Wohnungsmarktbericht Niedersachsen 2021

„Förderung für den Bau von Sozialwohnungen so gut wie nie“

Der vdw, das Landesbauministerium und die NBank haben den Wohnungsmarktbericht 2021 für Niedersachsen vorgelegt. In vielen Städten des norddeutschen Flächenlandes sind die Wohnungsmärkte angespannt – und sehr rasch ist trotz verstärkter Bauaktivitäten mit einer Entspannung nicht zu rechnen.

Weserschleife bei Dölme: Als Flächenland ist Niedersachsen ein klassisches „Eigenheim-Land“. 58 Prozent aller Wohnungen befinden sich in Ein- oder Zweifamilienhäusern. Quelle: Adobestock/Carl-Jürgen Bautsch
Weserschleife bei Dölme: Als Flächenland ist Niedersachsen ein klassisches „Eigenheim-Land“. 58 Prozent aller Wohnungen befinden sich in Ein- oder Zweifamilienhäusern. Quelle: Adobestock/Carl-Jürgen Bautsch

„Die größten Herausforderungen für den Wohnungsmarkt in Niedersachsen sind für die nächsten Jahre die Bezahlbarkeit des Wohnraums, der demographische Wandel und die Klimaneutralität.“ So fasste Niedersachsens Umwelt- und Bauminister Olaf Lies die Aussagen des aktuellen Wohnungsmarktberichtes zusammen, den er gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der NBank, Michael Kiesewetter, und der Verbandsdirektorin der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vdw), Susanne Schmitt, in Hannover vorstellte. „Wir haben weiterhin vielerorts im Land einen angespannten Wohnungsmarkt. Das gilt vor allem für unsere Ballungsgebiete, die Universitätsstädte und die wirtschaftlich starken Regionen. Vielerorts fehlen günstige, kleine und barrierefreie Wohnungen. Mietsteigerungen und ein Anziehen der Kaufpreise für Eigenheime und Eigentumswohnungen sind die Folge“, so Lies.

Die Speckgürtel werden breiter

Deutlich zeige sich aber auch, dass die Umlandgemeinden wachsen, oft sogar bis in die „dritte Reihe“, weil die großen Städte zu teuer seien. Demgegenüber gäbe es in Niedersachsen viele Gebiete mit Wohnungsüberhängen, wo der demographische Wandel zu starken Verringerungen der Einwohnerzahlen führe.

Die Verbandsdirektorin des vdw, Susanne Schmitt, sagte: „Die Botschaft des neuen Wohnungsmarktberichts ist eindeutig: Es gibt weiterhin sehr viel zu tun!“  Zwar stiegen die Baufertigstellungen signifikant, und die vorliegenden Baugenehmigungen deuteten darauf hin, dass sich der Aufwärtstrend fortsetzen werde. Aber die großen Ziele beim bezahlbaren Wohnen seien noch nicht erreicht.

Immerhin werde der rapide Rückgang öffentlich geförderter Wohnungen von den vdw-Mitgliedsunternehmen durch ein breites Angebot preisgünstiger Bestandswohnungen zumindest in Teilen abgefedert; ihre Durchschnittmiete liege bei 5,71 Euro pro Quadratmeter.

Hindernisse für noch mehr Neubau

Dem großen Neubaubedarf an bezahlbaren Mietwohnungen stehen nach Einschätzung des vdw aktuell gewaltige Probleme entgegen: rasant steigende Baukosten, fehlende Baustoffe, ein Mangel an bautechnischen Elementen und zu geringe Kapazitäten im Bauhandwerk. Der vdw hält daher an seiner Forderung nach einem länderübergreifenden Baukostengipfel fest. Außerdem ergeben sich aus dem Bericht weitere Forderungen an Land und Kommunen:

  • schnellere, digitale Planungs- und Genehmigungsverfahren
  • mehr günstiges, kommunales Bauland
  • eine flächendeckende Breitbandversorgung auch für ländliche Räume
  • Ausbau der Ladeinfrastruktur für mehr E-Mobilität
  • Förderung erneuerbarer Energien
  • integrierte Konzepte für Stadt- und Quartiersentwicklungen

Förderbedingungen so gut wie nie

Problematisch, so Bauminister Lies, sei der Rückgang des Bestandes an Sozialwohnungen. Er sei um 42 Prozent gegenüber 2012 auf 57.000 Wohnungen gesunken. „Insofern ist die Schaffung von günstigen Wohnungen die Kernaufgabe der nächsten Jahre“, sagte der Bauminister. Deshalb sei es gut, dass das Land neue Förderbedingungen aufgestellt habe. „Es sind die besten, die es jemals in Niedersachsen gab“, stellte Lies fest.

Bedarf an kleinen, barrierefreien Wohnungen nimmt zu

Als zweite große Herausforderung nannte Lies die Schaffung von altersgerechten Wohnungen. „In praktisch allen Städten und Gemeinden wird die Zahl der Senioren zunehmen“, machte Lies deutlich. Laut Wohnungsmarktbericht ändern sich aufgrund des demographischen Wandels die Haushaltsstrukturen. Während die Zahl der Familienhaushalte sinke, werde es mehr kleine Haushalte geben. Der Wohnungsbestand an kleineren Wohnungen müsse in den nächsten Jahren entsprechend vergrößert werden und auch den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht werden.

Klimaneutralität bis 2045

Die dritte große Herausforderung sei es, die Klimaziele zu erreichen. „Vor allem ältere Gebäude verbrauchen bis zu fünf Mal mehr Energie als nach 2001 errichtete Neubauten“ erläuterte Lies. Er forderte dazu auf, sich besonders auf die Sanierung des Bestands zu konzentrieren. Auch der Austausch aller Heiztechnologien mit fossilen Brennstoffen sei erforderlich. 

Zunahme des Geschosswohnungsbaus

Niedersachsen sei nach wir vor ein klassisches „Eigenheim-Land“. 58 Prozent aller Wohnungen befinden sich in Ein- oder Zweifamilienhäusern. „Der Bericht zeigt aber auch sehr klar, dass wir im Bereich der Mehrfamilienhäuser und des Geschosswohnungsbaus deutlich vorangekommen sind“, hob Minister Lies hervor. Von 2013 bis 2020 wurden die Fertigstellungen in diesem Segment mehr als verdoppelt.

Beinahe die Hälfte aller fertiggestellten Wohnungen in Niedersachsen wurden 2020 in Mehrfamilienhäusern errichtet. Der Geschosswohnungsbau sei somit in besonderem Maße für den Anstieg der Baufertigstellungen auf über 30.000 Wohnungen im letzten Jahr verantwortlich. Der Bauminister lobt: „Die niedersächsische Wohnungswirtschaft hat hier eine enorme Leistung erbracht.“ Wohnungen in Mehrfamilienhäusern würden Baulandflächen optimal ausnutzen, mehrheitlich zur Miete angeboten und befänden sich häufig unterhalb der Marktmiete. Damit leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Wohnungsversorgung – vor allem in den Ballungsräumen des Landes. (Red.)

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