Strukturwandel im Ruhrgebiet

Das Ende der Deputatkohle

06.03.2019
Historische Bergmannsiedlungshäuser im Ruhrpott wandeln sich
Die hístorischen Torhäuser der ehemaligen Zeche Westerholt: Ankerpunkte für ein zukünftiges Mischgebiet aus Wohnen und Gewerbe. FOTO: KlimaExpo.NRW

Manchmal tut die energetische Sanierung wirklich Not: In einer ehemaligen Bergmannssiedlung in Herten wurden noch 2018 hunderte Wohnungen mit Steinkohle und Einzelöfen beheizt. Jetzt wandelt sich das Quartier zum regenerativen Vorzeigeprojekt.

Bei den Sanierungsmaßnahmen stets mit im Blick: Die historische Gestalt der Häuser und der gesamten Siedlung. So bleibt das baukulturelle Erbe, wie historische Holzfenster, Fensterläden und Holztüren, bewahrt. Dabei stellt die umfassende Sanierung der denkmalgeschützten Torhäuser der Zeche Westerholt die symbolträchtigste Umsetzung im Energielabor Ruhr dar.

Die alten Fassaden wurden aufwendig von Hand gereinigt, die Innenräume bis auf die Grundmauern entkernt und nun – teilweise mit gesicherten Originalmaterialien – modernisiert. So entsteht hier das „Infocenter Energielabor Ruhr“, eine Erfahrungs- und Vernetzungsstelle für die Anwohner, von der aus wichtige Impulse in das Quartier gehen.

Umweltfreundliche Energieversorgung findet nicht nur in den Bestandsgebäuden statt: Der Radweg „Allee des Wandels“ wurde um eine E-Ladestation ergänzt, um klimafreundliche Mobilität zu fördern. Er dient zudem als Lernort für neue Energien – von Windkraft über Solarenergie bis zu Holz als nachwachsendem Rohstoff – und verbindet das Quartier mit dem Radwegenetz des Ruhrgebiets und des Münsterlands. In Planung sind zwei weitere E-Ladestationen und Photovoltaik-Paneele auf dem denkmalgeschützten Schacht 3, der sich an dem Radweg befindet. Außerdem soll eine „Solarroad“, für die auf 150 Quadratmetern Solarmodule in den Asphalt eingelassen werden, die klimagerechte Stromversorgung der Torhäuser übernehmen. Ein neuer S-Bahn-Haltepunkt kreuzt die „Allee des Wandels“, erweitert das ÖPNV-Angebot und bindet mit diesem neuen Mobilitätspunkt den Stadtteil noch besser an.

Sanierungsbereitschaft fördern

Der Ansatz des Projektes ist interkommunal und interdisziplinär. Ein Leitfaden, der auf Grundlage der Analyse der Gartenstadt als „Katalog der Möglichkeiten“ geschaffen wurde, unterstützt die Hausbesitzer bei Entscheidungen in Sanierungsfragen. Von „A“ wie „Abluftanlage“ bis „Z“ wie Zellulose-Einblasdämmung werden in einem Glossar alle wichtigen Fachbegriffe erklärt, konkrete Beispiele der gestalterischen und energetischen Sanierung der Zechenhäuser werden graphisch anschaulich erläutert.

Zudem wurde durch beide Städte eine innovative Förderrichtlinie mit attraktiven Fördersätzen aufgelegt. So sollen private bauliche und energetische Sanierungen der im Eigentum befindlichen Zechenhäuser angeregt und die geringe Kaufkraft im Quartier gesteigert werden. Für jedes eingesparte Kilogramm CO2 pro Quadratmeter pro Jahr gibt es 50 Euro Zuschuss. Dies ermöglichte bis Januar 2018 die Unterstützung von 340 Maßnahmen in 226 Haushalten mit einer durchschnittlichen Fördersumme von 4.620 Euro. Dank der eingeführten Förderung konnte so das zwei- bis vierfache an Investitionen in den Privathäusern und zusätzliche Investitionen durch die Energieversorger, eine Wohnungsbaugesellschaft und benachbarte Vermieter und Gewerbetreibende ausgelöst werden.

Modellprojekt mit Vorreiterfunktion

Das „Energielabor Ruhr“ verfolgt einen sehr umfassenden Quartiersansatz. Das ermöglicht die Entwicklung der ehemaligen Zeche Westerholt zum neuen Wohn- und Gewerbegebiet und die Schaffung eines Mobilitätsknotenpunktes. Das innovative Nahwärmekonzept, das an die Stelle der Kohleöfen getreten ist, sorgt zudem für eine nachhaltige Wärmeversorgung. In der historischen Gartenstadt konnte darüber hinaus durch umfassende Beratung und dem klimaschutzorientierten Förderangebot bereits jetzt eine Sanierungsquote von fünf Prozent pro Jahr erreicht werden. Damit verbunden ist eine Einsparung von mehr als 1.800 Tonnen CO2 jährlich. Neben den CO2-Einsparungen wirkt sich der Heizungstausch positiv auf die Stickoxidbelastung aus, denn die Umstellung einer Kohleeinzelfeuerung auf Gas spart jährlich 5,2 Kilogramm Stickstoffoxide ein.

Insgesamt zeigt das „Energielabor Ruhr“ beispielhaft, wie kommunale Zusammenarbeit im Rahmen einer klimagerechten Quartiersentwicklung denkmalgeschützter Bestandsgebäude funktionieren kann. Aus diesem Grund wurde das Projekt als Vorreiter für den Klimaschutz in die landesweite Leistungsschau der KlimaExpo.NRW aufgenommen und reiht sich hier im Themenfeld „Quartiere entwickeln“ als Musterbeispiel in die Riege innovativer Projekte zur klimagerechten Stadtentwicklung ein.

Quelle: KlimaExpo.NRW

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aus: IVV Ausgabe 02/2019

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