Projektbeispiele Modulares Bauen

Mehr Wohnungsneubau mit weniger Material

Im Jahr 2018 hat der GdW mit Modulbau-Unternehmen eine Rahmenvereinbarung geschlossen. Wir stellen hier drei Bauprojekte vor, die auf dieser Vereinbarung basieren.

1105
Lego für Erwachsene: Durch vorgefertigte Wohnmodule entstehen 16 Mietwohnungen in vier Tagen. Bild: kwg Hildesheim
Lego für Erwachsene: Durch vorgefertigte Wohnmodule entstehen 16 Mietwohnungen in vier Tagen. Bild: kwg Hildesheim

Durch die Rahmenvereinbarung haben Wohnungsunternehmen die Möglichkeit, sich Wohnungsneubauprojekte quasi aus dem Katalog auszuwählen. Da Teile der Projektausschreibung und Planung bereits erledigt sind, profitieren sie dadurch von einer deutlichen Zeitersparnis.

329 Wohnungen für das Klinikum Stuttgart

Für Mitarbeiter des Klinikum Stuttgart baut die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) Wohnungen in Bad Cannstatt – in modularer Holzbauweise entsteht ein Energie-Plus-Quartier. Die SWSG erstellt für das Klinikum derzeit 329 Mitarbeiterwohnungen. Die Wichtigkeit des nachhaltigen Bauens, insbesondere in Form von Ressourcenschonung und Reduktion von Emissionen, stellt Prof. Werner Sobek, Ingenieur, Architekt und Gründer von Aktiv-Haus, in den Mittelpunkt: „Wir wollen für mehr Menschen emissionsfrei und mit weniger Material bauen.“ Das Quartier am Prießnitzweg werde energetisch so gestaltet sein, dass mehr Energie aus regenerativen Quellen gewonnen wird, als die Bewohner verbrauchen werden. Autofrei und mit großzügigen Grün- und Gemeinschaftsflächen werde das Areal lebens- und zugleich preiswerten Wohnraum bieten. Die ersten 157 Wohneinheiten sollen im Juni bezugsfertig sein. Ende des Jahres 2023 soll die zweite Bauphase mit 172 Wohneinheiten und einer Tiefgarage abgeschlossen werden.

In den kommenden Jahren entstehen am Standort Bad Cannstatt insgesamt 330 Personalwohnungen in sechs Gebäuden in nachhaltiger Holzbauweise. Die vier- und fünfgeschossigen Holzmodulhäuser werden durch die Energieeffizienzklasse 40 Plus im Jahresmittel einen Energieüberschuss aus regenerativen Quellen erzeugen. Geplant ist eine Energieerzeugung auf Basis von Sole-Wasser-Wärmepumpen, Photovoltaikmodulen und Solar-Hybridkollektoren.

Stadt und Land baut mit Goldbeck

In Berlin Treptow-Köpenick realisiert Goldbeck für die Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft 66 Wohneinheiten sowie eine in das Gebäude integrierte Arztpraxis.

Der Bau von einem Teil der Wohnungen wird durch Fördermittel des Landes Berlin unterstützt. Beide Gebäude sollen bereits im Juli 2022 fertiggestellt und schlüsselfertig übergeben werden. „Das Projekt am Sterndamm ist für uns ein ganz besonderes Bauvorhaben, denn es ist das erste, das wir mit dem GdW als Rahmenvertragspartner in Auftrag bekamen und nun realisieren“, erklärt Dietmar Rekow, Leiter der Goldbeck Nordost GmbH Niederlassung Büro- und Wohngebäude Berlin. Insgesamt entstehen hier zwei Mehrfamilienhäuser mit einer Fläche von rund 1.600 Quadratmetern, verteilt auf Ein- bis Vierzimmerwohnungen.

Goldbeck baut die Wohngebäude mit industriell vorgefertigten Systemelementen aus Stahl und Beton. Die systematisierten Elemente werden in den eigenen Werken gefertigt und auf der Baustelle montiert. Auch beim Innenausbau kommen Systemelemente zum Einsatz – zum Beispiel Fertigbäder mit voll funktionsfähigem Innenausbau, die „just in time“ zur Baustelle geliefert und dort innerhalb einer halben Stunde an der vorgesehenen Stelle montiert werden.

