Energiewende im Quartier

Möckernkiez in Berlin füllt sich mit Leben

22.06.2018

Nach rund zwei Jahren Bauzeit ziehen am Möckernkiez die Bagger ab und immer mehr Bewohner ein. Auf sie warten nicht nur neue vier Wände, sondern auch eine neue Energieversorgung: Ökostrom und saubere Wärme erzeugt die Naturstrom AG im Quartier größtenteils direkt vor Ort – und macht damit den Möckernkiez zum Energiewende-Quartier. Mehrere Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge runden das umfassende Energiekonzept ab.

Drei Häuser des Möckernkiezes ind zu sehen. Das Quartier sieht noch nicht sehr belebt aus, weil noch nicht alle Bewohner eingezogen sind.
Die Bagger ziehen langsam ab, die Mitglieder des Genossenschaftsprojektes Möckernkiez erobern ihr Areal. FOTO: NATURSTROM_AG

Von den 14 Wohngebäuden des Möckernkiez sind sechs bereits bezogen, rund 400 Menschen bringen seit dem Frühjahr Leben ins Quartier. Die nächsten Genossenschaftsmitglieder ziehen ab Anfang Juli ein. Insgesamt umfasst das Quartier 471 Wohn- und 20 Gewerbeeinheiten.

Ökologisch nachhaltige Energieversorgung des Quartiers

Auch wenn aktuell noch ein Teil der Wohnungen leer steht: Ökostrom und saubere Wärme fließen bereits. Im Möckernkiez realisiert der Energieversorger Naturstrom eine sektorübergreifende Energiewende im Quartiersformat. Die Wärmeversorgung des Quartiers übernehmen ein Blockheizkraftwerk (BHKW), betrieben mit hundertprozentigem Biogas, sowie ein Gasdoppelkessel für die Lastspitzen. Das BHKW verfügt über eine elektrische Leistung von 143 kWel und eine thermische Leistung von 215 kWth. Der Gasdoppelkessel leistet 1.300 kWth und wird vor allem im Winter zum Einsatz kommen. Über ein 600 Meter langes Nahwärmenetz liefert Naturstrom die Wärme in die Häuser.

Solaranlagen liefern im Jahr rund 124.000 kWh

Den Strom, den das BHKW neben der Wärme produziert, bietet der Energieversorger den Kiezbewohnern im Rahmen eines Mieterstromtarifs an. Für den „MöckernStrom“, ein exklusives Produkt für den Kiez, steuern auch fünf Photovoltaikanlagen ihre Erzeugung bei. Insgesamt installiert Naturstrom rund 135 kWp auf den Dächern.        

Zwei Anlagen sind bereits errichtet, drei folgen im Juli. Pro Jahr werden die Solaranlagen durchschnittlich einen Ertrag von insgesamt rund 124.000 kWh liefern. Um die 20 Prozent der Stromerzeugung aus dem BHKW sowie 70 Prozent des Solarstroms können direkt in den Hausnetzen verbraucht werden. Unabhängig davon, ob die Kiezbewohner den Solar- oder BHKW-Strom physikalisch nutzen können, gelten die gleichen Konditionen für den MöckernStrom.  „Da die ökologische Energieversorgung für viele Genossen ein erklärter Anspruch an ihren Kiez ist, rechnen wir mit einer sehr hohen Beteiligung“, meint Naturstrom-Vorstand Meyer. Bereits jetzt liegen Mieterstromverträge für über 50 Prozent der Haushalte vor.

Ladepunkte für Elektrofahrzeuge

Geplant sind außerdem zwei öffentlich zugängliche Ladesäulen. Sie werden vor einem Biomarkt installiert, der in eine der Gewerbeeinheiten des Möckernkiezes einziehen wird.

„Eine ökologisch nachhaltige Energieversorgung des Quartiers gehörte von Anfang an zur Vision der Genossenschaft“, erklärt Frank Nitzsche, kaufmännischer Vorstand der Möckernkiez eG. „Es ist ein großer Erfolg für unser Projekt, dass die Genossen nun tatsächlich umweltfreundlich aus Erzeugungsanlagen im Kiez versorgt werden können.“ Das ambitionierte Bauprojekt am Rand des Gleisdreieck-Parks geht auf eine lokale Bürgerinitiative im Jahr 2007 zurück. Deren Ziel: barrierefreies, soziales und ökologisches Wohnen für Menschen aller Generationen. Zur Verwirklichung des Vorhabens wurde 2009 die Möckernkiez eG gegründet, die das Projekt seitdem entwickelt hat, jetzt verwirklicht und künftig verwalten wird.

[Update 30.08.2018] Kritik an mangelnder ökologischer Ausrichtung

Unterdessen kritisiert das Genossenschaftsmitglied Dieter Wettig den nach seiner Einschätzung zu hohen Einsatz von (fossiliem) Erdgas. In einer Stellungnahme an die IVV-Redaktion schreibt Wettig: "Leider ist  es nicht richtig, dass die Energieversorgung unserer Siedlung ökologisch nachhaltig ist, denn der Gasdoppelkessel wird zu 90 % mit Erdgas befeuert. Erdgas macht etwa 45 % unseres gesamten Gasbezuges aus. Erdgas ist keine nachhaltige Energiequelle."

Den hohen Erdgas-Anteil machte Dieter Wettig auch auf einer Informationsveranstaltung des Anlagenbetreibers Naturstrom AG zum Thema. Die Sprecherin des Anlagen-Contractors, Salomé Klinger, verwies auf die hohen Kosten; Bio-Gas sei dreimal teurer als Erdgas, das sei gegenüber der Genossenschaft wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen. Hier lesen Sie den ausführlichen Bericht "Happy End in der Passivhaussiedlung mit Abstrichen beim Projekt" über die Info-Veranstaltung der Naturstrom AG im Möckernkiez.

 

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