Das Wohnungsunternehmen setzt dieses Verfahren zusammen mit dem Bauunternehmen Züblin und dem Technolgieanbieter Instatiq ein. Beim Neubau von insgesamt drei Mehrfamilienhäusern in Metzingen-Neugreuth soll die Praxisreife für größere Projekte erbracht werden.
Der Clou: Das System druckt nicht nur Schalungen, sondern vollwertige, tragende Wände
Zum Einsatz kommt ein "ganz normalen Betonmischer". Das soll Materialtransporte sparen, Kosten senken und die Logistik vor Ort vereinfachen.
Das Projekt steht exemplarisch für die Digitalisierung des Bauens: Baupläne werden direkt digital verarbeitet, Fehlerquellen verringert und die Qualitätssicherung verbessert. Auch in Sachen Nachhaltigkeit ist das Verfahren ein Fortschritt – die verwendete Betonmischung verursacht rund 20 Prozent weniger CO₂ als klassisches Kalksteinmauerwerk.
Doch die Technologie punktet nicht nur technisch. Sie liefert auch Antworten auf aktuelle Herausforderungen im Bauwesen: Weniger Personalaufwand, schnellere Prozesse und geringere Kosten – ein starkes Signal in Zeiten von Fachkräftemangel und steigender Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum.
Zum Einsatz kommt der Betondrucker des Technologieanbieters Instatiq, ausgestattet mit einem 26 Meter langen, automatisch gesteuerten Auslegerarm. Gedruckt werden massive Betonwände mit bis zu drei Metern Höhe und Wandstärken von 16,5 bis 19 Zentimetern – Schicht für Schicht, mit einer Geschwindigkeit von zehn Zentimetern pro Sekunde und einer Leistung von 2,5 Kubikmetern pro Stunde.
Chris Brandstätt, Gruppenleiter für Prozessplanung im Baubetrieb bei ZÜBLIN, sagt:
Mit dem 3D-Betondruck holen wir ein innovatives und automatisiertes Verfahren direkt auf die Baustelle. Die tragenden Wände des Geschosses stellen wir damit in nur vier Tagen hin. Ein Kubikmeter gedruckte Massivwand benötigt nur die Hälfte der Zeit eines konventionellen Baus von Kalkstein-Mauerwerk."
Auf dem rund 3.000 Quadratmeter großen Gelände in Metzingen entstehen insgesamt 44 moderne und nachhaltige Wohneinheiten, darunter 18 öffentlich geförderte und sechs barrierefrei zugängliche Wohnungen. Die Fertigstellung der drei Mehrfamilienhäuser ist für Mai 2026 vorgesehen. Weitere Projekte mit dem 3D-Betondrucker sind bereits in Planung.
Quelle: GWG Reutlingen/ Züblin
Bezahlbarer Wohnungsbau mit dem 3D-Drucker?
Über diese 3D-Druck-Projekte hatte die Fachzeitschrift IVV bereits berichtet:
Die WBG Lünen hat Deutschlands erstes öffentlich gefördertes Mehrparteienhaus im 3D-Druckverfahren bauen lassen. Bei Innovationen im Wohnungsbau stellt sich in Deutschland sofort die Frage: Darf man das und wie reagiert die Baubehörde, schließlich gibt es Vorschriften? Für diese „Innovation der Bauwirtschaft“ zahlt das Land NRW einen Zuschuss von 400.000 Euro. Die IVV sprach mit WBG-Vorstand Jan Hische über die Erfahrungen mit dem Betonguss. (Januar 2025)
2020 ist in Beckum hierzulande das erste Wohnhaus aus dem 3D-Drucker entstanden. Weitere wurden bereits realisiert oder sind in Planung. Werden Häuser künftig gedruckt, statt gemauert und was bedeutet das für die Bau- und Immobilienbranche? >> Häuser in „Schichtarbeit“(Oktober 2023)
"Komm, wir drucken uns ein Haus.“ Das könnte zum geflügelten Wort werden, seitdem im Jahr 2021 das erste Haus im 3-D-Betondruck im westfälischen Beckum bezugsfertig wurde. Entworfen am Computer und von dort ohne Umwege mit dem Roboter dreidimensional „gedruckt“. Ein weiteres Haus in dieser Bautechnologie entstand fast zeitgleich in Bayern. „Wir waren etwas schneller und damit bundesweit als Erste am Start, weil wir eher wussten, wie man eine Ausnahme-Baugenehmigung für ein Haus aus dem Drucker bekommt“, sagt Architekt Waldemar Korte vom Büro Mense + Korte Ingenieure + Architekten. >> Vom Kleckern und Klotzen (Februar 20222)












