VdW Bayern geht von hohen Nachzahlungen aus

Betriebskosten steigen schneller als Mieten

Ein Jahrzehnt lang konnten sich die Mieter der bayerischen Wohnungsunternehmen über stabile Kosten für Heizung und Warmwasser freuen. Mit Russlands Eroberungskrieg kam 2022 der Gas-Preisschock. Durchschnittlich zahlten Wohnungsunternehmen bis Mitte 2023 bei neu geschlossenen Verträgen 68 Prozent mehr. Mieter müssen mit erheblichen Nachzahlungen rechnen.

Bayerische Wohnungsunternehmen, die ab 2022 neue Versorgungsverträge abschließen mussten, zahlen durchschnittlich 68 Prozent mehr für Gas. Foto: Adobestock/Wolfilser
Bayerische Wohnungsunternehmen, die ab 2022 neue Versorgungsverträge abschließen mussten, zahlen durchschnittlich 68 Prozent mehr für Gas. Foto: Adobestock/Wolfilser

Wenige Ausgaben konnten von Mietern bei Bayerns Wohnungsunternehmen in den vergangenen Jahren so gut kalkuliert werden, wie die Kosten für Heizung und Warmwasser, berichtet der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen. 2012 fielen für diese warmen Betriebskosten durchschnittlich 1,08 Euro pro Quadratmeter bei den Mitgliedsunternehmen des VdW Bayern an. Über die Jahre schwankte der Betrag im Cent-Bereich – manchmal auch zugunsten der Mieter: 2021 waren die warmen Betriebskosten mit 1,06 Euro pro Quadratmeter sogar günstiger als noch 2012. Im Jahr 2022 habe sich dieser Trend jedoch umgekehrt. Binnen eines Jahres kletterten die Heiz- und Warmwasserkosten um fast 50 Prozent auf durchschnittlich 1,50 Euro pro Quadratmeter Ende 2022. Seither stiegen die Betriebskosten schneller als die Mieten. Für die Heizkostenabrechnung 2023 erwartet der Verband daher hohe Nachforderungen.

Gaspreis erhöhte sich durchschnittlich um 68 Prozent

„Die Wohnungsunternehmen in Bayern haben die Energiekosten für ihre Mieter in der Vergangenheit niedrig halten können“, stellt Verbandsdirektor Hans Maier fest. Die überwiegende Mehrheit der bayerischen Wohnungsunternehmen hatte mehrjährige Lieferverträge und Fixpreise mit den Versorgern aushandeln können. Aufgrund des großen Preisschocks im Jahr 2022 konnten von den Versorgern Neuverträge jedoch nur noch zu deutlich höheren Preisen angeboten werden und viele Wohnungsunternehmen waren zur Sicherung der Wärmeversorgung zum Abschluss dieser Verträge gezwungen. Durchschnittlich zahlten Unternehmen bis Mitte 2023 bei neugeschlossenen Verträge 68 Prozent mehr für ihre gasbasierte Wärmeversorgung. Auch Preise für andere Energieträger, beispielsweise Fernwärme, seien deutlich gestiegen. Die 2023 geltende Preisbremse für Strom, Gas und Fernwärme habe den Anstieg nur begrenzt abfedern können. „Leider müssen sich Mieterhaushalte auf saftig gestiegene Heizkostenabrechnungen einstellen“, bedauert Maier. Mittelfristig dürften die etwas gesunkenen Gaspreise wieder zu niedrigeren Umlagen führen.

Wohnungswirtschaft reagiert mit verschiedenen Maßnahmen

„Die Wohnungswirtschaft beschäftigt das Thema Energiekrise naturgemäß seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine“, stellt Maier klar. Viele Wohnungsunternehmen hätten in Abstimmung mit den Mietern bereits im Jahr 2022 die Nebenkostenvorauszahlungen angepasst. „Befragungen unseres Verbandes zeigen: Viele Wohnungsunternehmen haben darüber hinaus Energieeinsparmaßnahmen durchgeführt, etwa die Heizungsanlage optimiert, die Sommerabschaltung verlängert oder Informationen an die Mieter verteilt“, erläutert Maier. Wichtig ist es dem Verbandsdirektor zu betonen, dass wegen den hohen Nachzahlungen kein Mieter seine Wohnung verlieren werde. „Mit unseren Mitgliedsunternehmen wird sich immer eine Lösung finden“, erklärt der Verbandsdirektor. Mieterhaushalte entscheiden sich bei hohen Nachforderungen immer öfter für Ratenzahlungen.

Klimaschutz führt nicht automatisch zu Kostenersparnissen

Im Rahmen der Energiewende stehe derzeit bei vielen Wohnungsunternehmen ein Heizungstausch bevor. Doch die energetische Modernisierung führe auch zu einer Steigerung der Mieten. „Die Mieterhaushalte haben durch die Klimaschutzmaßnahmen leider nicht automatisch eine Kostenersparnis“, sagt Maier.

Bei einer Befragung der Mitgliedsunternehmen bekommen die bestehenden Klimaschutzprogramme für den Wohnungsbestand entsprechend schlechte Noten. Unzufriedenheit herrsche vor allem über die Fördermittelausstattung. 78 Prozent der Befragten kritisierten, dass nicht genug Geld zur Verfügung stehe. (Red.)

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