Vor Inkrafttreten des Heizungsgesetzes

Heizungsindustrie wärmt sich an konjunkturellem Strohfeuer

Die mit dem Gebäudeenergiegesetz verbundenen Unsicherheiten bescheren der Heizungsindustrie einen enormen Nachfrageschub bei Wärmepumpen und Gasheizungen. Ein reiner Vorzieheffekt vor Inkrafttreten des sogenannten Heizungsgesetzes, fürchtet der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie.

Ein Ingenieur testet eine Gastherme, die auch Wasserstoff verbrennen kann. Diese sogenannten „H2-ready“-Gasheizungen dürfen auch in Zukunft eingebaut werden. Foto: Vaillant
Ein Ingenieur testet eine Gastherme, die auch Wasserstoff verbrennen kann. Diese sogenannten „H2-ready“-Gasheizungen dürfen auch in Zukunft eingebaut werden. Foto: Vaillant

Der Markt für Heizungen in Deutschland bewegt sich auch im dritten Quartal 2023 auf einem hohen Niveau. Das geht aus der Herbststatistik hervor, die der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) am 9. November vorgelegt hat. Darin weist der Spitzenverband bis einschließlich September dieses Jahres knapp über eine Million abgesetzte Wärmeerzeuger aus. Das entspreche einem Plus von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit setzten die Hersteller erstmalig seit den 1990er-Jahren wieder über eine Million Heizungen ab.

Ein Rekord: 625.000 Gasheizungen in neun Monaten verkauft

Treiber dieser Entwicklung seien nach wie vor Wärmepumpen mit 295.500 abgesetzten Geräten und einem Plus von 86 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gasbasierte Geräte trügen mit 625.000 abgesetzten Einheiten und einem Plus von 38 Prozent ebenfalls zum positiven Gesamtergebnis bei.

Den positiven Marktverlauf sieht der Verband jedoch als Momentaufnahme, bedingt durch Vorzieheffekte. So habe die langwierige und öffentlich geführte Debatte rund um das GEG dafür gesorgt, dass viele Hausbesitzer sich im Jahresverlauf für eine Heizungsmodernisierung entschieden haben, um den Anforderungen des GEG zuvorzukommen. Diese Dynamik schwäche sich jedoch zunehmend ab. Noch zum Halbjahr lag das Marktwachstum bei Wärmepumpen bei 105 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aktuell liegt es noch bei 86 Prozent. Diese Entwicklung lasse sich auch an den rückläufigen Förderanträgen für Wärmepumpen beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ablesen. Diese bewegten sich seit Monaten auf einem sehr niedrigen Niveau.

Ohne attraktive Förderung erwartet Industrie starken Rückgang

Befragt nach der Perspektive für das erste Quartal 2024 zeichnen die BDH-Mitgliedsunternehmen ein negatives Bild. 85 Prozent der befragten Unternehmen rechnen für das erste Quartal 2024 mit einer schlechten oder sogar sehr schlechten Marktentwicklung. Eine Marktbelebung durch das Gebäudeenergiegesetz erwarten die Unternehmen nicht.

BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt forderte daher von der Politik, „die ordnungspolitischen Anforderungen des GEG wie angekündigt mit einer attraktiven Förderung zu flankieren, die alle technologischen Lösungen des GEG umfasst“.

„Lange Fristen für kommunale Wärmeplanung bremsen Investitionen“

Zudem ist es nach Auffassung des BDH von zentraler Bedeutung, dass mit der Verabschiedung des Gesetzes zur kommunalen Wärmeplanung die Modernisierung nicht weiter ausgebremst werde. Es dürfe nicht sein, „dass die dringend notwendige Modernisierungsdynamik abnimmt, weil die Option eines Anschlusses an ein Wärmenetz in der Zukunft möglich sein könnte“, erklärte Staudt. 

Sowohl das Gesetz zur kommunalen Wärmeplanung als auch die detaillierte Ausgestaltung der Förderung von Heizungsmodernisierungen nach GEG befinden sich noch in der parlamentarischen Beratung.

So wird weiterhin kontrovers über die konkrete Ausgestaltung des von der Bundesregierung vorgelegten Wärmeplanungsgesetzes diskutiert. Bei einer Sachverständigenanhörung und einer anschließenden Sitzung im Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen habe es vor allem an den vorgesehenen Fristen Kritik gegeben, meldet der Verband der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV). Vertreter der Kommunalen Spitzenverbände hätten gefordert, die Fristen zur Erstellung der Wärmepläne sollten zumindest jeweils bis zum Jahresende 2026 beziehungsweise 2028 verlängert werden. Außerdem sollte die Einwohnergrenze, unterhalb der die Länder ein vereinfachtes Verfahren vorsehen können, auf 20.000 Einwohner angehoben werden. Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe hingegen seien die geplanten Zieldaten zu spät. Der Verband fordere, die Wärmepläne der Kommunen sollten spätestens Mitte 2025 bzw. Mitte 2027 vorliegen. Es stünden Investitionsentscheidungen für den Austausch von rund 19 Millionen fossil befeuerten Wärmeerzeugern an.

