

KWK-Anlagen erzeugen als Blockheizkraftwerk oder als Brennstoffzelle gleichzeitig Strom und Wärme. Laut HKVO sind ausschließlich die Erzeugungskosten für Wärme auf die Mieter umlegbar. Um die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten und vorgeschriebene Messgeräte in einer neuen Anlage korrekt zu installieren, sollten sich Hausverwalter im ersten Schritt an den zuständigen Handwerker und Minol wenden, um messtechnischen Fehlern vorzubeugen. Die Basis für die Abrechnung bildet die VDI-Richtlinie 2077 Blatt 3.1, die sich im Speziellen auf die umlagefähigen Kosten bei KWK-Anlagen bezieht. Die Richtlinie ist nur anzuwenden bei KWK-Anlagen, bei welchen die Wärme komplett verwendet wird – nicht bei Anlagen, die nach der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV) abgerechnet werden, also im Rahmen von Contracting oder bei gewerblicher Wärmelieferung.

Anlagen mit Wärmepumpen

Selbst besonders effiziente Wärmepumpen benötigen etwa 25 Prozent Antriebsenergie – in der Regel Strom, seltener Gas – um 100 Prozent Heizwärme zu erzeugen. Bei Mehrfamilienhäusern stellt sich deshalb die Frage, wie diese Betriebskosten unter allen Miet- oder Eigentümerparteien verteilt werden: Ist eine pauschale Abrechnung nach Quadratmetern zulässig und sinnvoll? Oder sollten die Kosten auch in diesem Fall verbrauchsgerecht verrechnet werden? Zudem kommen in Mehrfamilienhäusern oft bivalente Systeme zum Einsatz, in denen bei Spitzenlast ein zusätzlicher Heizkessel die Wärmepumpe unterstützt. In diesem Fall ist zu prüfen, ob die Wärmepumpe noch überwiegend heizt. Mit der folgenden messtechnischen Basis ist eine rechtssichere Abrechnung grundsätzlich möglich: ein Strom- oder Brennstoffzähler direkt vor der Wärmepumpe, der den Endenergieverbrauch der Anlage erfasst, und ein Wärmezähler direkt nach der Wärmepumpe, der den thermischen Energieeintrag in das Heizsystem misst.

Ausführliche Informationen zur Abrechnung mit Solarthermie, KWK-Anlagen und Wärmpumpe sind hier abrufbar: www.minol.de/aae

Autor: Udo Pudwill, Minol

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