Interview mit Mark Zimni, Immobilienverwaltung Führer & Brungs GmbH

„Der Automat nimmt auf und kanalisiert“

Die Immobilienverwaltung Führer & Brungs in Kassel hat den klassischen Anrufbeantworter mit Künstlicher Intelligenz gekoppelt. „Wir haben den Einstieg gemacht mit der Telefon-KI. Das ist der Schritt, den wirklich jeder Verwalter gehen kann, es ist simpel, es ist nicht teuer“, berichtet Geschäftsführer Mark Zimni.

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„Bei komplexen Anfragen ist die Automatisierungsquote gleich null. Sie kriegen keine brauchbaren Antworten", berichtet Mark Zimni, Geschäftsführer bei der Führer & Brungs GmbH.
„Bei komplexen Anfragen ist die Automatisierungsquote gleich null. Sie kriegen keine brauchbaren Antworten", berichtet Mark Zimni, Geschäftsführer bei der Führer & Brungs GmbH.

Herr Zimni wie groß ist Ihr Unternehmen?

Wir haben 17 Mitarbeiter an einem Standort in Kassel und verwalten 3.000 Einheiten, darunter sehr komplexe Gewerbeliegenschaften mit 5.000 Quadratmetern für einen Mieter beispielsweise. Das zählt in der Statistik als eine Einheit.

Für welche Aufgaben setzen Sie heute KI ein?

Wir nutzen KI für den Anrufbeantworter. Das Produkt heißt Managbl AI und bietet einen intelligenten Anrufbeantworter. Diese intelligente Mailbox ist über das Facilioo-Kundenportal an unsere Stammdaten gekoppelt. Die KI erkennt über die eingehende Rufnummer den Kunden, sofern der Anrufer in unserem ERP-System gelistet ist, und stellt die Verbindung zur Liegenschaft und zur Wohnung her. Im zweiten Schritt bekommt der Anrufer die Möglichkeit, seine Nachricht abzusetzen. Das Interessante dabei ist: Wenn das System die Anrufnummer nicht kennt, fragt es nach der Adresse, eine gewisse Grundintelligenz liegt also vor für den Datenabgleich mit einer bestimmten Wohnung. Managbl AI versucht sodann, im Zusammenspiel mit dem Kundenportal Facilioo den Inhalt der Nachricht auszuwerten. Ist das Anliegen dringend, wird eine entsprechende Markierung gesetzt: Handelt es sich um einen Leitungswasserschaden oder nur um eine allgemeine Information?

Auf diese Weise wird die hinterlassene Nachricht kategorisiert. Die telefonischen Nachrichten werden alle transkribiert, wir haben sie als Text vorliegen und es besteht die Möglichkeit, die Audioaufzeichnung des Telefonanrufers anzuhören. Wir schalten den intelligenten Anrufbeantworter außerhalb unserer Telefonzeiten und in Überlaufphasen der Telefonzentrale ein.

Während der Sprechzeiten werden die Anrufer direkt an zuständige Mitarbeiter weitergeleitet?

Wir beschäftigten zwei Mitarbeiter:innen in der Telefonzentrale, die die Anrufer an die jeweils zuständigen Kollegen vermitteln, aber in Stoßzeiten und in Überlaufphasen gehen die Anrufe automatisch an die KI.

Wie hoch ist der Anteil der Anrufer, deren Fragen komplett durch KI beantwortet werden?

Für Fragen wie ‚Wann bekomme ich meine Abrechnung?‘ oder ‚Wann ist die nächste Eigentümerversammlung‘ kann ich Ihnen die Automatisierungsquote exakt benennen: Sie ist null! Sie kriegen keine Antworten. Es gibt hier einen Ansatz von Facilioo, allerdings nicht für die Spracherkennung, sondern für einen WhatApp-Chatbot, der die eine oder andere Frage beantworten kann. Aber dieses System ist noch nicht intelligent, liefert keine wirklich brauchbaren Antworten. Wir nutzen das nicht, das ist mir zu wenig.