Ein wesentlicher Vorteil der systematisierten Bauweise: Sie schont Ressourcen und spart einen erheblichen Teil der im konventionellen Stahlbetonbau anfallenden CO2-Emissionen. Zusätzlich erfüllen die Gebäude die Voraussetzungen für ein Effizienzgebäude 55 nach Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) – dafür sorgt ein nachhaltiges Energiekonzept mit einem höheren Dämmwert der Wände und Fenster sowie eine moderne technische Gebäudeausrüstung. Im Sinne der Nachhaltigkeit hat Goldbeck bei der Planung den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes im Fokus. „Wir berücksichtigen von Beginn an Bau, Betrieb, Rückbau und Materialrecycling“, so Goldbeck-Projektleiter Tarek Habashi. „Sollte es die Arztpraxis irgendwann nicht mehr geben, lassen sich die Räumlichkeiten leicht in vier weitere Wohneinheiten umwandeln.“

Das überzeugte auch die Stadt und Land: „Die zügige Vergabe über den GdW-Rahmenvertrag in Verbindung mit der seriellen Bauweise, die dieser Rahmenvertrag beschreibt, unterstützt unser Ziel und unseren Auftrag als landeseigene Wohnungsbaugesellschaft. Wir errichten binnen kurzer Zeit bezahlbaren Wohnraum in der Stadt und haben hier mit der Firma Goldbeck einen verlässlichen und flexiblen Partner an unserer Seite“, freut sich Inga Linneweber, zuständige Projektleiterin Neubau bei der Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft mbH.

kwg Hildesheim errichtet 16 Wohnungen in vier Tagen

Im Auftrag der Kreiswohnbaugesellschaft Hildesheim (kwg) hat das Systembauunternehmen ALHO in Sarstedt ein Mehrfamilienhaus in Modulbauweise errichtet.

In vier Tagen wurde ein dreigeschossiger Gebäudekomplex errichtet. „Ein Wohnhaus mit 16 Wohnungen in vier Tagen zu bauen, kann man fast mit Lego für Erwachsene vergleichen“, erklärt Matthias Kaufmann, Geschäftsführer der kwg. Und die modulare Bauweise ist tatsächlich mit dem Aufeinanderstapeln von Bauklötzen zu vergleichen. Das Gebäudemodul wird per Kran angehoben und an bestimmten Punkten mit anderen Modulen zusammengeschweißt. Bei dem neu entstandenen Gebäude besteht eine Wohnung aus zwei Modulen – eine Stahlkonstruktion mit Trockenbauwänden. Nach dem Zusammensetzen der Module folgt die Dämmung und das Anbringen der Putzfassade. Die Wohnungen sind zwischen 68 und 77 Quadratmeter groß und verfügen über Terrasse oder Balkon. Der Quadratmeterpreis liegt bei neun Euro.

Kaufmann betont, dass die Kosten, Termine und Qualität beim konventionellen Bau häufig unsicher seien. Hier sieht er einen großen Vorteil der modularen Bauweise. Die Module werden vorab wetterunabhängig im Werk produziert, wo außerdem ein gleichbleibend hoher Qualitätsstandard gegeben ist. Des Weiteren würde der Preis durch Nachträge nicht in die Höhe getrieben, und die Kosten seien besser planbar. Die Modulbauweise ist sehr zeitsparend und ermöglicht so die Errichtung von Neubauten in einem vorgegebenen Zeitrahmen. (Red.)

Redaktion (allg.)

AnhangGröße
Beitrag als PDF herunterladen429.24 KB

◂ Heft-Navigation ▸

Artikel Mehr Wohnungsneubau mit weniger Material
Seite 30 bis 31
18.10.2021
Projekt we-house in der Hamburger Hafencity
Wie grüne Architektur alle Elemente verbindet, zeigt das we-house in der Hamburger Hafencity. Es liefert dabei Lösungen für urbane Probleme und wird zur Oase in der Stadt.
18.10.2021
Nachnutzungspläne für Flughafen Tegel
5.000 Wohnungen, 211 Hektar Gewerbefläche, ein Landschaftspark, eine Hochschule: Auf dem Papier stehen die Pläne für die Nachnutzung des 2020 geschlossenen Flughafens Tegel in Berlin fest. Dabei...
5.5.2020
Moderne Quartiersentwicklung mit Holzbauten
Das Neubaugebiet am Lettenwald im Ulmer Stadtteil Böfingen bietet mehr als 1.500 Einwohnern lebenswerten Wohnraum und zeigt mit zwei fünfgeschossigen Mehrfamilienhäusern in Holzbauweise die flexiblen...
8.10.2019
München nutzt EU-Förderprojekt „Smarter Together“
Dank guter Beratung und Fördergeld aus Europa beteiligen sich auch Wohnungseigentümergemeinschaften an der energetischen Ertüchtigung ganzer Stadtteile.
29.1.2021
Interviewreihe „Wohnen der Zukunft weitergedacht“
Die TRIQ GmbH realisiert in Stuttgart das erste ganzheitlich nachhaltige Wohngebäude in Deutschland und setzt mit ihrem Konzept Maßstäbe für klimafreundliches Bauen. Im Gespräch mit der IVV erläutert...
25.5.2022
Serieller Modulbau