Editorial

Von wahrer Größe und Weitsicht

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 Bild: Pixabay
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Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen, die Vonovia SE, unternimmt den dritten Versuch, sämtliche Aktien der nicht eben kleinen Deutsche Wohnen zu kaufen. Der Zusammenschluss von Managementressorts und der gemeinsame Einkauf von Material und Dienstleistungen hat betriebswirtschaftliche Vorteile. Aber darum geht es nicht allein. Durch den Zusammenschluss wollen Vonovia und Deutsche Wohnen „ein mieterorientiertes und gesellschaftlich verantwortungsvolles Wohnungsunternehmen schaffen, das in enger Partnerschaft mit der Politik verlässlich zu Lösungen vor allem für den Berliner Wohnungsmarkt beitragen kann“. Das ist eine diplomatische Umschreibung massiver Konflikte mit Politik und Gesellschaft. Die Unternehmen streben nach mehr Größe und Macht gegen politische Einschränkungen wie den Mietendeckel. Wirtschaftliche Größe löst Misstrauen aus. In Berlin sind die Wähler und Wählerinnen parallelzur Bundestagswahl in einem Volksbegehren aufgefordert, über die Enteignung von Wohnungsunternehmen abzustimmen.

Mehr Größe wird richtig teuer. Zusätzlich 19 Milliarden bietet die Vonovia im dritten Anlauf den Aktionären der Deutsche Wohnen, nachdem beim zweiten Übernahmeversuch weniger als die Hälfte der Anteilsscheine angeboten worden war. Wer Größe durch Börsenkapital zu erreichen sucht, begibt sich in die Abhängigkeit fremder Interessen und verliert doch wieder an Größe (Artikel auf S. 10 und S. 11).

Von wahrer Größe kann man wohl sprechen bei Investoren, Stadtplanern, Quartiersmanagern und Menschen in der Behinderten- und Altenarbeit, die sich zusammentun, um die Verwahrlosung von Problemimmobilien nicht einfach laufen zu lassen. Ein heruntergekommenes Wohnhochhaus abzureißen, um anschließend, nein keine hochwertigen Eigentumswohnungen, sondern Mietwohnungen für Haushalte mit kleinen Einkommen zu bauen, zeigt Größe und Mut. „Es gibt so viele Hürden, wenn man ein solches Projekt in die Gänge bringen will“, sagt der beteiligte Stadtplaner (Artikel S. 12). Der Investor braucht die Zusage für staatliche Fördermittel und ist langfristig angewiesen auf ein soziales Quartiersmanagement und soziale Ankermieter, die Behinderten-, Alten- und Migrantenarbeit leisten. Die Beschäftigten in diesen Bereichen leisten Großes für kleine Gehälter.

Über die Mietpreisbremse wurde in den Medien viel berichtet, doch wann ist sie anwendbar? Anhand dieser Checkliste können Sie prüfen, ob sie bei der Bestimmung der neuen Miete die Mietpreisbremse beachten müssen.

Größe ist die Schwester der Weitsicht. Unternehmerische Weitsicht braucht es, um Datenschutz und IT-Sicherheit von den Unternehmensprozessen auf den Betrieb der Immobilie, auf die zunehmend digital vernetzte Haustechnik zu übertragen (Artikel S. 16). Die Welt ist voller Hacker. Sie wollen Geld ergaunern und sie wollen Zerstörung anrichten, einfach weil sie es können. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie Smart Home- und Smart Living-Anwendungen angreifen werden. Um Cyberrisiken zu minimieren, wurde jetzt die Software von Aufzügen in die Prüfung der Überwachungsstellen wie DEKRA oder TÜV aufgenommen. Bei den Prüfungen wird in Zukunft der Stand der Software dokumentiert (Seite 18).

Weitsicht und einen langfristigen Modernisierungsfahrplan für Bestandsimmobilien erfordert auch der Aufbau elektrischer Anlagen für das Laden von Elektroautos. Durch die attraktive staatliche Kaufprämie kommt dieser Markt jetzt in Bewegung. Planung, Bau und Betrieb der Ladeinfrastruktur sind aus Gründen der Betriebssicherheit streng normiert und überwacht. Eigentümer und Verwalter, die von der Mobilitätswende elektrisiert sind, sollten sich frühzeitig mit Experten zusammensetzen (Seite 26).

Thomas Engelbrecht

Thomas Engelbrecht
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Artikel Von wahrer Größe und Weitsicht
Seite 3
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