CO2-Steuer in Kraft

Das Heizen mit Gas und Öl wird teurer

Zu Beginn des Jahres ist Deutschland in die CO2-Bepreisung eingestiegen. Eine Tonne Kohlendioxid-Emissionen wird mit im ersten Schritt mit 25 Euro besteuert. Was bedeutet das für das Heizen von Wohnungen und was bringt die Steuer für das Klima?

Während die Friday for Future-Bewegung vor dem Klimakollaps warnt, heizen die Menschen ihre Wohnungen kräftig ein. Foto: Adobestock/Nicola
Während die Friday for Future-Bewegung vor dem Klimakollaps warnt, heizen die Menschen ihre Wohnungen kräftig ein. Foto: Adobestock/Nicola

Die Steuer von 25 Euro gilt für das Jahr 2021. Danach steigt der Preis jährlich schrittweise auf bis zu 55 Euro im Jahr 2025 an. Für das Jahr 2026 soll ein Preiskorridor von mindestens 55 und höchstens 65 Euro gelten. Mit der neuen Abgabe verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die Nutzung klimaschonender Technologien wie Wärmepumpen und Solarheizungen voranzubringen. Für Mieter bringt die Steuer nach Angaben des Instituts für Wärme und Mobilität (IWO) Mehrkosten von rund 0,75 Cent pro Kilowattstunde beim Heizöl, rund 0,65 Cent pro Kilowattstunde beim Flüssiggas bzw. 0,55 Cent pro Kilowattstunde beim Erdgas. Was das für Mieter auf das Jahr gesehen bedeutet, haben der Energiedienstleister ista und die TU Dortmund schon vor einem Jahr berechnet. Im Durchschnitt seien Mietwohnungen 71 Quadratmeter groß. Für diese Wohnung würden sich die CO2-Kosten in diesem Jahr auf etwa 49 Euro belaufen; 2025 wären es demnach 107 Euro zusätzliche Heizkosten. Wegen der höheren CO2-Emissionen würden Ölheizungen zu deutlich höheren Kosten führen als Gasheizungen. Bei einem CO2-Preis von 55 Euro pro Tonne lägen die zusätzlichen jährlichen Kosten für die Durchschnittswohnung mit Ölheizung bei etwa 134 Euro, bei einer Gasheizung betrügen die Zusatzkosten 100 Euro jährlich.

Mieterbund verlangt vollständige Umlage der CO2-Steuer auf Vermieter

Der Deutsche Mieterbund kommt zu ähnlichen Preissteigerungen: Für eine Erdgasheizung bei mittlerem Energieverbrauch müssten in diesem Jahr im Schnitt 65 Euro mehr bezahlt werden, für Heizöl 85 Euro. Im Jahr 2025 kletterten die Mehrkosten für Erdgas auf 140 Euro, für Heizöl auf 185 Euro jährlich. Der Mieterbund sieht viele Mieterhaushalte bereits jetzt an der Grenze zur finanziellen Überforderung und verlangt von der Bundesregierung, dass der CO2-Preis für Heizungen vollständig von den Vermietern getragen wird. „Auch aus klimapolitischer Sicht macht die Umlage auf Mieter keinen Sinn. Denn Mieter können nicht beeinflussen, welcher Art ihre Heizungsanlage ist. Diese Entscheidung liegt alleine beim Vermieter“, so die Bundesdirektorin des Deutschen Mieterbundes, Melanie Weber-Moritz.

Um soziale Härten durch steigende Heizkosten zu vermeiden, hat die Bundesregierung im Klimaschutzprogramm 2030 angekündigt, Änderungen im Mietrecht zu prüfen. Diese sehen eine begrenzte Umlagefähigkeit der CO2-Bepreisung auf Mieter vor, die gleichzeitig Anreize bei Vermietern setzt, in klimaschonende Heizungssysteme bzw. energetische Sanierungen zu investieren.

FDP schlägt Lösung für das Mieter-Vermieter-Dilemma vor

Auch der bau- und wohnungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Daniel Föst, kritisiert, dass die klimapolitische Lenkungswirkung der CO2-Abgabe „in Mietwohnungen verpuffen“ werde. Um das Mieter-Vermieter-Dilemma aufzulösen, macht die FDP den Vorschlag einer Teilwarmmiete. In Zukunft solle der Vermieter für eine Basisversorgung mit Wärme zuständig sein – der über die Basisversorgung hinausgehende Wärmebedarf werde wie bisher verbrauchsabhängig vom Mieter bezahlt. Der Vermieter profitiere bei Investitionen in den Klimaschutz, da die Kosten seiner Basisversorgung sinken und der Mieter indem seine verbrauchsabhängigen Kosten sinken. Eine vergleichbare Regelung habe in Schweden in den vergangenen 20 Jahren den CO2-Ausstoß von Gebäuden um 95 Prozent gesenkt.

GdW spricht sich gegen einseitige Begrenzung der Umlage aus

Die vorgeschlagene Begrenzung der Umlagefähigkeit der CO2-Steuer auf maximal 50 Prozent würde aus Sicht von GdW-Präsident Axel Gedaschko zu neuer Ungerechtigkeit führen. Denn der energetische Zustand der Wohngebäude sei sehr unterschiedlich und müsse bei der Kostenverteilung berücksichtigt werden. Je besser der energetische Zustand des Wohngebäudes, desto höher müsse der umlagefähige Anteil sein. Denn in modernen Gebäuden sei das Verhalten des Nutzers beim Umgang mit der Wärmeversorgung entscheidend. Werde die Umlagefähigkeit des CO2-Preises stattdessen pauschal begrenzt, fehlten den sozial verantwortlichen Wohnungsunternehmen die notwendigen Mittel, um die hohen Investitionen in die energetische Verbesserung ihrer Wohnungen leisten zu können.

CO2-Komponente führt zur Erhöhung des Wohngeldes

Der Gdw weist auf das Wohngeld-CO2-Bepreisungentlastungsgesetz hin. Dieses sehe monatliche Beiträge zur Entlastung der Wohngeldhaushalte bei den Heizkosten vor. Diese würden mit 30 Cent je Quadratmeter und Monat angesetzt. Für einen Haushalt führe das voraussichtlich zu einer durchschnittlichen Erhöhung des Wohngeldes um 12 Euro im Monat. Der GdW geht davon aus, dass sich mit der CO2-Komponente eine wirksame Entlastung der Wohngeldhaushalte bis 2025 entfaltet. (Red.)

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