Was dort schon funktioniert ist Folgendes: Wenn über die Handynummer der Kunde erkannt wird und der Kunde schreibt in den Chat ‚Schicke mir bitte nochmal meine letzte Abrechnung‘, dann würde der Chatbot das tatsächlich automatisiert übernehmen und erledigen. Aber das ist eher wenig. Komplexe Aufgaben erledigt heute keine KI.

Ich versuche mir die Situation vorzustellen: Es ruft jemand an und die KI erkennt das Thema und damit den zuständigen Mitarbeiter und leitet den Anruf entsprechend weiter?

Das Minimum an Leistung der KI ist das Transkribieren und das Weiterleiten der Nachricht an den zuständigen Mitarbeiter. Wir haben Managebl AI kombiniert mit Facilioo, wir lassen die Anrufe nach Facilioo einlaufen. Facilioo fungiert hier als Auftragsmanagementsystem und Ticket-Tool. Das Ticket wird einem Eigentümer oder einer Wohnung zugeordnet und stellt dieses Ticket dem zuständigen Mitarbeiter oder seiner Vertretung zu.

Ist diese Selektion bereits eine Entlastung für Ihre Mitarbeiter?

Ja, das ist eine Entlastung. Wir haben das Tool vor rund zwei Jahren eingeführt, ohne Kunden vorher zu informieren. Es gibt natürlich Kunden, die wollen unbedingt mit einem Menschen sprechen, aber das ist ja genau unser Problem, wir haben leider nicht die Zeit dafür. Gerne hätte ich in der Telefonzentrale eine stärkere Besetzung, aber das bezahlt mir niemand. Mithilfe der KI können wir sagen, wir sind rund um die Uhr sieben Tage die Woche erreichbar, und das ist schon eine große Hilfe, auch wenn der Automat nicht wirklich Maßnahmen einleitet. Er nimmt auf und kanalisiert, übergibt die Meldung an die richtige Person.

Aber auch das ist schon eine Entlastung. Denken wir zurück an die alte Zeit des klassischen Anrufbeantworters. Wir haben Nachrichten abgehört, dann eine interne Nachricht geschrieben; der Kollege musste die Sprachnachricht unter Umständen nochmal abhören, weil die schriftliche Version nicht eindeutig war. Jetzt haben wir die Meldung in Kurzform als Transkript vorliegen. Das hilft dabei, gewisse Aufgaben ohne Rückfragen auf Knopfdruck zu erledigen. Beispiel: ‚Schicken Sie bitte die Abrechnung vom letzten Jahr‘; die wird dann mit zwei, drei Klicks an den Eigentümer rausgeschickt.

Wie haben Ihre Mitarbeiter auf die Einführung des Automaten reagiert?

Die Reaktionen waren sehr positiv. Wir haben schon kommuniziert, dass ein Objektsachbearbeiter dadurch nicht ersetzt werden kann. Wer sich Gedanken machen könnte, sind unsere Damen in der Telefonzentrale und im Eingangssekretariat, aber Telefonieren ist nicht deren Hauptaufgabe, sie machen auch andere Tätigkeiten. Im Moment ist niemand ersetzbar, ich bin allerdings schon der Meinung, dass in einigen Jahren die eine oder andere Stelle im Unternehmen – nicht wegen des intelligenten Anrufbeantworters – durch KI ersetzbar sein wird. Das wird nicht das Frontoffice sein, sondern eher die Buchhaltung.

Ihr Kollege und BVI-Präsident Thomas Meier hat im IVV-Interview davon gesprochen, dass es in der Buchhaltung zu einer KI-Revolution kommen werde.

Im Bereich der Buchhaltung sehe ich die größten Möglichkeiten. Seit fast 25 Jahren haben wir unsere Konten bei der Aareal-Bank – Stichwort BK01-Verfahren. Das ist ein elektronisches Bankingverfahren, das sicherstellt, dass wir eine eindeutige Zuordnung der Zahlungsbewegungen zu den Sachkonten und den Personenkonten haben. Wenn wir es jetzt noch schaffen, über eine KI, die simpel gestrickt sein wird, eine automatisierte Zuordnung der Belege zu den einzelnen Liegenschaften hinzubekommen, dann sind wir der kompletten Automatisierung ganz nah gekommen. Das geht ja heute schon, wir sprechen nicht von Zukunftsmusik.

