Umfrage unter Volks- und Raiffeisenbanken

Nur 13 Prozent finanzieren Bauprojekte von Wohnungsgenossenschaften

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Die Inflation der Baupreise erfordert Rechenkünstler, um Erfolge am Wohnungsmarkt sichtbar zu machen: Das investierte Geld reicht heute nur noch für zwei Häuser, während die gleiche Investition 2019 für drei Häuser reichte. Bild: Bluedesign / stock.adobe.com
Die Inflation der Baupreise erfordert Rechenkünstler, um Erfolge am Wohnungsmarkt sichtbar zu machen: Das investierte Geld reicht heute nur noch für zwei Häuser, während die gleiche Investition 2019 für drei Häuser reichte. Bild: Bluedesign / stock.adobe.com

Laut Umfrage des Genoverbands blicken viele Volks- und Raiffeisenbanken vorsichtig optimistisch auf die Entwicklung der Baufinanzierungen. Aber nur wenige Genossenschaftsbanken statten Wohnungsgenossenschaften mit Kapital aus. Das soll sich ändern.

Die Vorstände der 277 Volks- und Raiffeisenbanken in den 14 Bundesländern des Genoverband e.V. sind für die Entwicklung der Finanzierungen von Neubauvorhaben zunehmend optimistisch: Für 2025 sehen laut einer aktuellen Online-Befragung 45 Prozent der Mitgliedsbanken einen – allerdings überwiegend geringen – Anstieg. Beim Ausblick auf 2026 steige dieser Wert auf 53 Prozent. Gleichzeitig sinke der Anteil derer, die hier einen Rückgang der Neubauvorhaben erwarten von 29 Prozent fürs laufende Jahr auf nur noch 13 Prozent für 2026. „Die aktuellen Einschätzungen sind ermutigend“, sagt der Vorstandsvorsitzende Michael Hoeck. „Ein dauerhafter Anstieg beim Wohnungsneubau ist jedoch erst zu erwarten, wenn Kosten beim Bauen tatsächlich gesenkt werden. Das Bundesbauministerium hat eine Halbierung der Baukosten in Aussicht gestellt, wenn der im Juni beschlossene Bau-Turbo seine Wirkung entfaltet.“

Mietpreisbremse ist Investitionshindernis

Allerdings werden diese Impulse aus Sicht der Banken an anderer Stelle konterkariert: So sei die Mietpreisbremse für 85 Prozent eher ein Investitionshindernis. Denn neben der Finanzierung für die Kunden seien über 40 Prozent der Genossenschaftsbanken selbst als Investoren am Markt. Noch widersprüchlicher erscheine das Handeln des Staates aus Sicht der Banken bei der Grundsteuer. Nur ein knappes Drittel der Banken gibt an, dass ihre Kommune die Reform der Grundsteuer aufkommensneutral gestaltet habe – mehr als die Hälfte beurteile das anders. Da die Grundsteuer über die Nebenkosten komplett auf alle Mieter umgelegt werden kann, dürfte das vielerorts den ohnehin knappen Wohnraum weiter verteuern. Genoverbands-Chef Michael Hoeck fordert vor diesem Hintergrund eine gesetzliche Verpflichtung zur transparenten und nachvollziehbaren Anpassung der Hebesätze durch die Kommunen, um die angestrebte Steuerneutralität sicherzustellen und eine einseitige Belastung der Grundstückseigentümer zu vermeiden.

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Einkommen sind oft zu gering für Eigentumsbildung

55 Prozent der Banken beurteilen aktuell das Verhältnis zwischen Kaufpreisen, Finanzierungskosten und Einkommen für den Erwerb von Wohneigentum in ihrer Region als ungünstig oder sehr ungünstig – nur sieben Prozent halten diese Relation für günstig. „Ohne ererbtes Vermögen oder finanzielle Unterstützung der Eltern können sich mancherorts selbst gutverdienende Haushalte den Traum vom Eigenheim nicht erfüllen“, sagt Hoeck.

Da die Preise für selbstgenutztes Wohneigentum steigen und es keine Aussicht auf weiter fallende Zinsen gibt, entscheiden sich nach Beobachtung des Genoverbandes jetzt wieder mehr Bürger für den Kauf einer Immobilie, zumal das Wohnen zur Miete teurer werde. Daher erwarten 70 Prozent der Mitgliedsbanken beim Finanzierungsvolumen ihrer Privatkunden 2025 einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Damit übertreffe die aktuelle Einschätzung die 2024 beim Ausblick auf das laufende Jahr geäußerte Erwartung, als 62 Prozent ein Plus prognostizierten. Für 2026 gehen 70 Prozent von einem weiteren Wachstum gegenüber 2025 aus.

Offensive für eine stärkere Zusammenarbeit

Die Vorstände der befragten Volks- und Raiffeisenbanken gehen davon aus, dass der von der Bundesregierung geplante Bau-Turbo die wirtschaftliche Tragfähigkeit genossenschaftlicher Wohnungsbauprojekte stärke, etwa weil verkürzte Genehmigungsverfahren die Risikoaufschläge in Finanzierungsmodellen senken. Allerdings: In der Umfrage geben vier von zehn Banken an, sich noch nicht mit genossenschaftlichem Bauen beschäftigt zu haben – mehr als ein Viertel steht darüber hinaus dem Thema offen gegenüber, 13 Prozent finanzieren bereits genossenschaftliches Bauen. Nur zwei haben explizit kein Interesse daran. „Um die Potenziale zu heben, wird der Genoverband als branchenübergreifendes Dach eine Offensive für eine engere Zusammenarbeit von Genossenschaftsbanken und Wohnungsgenossenschaften starten“, kündigt Hoeck an. (Red.)

Redaktion (allg.)

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Artikel Nur 13 Prozent finanzieren Bauprojekte von Wohnungsgenossenschaften
Seite 11 bis 12
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