Drängendste Probleme der Immobilienwirtschaft: Wohnungsknappheit und alternde Bevölkerung

Um welche Themen die Immobilienwirtschaft sich 2016 kümmern müsse, darüber gab Immobilienökonom Prof. Tobias Just im Wirtschaftsmagazin 'Capital' (Ausgabe 1/2016) Auskunft. Er warnt vor einer Verschärfung der Wohnungsknappheit in Großstädten durch Flüchtlinge und bezeichnet die Mietpreisbremse als Augenwischerei.

Flüchtlinge sind willkommen, müssen aber auch untergebracht werden. FOTO: PIXELIO/I.PODUSHKO
Flüchtlinge sind willkommen, müssen aber auch untergebracht werden. FOTO: PIXELIO/I.PODUSHKO

Nach Ansicht des Professors für Immobilienwirtschaft an der Uni Regensburg müsse die Regulierung im Wohnungsbau für mehrere Jahre gelockert werden, um ein größeres Angebot zu schaffen. Just fordert deshalb weniger Bauvorschriften im Kampf gegen Wohnraumknappheit.

Die Mietpreisbremse helfe allen, die in einer Wohnung leben, aber nicht jenen, die suchen. Der Preisdruck bahne sich möglicherweise im Verborgenen seinen Weg. So rechnet der Professor für Immobilienwirtschaft damit, dass sich Vermieter künftig ihre Mieter kritischer auswählen oder Investitionen in den Bestand zurückstellen. "Wenn der Preis sich nicht an die Qualität anpassen darf, passt sich die Qualität an den Preis an."

Die aktuelle Wertentwicklung von Immobilien in Top-Lagen hält Just für trügerisch. "Immobilienbesitzer und -käufer sollten sich nicht zu sicher sein, dass ihre Objekte bloß deshalb wertstabil sind, weil sie in gefragten Lagen stehen", warnte er. Dennoch sehe er im Moment keine deutschlandweite spekulative Blase. "Ich fürchte sogar, dass die Debatte über Preisblasen in Großstädten von einem größeren sozialen und politischem Problem ablenkt: dem Wertverfall von Immobilien in der schrumpfenden Provinz", sagte Just. So würden viele Immobilienbesitzer ihre Rentenlücke aufgrund des imaginären Werts eines Eigenheims unterschätzen. "Viele Immobilien sind aufgrund der demografischen Entwicklung unverkäuflich." Pro Jahr würden in Deutschland Immobilien im Wert von rund 100 Milliarden Euro vererbt - Tendenz steigend.

Mit 'Capital' sprach Just auch über seine konkreten Erwartungen für 2016. Neben der geforderten Lockerung der Bauvorschriften rechnet er damit, dass sich institutionelle Investoren noch stärker im Wohnimmobilienmarkt engagieren und die Bedeutung von Entwicklunsgprojekten sowie Management- und Nischenimmobilien steigen wird. "Wir müssen uns mehr um barrierefreies Wohnen kümmern", mahnte der Immobilienökonom. Derzeit seien gerade einmal fünf Prozent aller Wohnungen vollständig barrierefrei. "Selbst wenn wir unterstellen, dass lediglich die pflegebedürftigen Menschen, die nicht in Heimen leben, eine entsprechende Wohnung benötigen, ergibt sich schon ein Defizit von rund 750.000 Wohnungen - in einer alternden Bevölkerung wird die Lücke noch größer."

► Lesen Sie mehr über das wohnungspolitische Thema "Das Schrumpfen der Provinz" in der IVV Ausgabe 09/2015.

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