WIRO Rostock reagiert auf Modernisierungsdruck

Seit 1. Januar betreibt die WIR Wärme in Rostocker Wohnanlagen GmbH alle gasbetriebenen, zentralen Heizungsanlagen der WIRO Wohnen in Rostock. Das Ziel ist klar: Heizkosten stabilisieren, um die Gesamtmieten bezahlbar zu halten.

Rund 10.000 Rostocker leben im Bestand es Wohnungsunternehmens WIRO. FOTO: PIXELIO/S.KRACHT
Rund 10.000 Rostocker leben im Bestand es Wohnungsunternehmens WIRO. FOTO: PIXELIO/S.KRACHT

Das Rostocker Wohnungsunternehmen WIRO will sich energiewirtschaftlich besser aufstellen.

Mehr als 10.000 Mieter sollen von besserer Wärmeversorgung profitieren

Ralf Ziemlich, Vorsitzender der WIRO-Geschäftsführung, bringt es auf den Punkt: „Klar ist: Die Energiepreise werden langfristig steigen. Unser Ziel ist es, die Heizkosten zu stabilisieren. Das sehen wir als Voraussetzung für bezahlbare Gesamtmieten jetzt und in der Zukunft an.“ Alle zentralen Heizungsanlagen, die ausschließlich Gas als Brennstoff nutzen, werden deshalb künftig von der neuen WIRO-Tochter „WIR Wärme in Rostocker Wohnanlagen GmbH“ betrieben.

Die Geschäftsgrundlage

Die Geschäftsgrundlage des neuen Tochterunternehmens ist ein Wärmeliefervertrag mit der WIRO. In diesem Vertrag ist geregelt, dass die Energietochter die Gebäude in zahlreichen Stadtteilen der Hansestadt mit Wärme und Warmwasser versorgt. Die Kosten rechnet die Tochter mit dem Mutterunternehmen ab. Für die Mieter bleibt alles wie gewohnt. Sie bekommen nach wie vor von der WIRO ihre Betriebskostenabrechnung und leisten die monatlichen Vorauszahlungen. Ihr Ansprechpartner bleibt unverändert das Wohnungsunternehmen.

Der Hintergrund

Der größte Vermieter gründete die Tochter nicht ohne Modernisierungsdruck. Die WIRO muss in den nächsten Jahren für mehr als 6.500 Wohnungen ihres Bestandes die Wärmetechnik erneuern. Die Gasanlagen sind in die Jahre gekommen und erreichen inzwischen größtenteils ein Alter von 20 Jahren oder mehr. Das Unternehmen muss für die Modernisierung geschätzte Investitionskosten von fast 20 Millionen Euro aufwenden.

Kontroversen ergaben sich für die künftige Wärmeversorgung allerdings mit den städtischen Stadtwerken, die mögliche Gewinnverluste befürchteten. Der Gesellschafter beider Unternehmen, die Stadt Rostock, forderte daher von WIRO und Stadtwerken, ein Beteiligungskonzept für die Stadtwerke auszuarbeiten, das eine negative Entwicklung vermeidet. Daher sollen die Angebote für die Mieter gemeinsam entwickelt werden. Die Anforderungen lauten: preiswert, maßgeschneidert und ressourcenschonend. Diesen Forderungen der Stadt will die WIRO mit der Gründung ihrer Tochter gerecht werden. Der Auftrag ist dabei auf die Modernisierung von Gasheizungen begrenzt − die Fernwärmeversorgung wird nicht angetastet.

Das Maßnahmenpaket 2017

Bereits vor dem Start der Tochter investierte das Wohnungsunternehmen. Von der WIRO wurden 150 Wärmemengenzähler und etwa 270 Stromzähler installiert, um die erbrachten Leistungen vom 1. Januar 2017 an korrekt zusammen mit der Energietochter abrechnen zu können.

In diesem Jahr plant das Unternehmen die Umsetzung von drei Quartierslösungen in der Stadt Rostock. Dabei wird in den Wohnanlagen mit Gasetagenheizungen die alte Technik in zentralen Heizungsanlagen zusammengefasst und mit Solarthermie kombiniert.

Außerdem plant die WIR bis zu 40 neue Einzellösungen für Wohnhäuser. Hier werden alte Kesselanlagen, Pumpen und die Regelungstechnik erneuert. Die moderne Technik soll es ermöglichen, in einigen Fällen die Anzahl der Anlagen zu reduzieren – zum Beispiel, weil ein weiterer Aufgang in die Versorgung eingebunden werden kann.

Die WIR Wärme in Rostocker Wohnanlagen GmbH wurde am 21. September 2016 offiziell gegründet, nachdem der WIRO-Aufsichtsrat, die Rostocker Bürgerschaft und das Ministerium für Inneres und Sport Mecklenburg-Vorpommerns zugestimmt hatten. Mit etwa 270 eigenen Heizanlagen versorgt die WIRO seit Längerem mehr als 3.250 Haushalte ihres Wohnungsbestandes mit Wärme. In den kommenden Jahren sollen diese Heizanlagen Schritt für Schritt von der neuen Unternehmenstochter modernisiert und mit klimafreundlicher Technik ergänzt werden.

Großer Teil des Bestands hängt an der Fernwärme

Später ist vorgesehen, dass die WIR auch die bestehenden Gasetagenheizungen auf den neuesten Stand der Technik bringt. Außerdem übernimmt sie die Energieversorgung der WIRO-Neubauprojekte. Der überwiegende Teil des WIRO-Bestandes wird aber unverändert über Fernwärme versorgt.

WIR-Projektbeispiel: Komponistenviertel im Stadtteil Reutershagen

Das Quartier umfasst mehrere Wohngebäude mit insgesamt 107 Wohnungen. Projektinhalt war die Ablösung der Etagenheizungen durch eine zentrale Heizanlage. Als Lösung kamen Gaskessel mit Brennwerttechnik und solarthermischer Unterstützung für Warmwasser und Heizung zum Einsatz. Das Quartier wurde noch vor der WIR-Gründung im Jahre 2016 modernisiert.

Autor: Peter-Michael Fritsch

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