Wohnungswirtschaft im Norden

Klimaziele überfordern soziale Vermieter

Das Ziel der Klimaneutralität überfordert offensichtlich viele Wohnungsunternehmen im Norden. Lübecks Umweltsenator Ludger Hinsen habe unlängst erklärt, dass für die Stadt Lübeck das Jahr 2035 als Zielpunkt nicht realisierbar sei. Halte man an dem Ziel fest, werde der Neubau von Wohnungen zum Erliegen kommen.

Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 467 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. Bild: Stadt Lübeck; Pixelio/ Ruth Rudolph
Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 467 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. Bild: Stadt Lübeck; Pixelio/ Ruth Rudolph

Dazu erklärte Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):

„Soziale Vermieter sind sogenannte Bestandshalter: Sie unterhalten ihre Wohngebäude über viele Jahrzehnte und vermieten die Wohnungen dauerhaft zu niedrigen Preisen. Schon allein deshalb ist das Gelingen der Energiewende eines ihrer Herzensanliegen.

Allerdings haben die sozialen Vermieter stets auch die Mieten im Blick. Klimaschutz, so unverzichtbar er ist, darf nicht zu einem massiven Anstieg der Mieten führen und so die Mieterinnen und Mieter, vor allem jene, die es nicht so dicke haben, finanziell überfordern.

Investitionskosten über massive Mieterhöhungen abfangen?

Das Lübecker kommunale Wohnungsunternehmen TRAVE rechnete vor, dass das Unternehmen rund 837 Millionen Euro investieren muss, um bis zum Jahr 2035 Klimaneutralität zu erreichen. Von den rund 8600 TRAVE-Wohnungen müssen rund 6000 – zum Teil aufwendig - saniert werden. Das Unternehmen muss sein aktuelles jährliches Investitionsvolumen von 40 auf 80 Millionen Euro verdoppeln. Das ist bei einem Jahresüberschuss von rund drei Millionen Euro utopisch.

Ähnlich geht es den Wohnungsbaugenossenschaften in Lübeck. Auch sie müssen zusätzlich Hunderte Millionen Euro aufwenden, um eine Klimaneutralität ihrer Wohnungsbestände bis zum Jahr 2035 zu erreichen. Berechnungen haben ergeben, dass die Mieten zusätzlich zu den ohnehin notwendigen Mietsteigerungen um bis zu 1,50 Euro pro Quadratmeter erhöht werden müssen. Bei einer 60-Quadratmeter-Wohnungen sind das 90 Euro im Monat – auf das Jahr hochgerechnet sind das 1080 Euro.

Massive zusätzliche staatliche Förderung ist notwendig

Um Klimaneutralität mietkostenneutral zu erreichen, ist eine massive staatliche Förderung notwendig. Land und Bund ducken sich jedoch bislang weg und zeigen wenig Bereitschaft, zusätzliche Kosten zu übernehmen. Eine dadurch notwendige deutliche Erhöhung von Mieten kommt aus sozialpolitischen Gründen für die sozialen Vermieter nicht in Frage. Zudem, das wird oft vergessen, legt das Mietrecht Grenzen für Mieterhöhungen im Bestand fest.

Mit anderen Worten: über Mieterhöhungen lassen sich die großen Investitionen nicht stemmen.

Überambitionierte Klimaschutzziele überfordern Wohnungsunternehmen

Wer am Ziel der ‚Klimaneutralität 2035‘ festhält, der muss den Menschen offen sagen, woher das Geld kommen soll", sagte  Andreas Breitner, Direktor des VNW. 

Quelle: VNW/ Lübecker Nachrichten

Redaktion (allg.)

Pixabay/ Mohamed_hassan
Das Smartphone gehört zum Alltag von Immobilienverwaltern. Apps eröffnen Unternehmen der Wohnungswirtschaft neue Möglichkeiten in den Bereichen Kundenservice und Kundenbindung. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach nützlichen Apps. Die besten Mobilprogramme...
Printer Friendly, PDF & Email
26.11.2025
Praxisbericht IW.2050
Ein Teil der Wohnungswirtschaft bewegt sich kontinuierlich in Richtung Klimaneutralität. Das zeigt der Praxisbericht der Initiative Wohnen.2050. Er erscheint traditionell zum "Tag der...
2.12.2025
5. Praxisbericht der Initiative Wohnen.2050
Mittlerweile zum fünften Mal hat die Initiative Wohnen.2050 (IW.2050) ihren Praxisbericht vorgelegt. Dieser zeigt auf, wie weit sich Teile der Wohnungswirtschaft in Richtung Klimaneutralität...
10.7.2024
NHW Jahresbilanz 2023
Die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt zieht Bilanz: 2023 war mit einem Investitionsvolumen von rund 153 Millionen Euro ihr erfolgreichstes Jahr für den Neubau seit über zehn Jahren...
13.4.2023
Dank der Kapitalaufstockung durch das Land Hessen
Um 200 Millionen Euro hat das Land Hessen als Mehrheitseigentümer das Eigenkapital der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt Ende 2020 aufgestockt. Das Geld investiert Hessens größtes...
21.11.2024
Wissenschaftler fordern Kurswechsel
Im vergangenen Jahrzehnt hat Deutschland 500 Milliarden in Gebäudedämmung und Haustechnik investiert, ohne dass der Energieverbrauch wirklich gesenkt werden konnte. Fünf Wissenschaftler aus den...
22.5.2023
Förderung des Heizungstausches
GdW und Deutscher Mieterbund kritisieren in einer gemeinsamen Erklärung die im Entwurf zum neuen Gebäudeenergiegesetz vorgesehene einseitige Ausrichtung staatlicher Förderung auf private...