Statistisches Bundesamt meldet

So viele Neubauwohnungen fertig wie seit 2001 nicht mehr

Seit zehn Jahren steigt die Zahl der neu gebauten Wohnungen stetig an. Das Statistische Bundesamt meldet auf für 2020 einen weiteren Zuwachs. Dennoch sind nicht alle mit der Entwicklung auf dem Mietwohnungsmarkt zufrieden.

Mehr geht nicht: Deutschland Baufirmen arbeiten am Limit. Foto: Adobestock/romul014
Mehr geht nicht: Deutschland Baufirmen arbeiten am Limit. Foto: Adobestock/romul014

Im Jahr 2020 wurden in Deutschland 306.376 Wohnungen fertiggestellt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren das 4,6 Prozent oder 13.374 mehr als im Vorjahr. Der im Jahr 2011 begonnene Anstieg setzte sich somit weiter fort. Eine höhere Zahl an fertiggestellten Wohnungen hatte es zuletzt im Jahr 2001 gegeben (326.187). Von den im Jahr 2020 fertig gestellten Wohnungen waren 268.774 Neubauwohnungen in Wohngebäuden (+5,0 % gegenüber 2019). Auf Mehrfamilienhäuser entfielen davon 153.377 Wohnungen, was einer Steigerung um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Einfamilienhäuser verzeichneten mit 87.275 Neubauten einen Zuwachs um 4,1 Prozent und Zweifamilienhäuser einen Anstieg von 6,0 Prozent auf 20.472 Fertigstellungen.

„Mietenanstieg hat sich bereits massiv verlangsamt“

Die erreichte Steigerung der Fertigstellungen von 4,6 Prozent wird nach Ansicht von Jürgen Michael Schick, dem Präsidenten des Immobilienverbandes Deutschland IVD, zur weiteren Entspannung auf dem Wohnungsmarkt beitragen. Den Anstrengungen der Wohnungswirtschaft sei es zu verdanken, dass die Zahl der fertiggestellten Wohnungen innerhalb von zehn Jahren nahezu verdoppelt werden konnte. „Wir sehen jetzt die positiven Auswirkungen des größeren Wohnungsangebots auf Mietmärkte in ganz Deutschland. Die Mietenanstiege haben sich massiv verlangsamt, sodass in einigen Städten bei einer stärkeren Angebotsausweitung sogar mit einem Rückgang der Mieten zu rechnen ist“, so die Einschätzung des IVD-Präsidenten.

Auch im Norden brummt der Wohnungsbau

Der Landesverband Nord des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) zeigt sich erfreut über die Baufertigstellungszahlen des Statistischen Landesamtes Schleswig-Holstein. 2020 wurden zwischen Nord- und Ostsee 14.077 Wohnungen fertig gestellt. Das seien drei Prozent mehr als im Vorjahr. „Der Wohnungsbau im Norden brummt. Das ist gut so, denn nur mit einem starken Neubau können wir die Preis- und Mietsteigerungen bremsen“, erklärt Sönke Struck, der Vorstandsvorsitzende des BFW Landesverbands Nord. Der Verband repräsentiert die mittelständische, private Immobilienwirtschaft. 2020 hätten seine Mitgliedsunternehmen in Schleswig-Holstein 1.477 neue Wohnungen fertiggestellt – rund 47 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch für die nächsten Jahre ist der BFW Landesverband Nord optimistisch.

„Kosten und Handwerkermangel verhindern Entspannung auf dem Wohnungsmarkt“

Weniger optimistisch kommentiert GdW-Präsident Axel Gedaschko die jüngsten Neubauzahlen des Statistischen Bundesamtes. Zwar erkennt auch er einen „sehr positiven Aufwärtstrend“ bei den Baufertigstellungen. Allerdings zweifelt Gedaschko an der langfristigen Verstetigung dieser erfreulichen Zahlen und an einer echten Entspannung der Lage für die Wohnungssuchenden und Mieter in den angespannten Wohnungsmärkten der Großstädte. Zunehmende Konkurrenz um Handwerker-Kapazitäten und Baustoffe zwischen dringend benötigter energetischer Sanierung und Neubau machten dies aber immer schwerer. Zudem entwickelten sich die Wohnungsbau-Bedingungen auch wegen der extrem steigenden Grundstückskosten und der Diskrepanz zwischen Einkommensentwicklung und Baukostenentwicklung in die absolut falsche Richtung“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW.

Red.

Meldung der IVV 03.08.21:
IVD: Neubautätigkeit wirkt. Mietpreisanstiege seit 2018 gebremst

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