Diese automatische Zuordnung von Eingangsrechnungen auf Liegenschaften funktioniert in unserem Unternehmen schon seit mehreren Jahren. Was heute bei uns noch nicht geht, ist, dass eine KI Eingangsbelege autonom und hundertprozentig korrekt auf die Sachkonten verteilt und eine Prüfung vornimmt. Ich denke nicht nur an die Prüfung der rechnerischen Richtigkeit – das ist simpel –, sondern an den Abgleich mit gefassten Beschlüssen oder erteilten Aufträgen. Da besteht noch eine Lücke, die aber in meinen Augen in weniger als fünf Jahren geschlossen sein wird.

Wie hoch waren Ihre Investitionen in die Telefon-KI?

Das Unternehmen Managebl AI berechnet für die Anrufbeantworter-KI den Preis anhand der verwalteten Einheiten. Je größer eine Verwaltung ist, desto mehr zahlt man monatlich. Wir zahlen 300 Euro pauschal im Monat, das ist überschaubar. Dann haben wir Facilioo im Einsatz, Kosten dafür unter 1.000 Euro im Monat. Facilioo ist natürlich nicht nur dazu da, eingehende Anrufe an die zuständigen Mitarbeiter weiterzuleiten. Facilioo ist das Portal für die gesamte Kundenkommunikation, wir nutzen es für den bidirektionalen Austausch; darüber senden wir auch unsere ausgehende Korrespondenz: Abrechnungen, Einladungen zu Eigentümerversammlungen, Beschlussprotokolle. Teil zwei ist das Auftragsmanagement-Tool, ein Ticketsystem zur Aufnahme von Meldungen, beispielsweise Schäden, und die Weiterleitung an externe Dienstleister.

Wie muss es auf dem Weg zu mehr Digitalisierung in der Hausverwaltung weitergehen?

Alles was wir in der Verwalterbranche einsetzen, sind Insellösungen. Diese funktionierende Verbindung, über die wir sprachen – Managebl AI zu Facilioo –, das erleben wir viel zu selten. Wenn ich beispielsweise ChatGPT nutze für die Texterstellung, bekomme ich das Ergebnis nicht in meine Software-Welt eingespielt, da ist immer noch ganz viel ‚Copy-and-paste‘ notwendig. Wenn wir diese große Herausforderung überwinden, dann können wir von einer digitalen Revolution sprechen. Aber noch ist diese fehlende Systemintegration der große Hemmschuh.

Die Fragen stellte Thomas Engelbrecht.

Sie wollen mit Künstlicher Intelligenz in Ihrem Immobilienverwaltung starten?

Zwei Webinare der IVV fanden im Oktober zu diesem Thema statt - Sie können sich als Kunde einloggen und die Aufzeichnung ansehen.

Themen:
Bild: Adobestock/ Limitless (KI gerneriert) Einstieg in die KI: Was steckt hinter dem Begriff – und was ist nur Hype?
Erste Anwendungsfelder in der Praxis:
– Einladungsschreiben zur Eigentümerversammlung
– Suchmaschinenoptimierung und Exposé-Erstellung
– Unterstützung bei Korrespondenz und Standardvorgängen
Komplexere Einsatzszenarien:
– Smart Building Management
– Instandhaltungsplanung und technische Steuerung
Potenziale: Automatisierung, Zeitersparnis, Effizienzgewinn
Herausforderung Personalmangel: Kann KI hier entlasten?
Strategien zur Umsetzung: Schritte der Einführung und Teamintegration
Ausblick: Wohin entwickelt sich KI in der Immobilienverwaltung?

Redaktion (allg.)

Pixabay/ Mohamed_hassan
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Artikel „Der Automat nimmt auf und kanalisiert“
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