Wohnungswirtschaft zu Energiekosten

"Jeder muss seinen Beitrag für eine Reduzierung des Energieverbrauchs leisten"

Die Wohnunswirtschaft begrüßt das Entlastungspaket für Energiekosten und die Förderung für den Austausch älterer Heizungen. Der Staat müsse aber zusätzlich zur wichtigen Unterstützung einkommensschwacher Haushalte Planungssicherheit für die energetische Modernisierung von Gebäuden herstellen.

Frieren für den Frieden ist zwar gut. Dämmen und energieeffiziente Technik in den Gebäudebestand einbauen, kann jedoch auch nicht schaden. BILD: ADOBESTOCK/ I.BARTUSSEK
Frieren für den Frieden ist zwar gut. Dämmen und energieeffiziente Technik in den Gebäudebestand einbauen, kann jedoch auch nicht schaden. BILD: ADOBESTOCK/ I.BARTUSSEK

Das Entlastungspaket der Bundesregierung sei ein wichtiger Rettungsanker für die Haushalte in Deutschland, die von massiven Energiepreissteigerungen betroffen sind, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. Jeder müsse seinen Beitrag für eine Reduzierung des Energieverbrauchs leisten.

Bezahlbaren Wohnraum durch Förderung ermöglichen

Beim Wohnungsneubau hat der Koalitionsausschuss allerdings den falschen Weg beschritten, so der GdW. Denn das KfW-Effizienzhaus-55 soll ungefördert nun schon ab dem 1. Januar 2023 Standard für den Neubau werden. Das ist das Gegenteil von Hilfe für den bezahlbaren Wohnungsbau – und das Gegenteil von notwendigem Schub für mehr Wohnungsbau insgesamt. Die sinnvollen Standards von EU-Ebene sollten keinesfalls durch deutschen Überperfektionismus getoppt werden. Denn gerade für sozialen Wohnraum gilt: Wenn höhere Standards verlangt werden, muss dieser bezahlbare Wohnraum durch Förderung ermöglicht werden. Statt höchster Effizienzvorgaben müssen – auch beim Wohnungsneubau – die Standards mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis gefördert werden.

Deutschland braucht einen Booster für den Ausbau der erneuerbaren Energien

Das sei insbesondere deshalb notwendig, weil nach den neuesten Beschlüssen schon ab 2024 – statt wie bislang vorgesehen ab 2025 – möglichst jede neue Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Die Energieversorgung muss also zügig CO2-frei werden, dazu ist auch eine kommunale Wärmeplanung vor Ort dringend notwendig.

Gebäudeeigentümer könnten weitere Einsparungen ermöglichen, indem sie die Betriebsführung der Heizung im Gebäude überprüfen und verbessern würden. Die mit den heutigen Beschlüssen angekündigte Verbesserung des Gaskesselaustauschprogramms sei deshalb ein positives Signal.

Beim Energiesparen im Gesamtsystem des Gebäudes könne außerdem der Einsatz von einheitlichen, einfach zu bedienenden und kostengünstigen Smart-Home-Geräten in den Wohnungen unterstützend wirken. Die Bewohner selbst sollten ebenfalls verstärkt auf möglichst energiesparendes Verhalten achten. Denn ein entscheidender Hebel zur Senkung des Energieverbrauchs liege im Nutzerverhalten. Zu verbrauchssparendem Heizen und Lüften sollte deshalb verstärkt aufgerufen und aufgeklärt werden. 

>> Special: Heizungsmodernisierung, digitale Syteme zur Steuerung der Heizung im IVV März-Heft 2022

Größerer Wurf beim Mieterstrom notwendig

Mieterstrom müsse durch die Wohnungsunternehmen und die Mieter endlich auf einfache Weise nutzbar werden, damit die Energiewende beim Wohnen als Gemeinschaftsprojekt funktionieren kann. Genauso einfach, wie bislang Wärme durch Ölheizungen in den Häusern produziert wurde, müsse der Strom nun im Quartier über Nebenstraßen hinweg direkt an die Verbraucher geliefert werden, gespeichert und auch für E-Mobilität genutzt werden können ohne, dass ein Wohnungsunternehmen gleich zum Energieversorgungsunternehmen mit all den dazugehörigen Pflichten werden würde.

Quelle: GdW

weiterlesen:
IVV-Fachartikel:
Klimaschonendes Heizen: Forschungsprojekt BaltBest deckt Effizienzpotenziale in Anlagentechnik und Nutzerverhalten auf

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