Weiterhin Streit über Förderdetails für Heizungstausch

Über die Ausgestaltung der staatlichen Förderkulisse zum Heizungstausch wird der Haushaltsausschuss des Bundestages erneut Mitte November debattieren. Im bereits vom Parlament verabschiedeten Heizungsgesetz ist zwar weitgehende Technologieoffenheit festgeschrieben, dennoch gibt innerhalb der Ampelkoalition nach wie vor Streit darüber, in welchem Maße einzelne Heiztechniken gefördert werden sollen. Ein Knackpunkt bilden Holzpelletheizungen. Die Grünen knüpfen eine hohe Förderung an sehr strenge Feinstaubgrenzwerte. Außerdem sollen Pelletkessel stets mit einer Wärmepumpe bzw. thermischen Solarmodulen gekoppelt werden.

Haben Sie Fragen zum neuen Heizungsgesetz?

Speziell für Immobilienverwalter / WEG-Verwalter hat die Fachzeitschrift IVV immobilien vermieten & verwalten einen Workshop ins Programm genommen:

Das neue Heizungsgesetz und die Auswirkungen des GEG auf das WEG (Wohneigentumsgesetz)

Was ist jetzt zu tun: alte Heizung rausschmeissen oder abwarten? Was kommt auf WEG-Verwalter zu? Muss die außerordentliche Eigentümerversammlung einberufen werden?

Informieren Sie sich allumfassend in einem zweistündigen Workshop. Die Referentin ist WEG-Rechtsexpertin und klärt über die Pflichten für Verwaltungen und Eigentümer auf. Teilnehmende nehmen mit Webcam und Mikrofon an der Sitzung teil, können ihre Fragen im Chat stellen und ihr individuelles Anliegen schildern.

Hier gibt es weitere Infos zum Workshop. Verschaffen Sie sich einen Überblick, was Sie in 2024 erwartet.

Thomas Engelbrecht

Thomas Engelbrecht
Chefredakteur
Endet ein Mietverhältnis und der Mieter zieht aus, entsteht oft im Nachhinein Streit über den Zustand der Wohnung. Stammt die Beschädigung wirklich vom Mieter oder wurde sie erst nach dem Auszug verursacht? Sind noch Schönheitsreparaturen auszuführen? Hat der...
Printer Friendly, PDF & Email
7.7.2023
Wegen der Verletzung von Parlamentarierrechten
Das Bundesverfassungsgericht hat verhindert, dass der Bundestag das Gebäudeenergiegesetz in der letzten Sitzung vor der Sommerpause verabschiedet. Damit gaben die Verfassungsrichter dem Eilantrag des...
13.2.2023
Jahresbilanz 2022 der deutschen Heizungsindustrie
Trotz Lieferengpässen und hoher Handwerkerauslastung konnte die deutsche Heizungsindustrie ihr Geschäft 2022 um fünf Prozent steigern. Fast eine Million Wärmeerzeuger wurden verkauft. Die höchsten...
20.2.2024
Bilanz Heizungsindustrie 2023
Die Deutsche Heizungsindustrie hat den Verkauf von Wärmeerzeugern 2023 um 34 Prozent gesteigert. Im ersten Halbjahr profitierte vor allem die Wärmepumpe, danach gab es geradezu einen Run auf Gas- und...
20.11.2023
Gesetz zur kommunalen Wärmeplanung verabschiedet
Der Deutsche Bundestag hat das Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (Wärmeplanungsgesetz) verabschiedet. Kritiker befürchten eine Verzögerung der Wärmewende hin zu...
14.6.2023
Leitplanken der Ampelkoalition für das GEG
Eine Pflicht zum Austausch von Gas- und Ölheizungen wird sich voraussichtlich um mindestens vier Jahre verschieben. Zunächst sollen Kommunen verpflichtet werden, eine Fernwärmeplanung vorzulegen. Auf...
2.3.2023
Entwurf zum neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG)
Wer soll das bezahlen und wer soll die Umrüstarbeiten machen? Das Ziel von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, Gas- und Ölheizungen schon ab 2024 zu verbieten, stößt auf entschiedene Kritik aus...