Stadtgrün fit machen für den Klimawandel
Grünflächen, Bäume und begrünte Wege speichern Regenwasser, kühlen die Umgebung und nehmen Schadstoffe aus der Luft auf. Sie laden zur Erholung ein und sind soziale Treffpunkte. Als Lebensraum für Pflanzen und Tiere wissen die Mieter städtisches Grün in seiner ganzen Vielfalt zu schätzen. Neben Erholung für Körper und Geist helfen urbane Natur und Artenvielfalt bei der Vermittlung von Wissen rund um Flora und Fauna für kleine und große Kinder der Hauptstadt. Zudem wirkt die innerstädtische Vegetation temperaturausgleichend und erfüllt somit wichtige stadtklimatische Funktionen. So auch in der Paul-Hertz-Siedlung. Hier bewirtschaftet die Gewobag in der Siedlung rund 3.600 Wohnungen, die in den Jahren 1963/1964 entstanden sind. Mit einem Bestand von allein zwei Millionen Quadratmeter Grünflächen und rund 25.000 Bäume trägt das Quartier einen großen Anteil am Berliner Stadtgrün und fördert so die Biodiversität.
Pilotprojekt zum Nachmachen
„Städtisch Grün“ ist ein gemeinsames Projekt der Gewobag und der Stiftung Naturschutz Berlin und konzentriert sich in einer zunächst auf drei Jahre angelegten Pilotphase auf die Außenanlagen der Paul-Hertz-Siedlung in Charlottenburg-Nord. Hier werden die bestehenden Grünflächen nachhaltig weiterentwickelt und ökologisch aufgewertet. Die für das Pilotprojekt ausgewählten Wiesenflächen sind als solche gekennzeichnet. Das übergeordnete Ziel: Der langfristige Erhalt sämtlicher Funktionen der wohnungsnahen Grünanlagen für Mensch, Tier und Stadtklima.
„Als landeseigene Naturschutzstiftung beraten wir die Gewobag bei der Entwicklung von ökologischen und biodiversitätsfördernden Pflegekonzepten, die in Wohngebieten großflächig umgesetzt werden können. So können Gehölz- und Wiesenflächen langfristig an den Klimawandel angepasst werden, um z.B. weniger wässern zu müssen und um insgesamt schonend mit natürlichen Ressourcen umzugehen. Die Erkenntnisse des Pilotprojekts bilden die Grundlage für einen Handlungsleitfaden zur nachhaltigen Pflege solcher Grünflächen“, ergänzt Reinhard Schubert, Mitglied des Vorstandes der Stiftung Naturschutz Berlin.
Peter Burgfried, Bereichsleiter Bestandsmanagement der Gewobag, verweist auf den Trockensommer 2018. Unter der Hitze hatten die Grünanlagen stark gelitten. Jetzt gelte es sie zu so zu ertüchtigen, dass sie klimaangepasst sind und die Bewirtschaftung keine Zusatzkosten erzeugt.
Weniger Rasenschnitt soll mehr Wasser binden
Um ein geeignetes Quartier aus dem Gewobag-Bestand auszuwählen, wurden zahlreiche Gespräche mit dem Projektpartner geführt. Die Wahl fiel dann auf die Paul Herz Siedlung. Das Interesse der Mieterschaft und die große Vielfalt an Flächen waren dabei entscheidend. Was hier funktioniert, kann auch auf anderen Standorten der Gewobag übertragen werden, ist sich Burgfried sicher.
„Für unser Pilotprojekt „Städtisch Grün“ nehmen wir dabei unsere gesamten Grünanlagen unter die Lupe, um sie langfristig nachhaltig weiterzuentwickeln und ökologisch aufzuwerten. Wir freuen uns, dass wir mit der Stiftung Naturschutz Berlin einen starken Projektpartner an der Seite haben, mit dem wir nicht nur die Wohnqualität für unsere Mieter verbessern, sondern zum langfristigen Erhalt wohnungsnaher Grünanlagen für Mensch, Tier und des Stadtklimas beitragen“, so Burgfried.
In dem Projekt wurden drei Maßnahmen ermittelt. Bei Flächen mit hoher Artenvielfalt wird ein angepasster Pflegeturnus mit weniger Rasenschnitt und Laubansammlung mehr Wasser binden. Zusätzlich werde auf den ausgewiesenen Flächen eine wachstumsspezifische und wassersparende Bepflanzung realisiert. Der hohen Anzahl an Kaninchen, soll durch kaninchenresistente Ansaaten begegnet werden.
Mehr Natur ohne Mehrkosten
„Als landeseigenes Wohnungsbauunternehmen fokussieren wir uns auch auf das nachbarschaftliche Miteinander in den Quartieren – und das im Einklang mit der Natur. Wir haben allein zwei Millionen Quadratmeter Grünflächen sowie rund 25.000 Bäume in unserem Bestand“, so Snezana Michaelis, Mitglied des Vorstandes der Gewobag, über das Projekt „Städtisch Grün“. Eine Kostensteigerung für die Mieter erwartet sie nicht. Im Gegenteil, der Natur werde mehr Raum für die Artenvielfalt gegeben, so Michaelis. Weniger Pflegeschnitt bei Rasen und Sträucher senke die Betriebskosten. Noch nicht im Projekt aufgenommen, aber für die Zukunft geplant, sind Maßnahmen zum Regenwassermanagement.
Bewertung von Stadtgrün
www.ioew.de
www.stiftung-naturschutz.de
www.gewobag.de
Uwe Manzke
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