Wohnen im Alter

Subventionierte Dienstleistungen bringen soziale Rendite

13.08.2019

Alte Menschen wollen nicht mehr umziehen. Eine Wohnung wird mit Zeit zur festen Gewohnheit. Die Nassauische Heimstätte | Wohnstadt subventioniert in 36.000 Wohneinheiten haushaltsnahe Dienstleistungen, damit ihre Mieter genau das können: selbstbestimmt im Alter leben. Das Engagement rechnet sich – menschlich, gesellschaftlich und finanziell.

In der Wohnung einer älteren Dame putzt eine Haushaltshilfe das Bad
Geraldine-Marie Hajek gibt menschliche Zuwendung und sorgt als Haushaltshilfe für Sauberkeit. FOT: UGNHWS/Karsten Socher

Günstige Dienste für 36.000 Haushalte

Das Wohnungsunternehmen lässt sich diese Form der Kundenbindung einiges kosten. Rund acht Euro zahlt der Vermieter pro „betreuter“ Einheit als Zuschuss an die Dienste im Quartier. Bei 36.000 Wohnungen summiert sich das auf einen Betrag von deutlich über einer Viertelmillion Euro pro Jahr. Viele der angebotenen Dienstleistungen sind komplett subventioniert, ältere Mieter müssen dafür nichts bezahlen. Für die übrigen Arbeiten zahlt der Bewohner fünf Euro die halbe Stunde, die betriebswirtschaftlichen Kosten liegen beim Doppelten. Wie rechnet sich das?

„Die Unternehmensgruppe hat das Gut Wohnen nie als reines Renditeprojekt angesehen“, stellt Dr. Westphal klar. Die Gesellschaft mache das, um älteren Menschen die Unterstützung zu geben, die sie brauchen – speziell Menschen, die sich das eigentlich nicht leisten können. Das sei auch der Ansatz, den die Unternehmensgruppe beim WST fährt.

Größere Zufriedenheit, weniger Fluktuation, weniger Modernisierungskosten

Gleichwohl, so ist sich Geschäftsführer Dr. Constantin Westphal sicher, mache sich jeder einzelne Euro bezahlt. Auch wenn das Unternehmen Kosten und Nutzen betriebswirtschaftlich nicht erfasse, bleibe unter dem Strich mindestens eine schwarze Null. Wesentliche Kennzahlen: Mieter bleiben rund fünf Jahre länger in ihren Wohnungen, wenn sie durch Dienstleistungen und unter Umständen kleinere Investitionen in Barrierefreiheit in die Lage versetzt werden, weiter ein selbstständiges Leben in ihren eigenen vier Wänden zu führen. Rechnet man dagegen die Modernisierungskosten von rund 30.000 Euro bei Auszug eines Mieters, dann lässt sich daraus auch ein direkter wirtschaftlicher Gewinn ableiten.

Betagte Bewohner wirken stabilisierend auf ein Quartier

Schwer zu beziffern hingegen sind die monetären Vorteile, die durch zusammengewachsene und lebendige Nachbarschaften entstehen. Neben unmittelbaren Folgen wie Wegfall des Vandalismus und zweifelhafter „Graffiti-Schönheiten“ macht ein stabiles und sauberes Viertel weniger Arbeit, niedriger Leerstand sorgt für kontinuierliche Mieteinnahmen. Die betagten Bewohner sind generell ein stabilisierender Faktor, sie würden Siedlungen stärken, sind kommunikativ und geben dem Vermieter Rückmeldung über den Zustand des Quartiers.

Autor: Robert Schmauß, hd…s agentur für presse- und öffentlichkeitsarbeit

Dieser Artikel erschien zuerst in seiner Langfassung in der IVV immobilien vermieten & verwalten, Ausgabe 08/2019
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