Brennstoffzellen-Heizung produziert dezentral Wärme und Strom

Wenig Wasser und wenig CO2 aus dem Schornstein

12.12.2018

Langweid Village ist Deutschlands erstes Neubaugebiet, das vollständig mit Brennstoffzellen-Heizungen zur dezentralen Produktion von Wärme und Strom ausgestattet wird.

Moderne Wohnanlage
In Langweid und Mering entstehen moderne Wohn- anlagen mit innovativer Energietechnik: Brennstoffzellen-Heizgeräte von Viessmann liefern Wärme und Strom. BILD: VIESSMANN

Die Macher von „Langweid Village“ – die M. Dumberger Bauunternehmung GmbH & Co. KG – setzen als Erste in Deutschland vollständig auf eine innovative Technologie im Wohnungsbau: die Brennstoffzelle als stromerzeugende Heizung.

Brennstoffzellen-Heizgeräte reduzieren Energiekosten um bis zu 40 Prozent

In Langweid bei Augsburg entstehen 44 Doppelhaushälften, 18 Reihenhäuser und 10 Mehrfamilienhäuser, umgeben von einem 6.000 Quadratmeter großen Park. Nach dem ersten Spatenstich im April 2017, gab es im Juli 2018 den Startschuss für den zweiten Bauabschnitt. Dort und in einem vergleichbaren Projekt im nahe gelegenen Mering mit 43 Wohneinheiten werden insgesamt 105 Vitovalor Brennstoffzellen-Heizungen von Viessmann installiert.

„In der Brennstoffzelle verbinden sich innovative Technik und Wirtschaftlichkeit“, so Vertriebsleiter Jens Dammer vom verantwortlichen Energieversorger „erdgas schwaben“. Die Brennstoffzelle nutzt den im Erdgas enthaltenen Wasserstoff effizient und kostensparend zur Strom- und Wärmeerzeugung. Als Restprodukte bleiben nur Wasser und geringe Mengen CO2.

Auch Gerhard Failer, Vertriebsleiter bei Dumberger, sieht ein großes Potenzial in der Brennstoffzellentechnologie: „Der dezentralen Energieerzeugung gehört die Zukunft. Brennstoffzellen sind deshalb die ideale Ergänzung für unsere hochgedämmten Gebäude, um diese sicher und kostengünstig mit Wärme und Strom zu versorgen.“

Unterstützung von der KfW

Die Vitovalor Anlagen erzeugen Strom mit einer Leistung von 750 Watt. Bei durchgehendem Betrieb stellen sie pro Tag bis zu 18 Kilowattstunden Strom zur Verfügung, mit denen ein üblicher Haushalt den größten Teil seines täglichen Bedarfs selber decken kann. Die dabei anfallende Wärme (thermische Leistung bis zu 1,1 kW) wird für Heizung und Warmwasser genutzt, Wärmebedarfsspitzen deckt der integrierte Gas-Brennwertkessel.
Wer auf diese Weise Strom und Wärme in den eigenen vier Wänden erzeugt, macht sich finanziell unabhängiger von den Stromnetzen und steigenden Strompreisen.

Zudem erfüllt die eingesetzte Energietechnik die höchsten Anforderungen der Häuser nach KfW55-Standard (EnEV 2016).
Im Vergleich zum Strombezug aus dem Netz reduzieren die Brennstoffzellen-Heizgeräte die Energiekosten um bis zu 40 Prozent und halbieren nahezu die CO2-Emissionen. Die Geräte sind deshalb nach Europäischer Energieeffizienzrichtlinie mit dem Label A++ in die höchste Energieeffizienzklasse eingestuft.
Bis zu 11.100 Euro staatliche Förderung

Standard 40-Plus gefällig?

Der Einbau eines Brennstoffzellen-Heizgeräts Vitovalor wird von der KfW mit 9.300 Euro unterstützt. Betreiber, die sich außerdem nach dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) die pauschalierte Zahlung für den KWK-Strom auszahlen lassen, erhalten zusätzlich 1.800 Euro – zusammen also 11.100 Euro.

Wird neu gebaut und dazu ein zinsgünstiger Kredit aus dem KfW-Förderprogramm „Energieeffizient Bauen“ (Programmnummer 153) in Anspruch genommen, kann der Bauherr zusätzlich profitieren. Die Kombination aus Brennstoffzellen-Heizgerät Vitovalor und Stromspeicher Vitocharge, zusammen mit einem Vertrag über Viessmann Grüngas (vergleichbar mit den üblichen Ökostrom-Verträgen), ermöglicht den KfW-Standard 40 Plus. Damit erhält der Bauherr zu seinem Kredit einen attraktiven Tilgungszuschuss von bis zu 15.000 Euro je Wohneinheit.

Hintergrund-Info

Aus Wasserstoff wird Strom und Wärme

Die Brennstoffzellen-Heizungsanlage arbeitet mit Erdgas und kann somit ohne großen Aufwand an den häuslichen Erdgasanschluss angeschlossen werden. In der Zelle findet eine elektrochemische Reaktion statt: Der im Erdgas enthaltene Wasserstoff reagiert mit dem Sauerstoff aus der Luft zu Wasser. Dabei entstehen Wärme und Strom.

Das Prinzip der Brennstoffzelle ist vergleichbar mit dem einer Batterie. Denn auch hier passiert eine chemische Reaktion zwischen zwei Elektroden.

Bei der Brennstoffzellen-Heizung werden die „Chemikalien“ Wasserstoff und Sauerstoff jedoch kontinuierlich von außen zugeführt. Während die Anode mit Wasserstoff versorgt wird, wird die Kathode mit Sauerstoff versorgt.
Wie Blockheizkraftwerke (BHKW) mit Verbrennungsmotor arbeitet auch die Brennstoffzelle nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Während ein herkömmliches BHKW das Erdgas verbrennt, um Energie zu erzeugen, kommt die Brennstoffzelle ohne Verbrennungsprozess aus. Sie wandelt die chemische Energie ohne Zwischenstufen in Strom und Wärme um – das macht sie so effizient.

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Suchbegriffe: BrennstoffzelleErdgasHeizenViessmann

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