Dank der Kapitalaufstockung durch das Land Hessen

Nassauische Heimstätte kann Klimaziele weiter verfolgen

Um 200 Millionen Euro hat das Land Hessen als Mehrheitseigentümer das Eigenkapital der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt Ende 2020 aufgestockt. Das Geld investiert Hessens größtes Wohnungsunternehmen in die energetische Modernisierung seiner Bestände – und muss dabei „kreativ“ auf die aktuellen Markthindernisse reagieren.

Rund 50 Millionen Euro investiert die NHW pro Jahr in die Modernisierung und Instandhaltung ihrer Bestände. Foto: Thomas Rohnke
Rund 50 Millionen Euro investiert die NHW pro Jahr in die Modernisierung und Instandhaltung ihrer Bestände. Foto: Thomas Rohnke

Über 3.000 Wohnungen sollen mit Hilfe der Kapitalaufstockung durch das Land mittelfristig fit für die Zukunft gemacht werden. Preissteigerungen, fragile Lieferketten, fehlende Baustoffe und der Mangel an Fachkräften stellten als Folgen der Pandemie und des Ukraine-Konflikts jedoch immense Herausforderungen dar. Hintergrund ist die Zielvereinbarung für einen klimaneutralen Gebäudebestand, die die NHW als erstes Wohnungsunternehmen 2019 mit dem Land unterzeichnet hatte. Mit dem Budget, aufgestockt um Fördermittel und Eigenkapital, sollten zunächst bis 2025 insgesamt 3.800 Wohneinheiten in 16 Quartieren energetisch modernisiert werden. Seit den enormen Preis- und Finanzierungssteigerungen müssten allerdings sowohl der Zeitraum als auch die Zahl der Vorhaben ständig angepasst werden.

Inzwischen würden die ursprünglichen Planungen bis voraussichtlich 2027 weitergeführt. An vielen Stellen sei die NHW aber auch schon in der Umsetzungsphase – aktuell etwa „Am Hirschsprung“ in Dreieich und in der Offenbacher Carl-Ulrich-Siedlung.

Energieverbrauch sinkt pro Wohnung um bis 80 Prozent

Für NHW-Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer ist die Erhöhung des Eigenkapitals ein substanzieller Beitrag, um die geplanten Maßnahmen in den nächsten Jahren finanzieren zu können. „Für jede Wohnung, die wir auf diese Weise modernisieren, reduzieren wir den Verbrauch um 60 bis 80 Prozent. Pro Jahr und Wohnung macht das 1,75 Tonnen CO2 aus.“

Doch wie gehen umfassende Modernisierung, bezahlbarer Wohnraum und Wirtschaftlichkeit der Unternehmensgruppe zusammen? „Im Zuge der umfangreichen Arbeiten wird eine moderate Mieterhöhung unausweichlich sein“, gibt Fontaine-Kretschmer klar zu verstehen, „jedoch ohne die Mieterinnen und Mieter über Gebühr zu belasten.“ Um der Verantwortung als sozial orientierter Bestandshalter gerecht zu werden, stehe für die Unternehmensgruppe stets eine faire und sozialverträgliche Mietpreisgestaltung im Vordergrund. Aus sozialen Gründen werde nur ein Bruchteil der tatsächlichen Modernisierungskosten auf die Miete umgelegt.

Realisierbare Planung trotz Zielkonflikten?

Alle Maßnahmen der NHW seien darauf ausgerichtet, größtmögliche CO2-Ersparnis zu erzielen. Neben den Mitteln aus der Erhöhung des Eigenkapitals investiere die NHW kontinuierlich rund 50 Millionen Euro pro Jahr in die Modernisierung und Instandhaltung ihrer Bestände. Ein Fokus des aufgestellten Fünf-Jahres-Plans liege auf der energetischen Modernisierung der Gebäude, die den größten Instandhaltungsrückstau und Energieverbrauch aufweisen. Schritt für Schritt würden Dächer und Fenster erneuert, Fassaden, Keller- und Dachbodendecken gedämmt sowie Balkone instandgesetzt. Auch die Anlagen zur Wärmeerzeugung würden nach der Modernisierung überwiegend mit Erneuerbaren Energien versorgt. In dieser Umstellung liege der größte Hebel auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Krisenphänomene überlagern sich derzeit

Seit 2022 wirkten sich jedoch die Folgen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges enorm auf die Planungen aus: weltweite Lieferengpässe, Fachkräfte- und Materialmangel, Preissteigerungen der Baustoffe um bis zu zehn Prozent. Insbesondere Energiepreise für Rohstoffe zur Fertigung von Bauprodukten seien deutlich teurer geworden – teils bis zu 70 Prozent. Die Krisen überlagerten sich teilweise und lösten einen Domino-Effekt aus.

„Flexibilität ist das Gebot der Stunde“

Die NHW sieht sich dank unterschiedlicher Strategien dennoch gut gerüstet: „Natürlich gibt es Probleme, die es zu lösen gilt. Flexibilität lautet das Gebot der Stunde. Hin und wieder müssen wir auch mal unkonventionelle Wege gehen“, beschreibt Karin Hendriks, Leiterin des NHW-Unternehmensbereichs Modernisierung und Großinstandhaltung, die Situation. Unter anderem sei es denkbar, bei Lieferengpässen auf ein bestimmtes Produkt aus der unternehmenseigenen Standardbaubeschreibung zu verzichten, sofern das Alternativprodukt über die gleiche Qualität verfüge. Ein weiterer Weg, den Herausforderungen zu begegnen, sei die schrittweise Realisierung der Maßnahmen in einzelnen Abschnitten. Hinsichtlich der Terminierung gelte es ebenfalls, besonders agil zu agieren. Gegebenenfalls müssten Projekte auch verschoben und andere vorgezogen werden.

Sanierungsmaßnahmen müssen zeitlich gestreckt werden

Die energetische Modernisierung sei allerdings nur ein Baustein im umfangreichen Erneuerungsprogramm der NHW-Bestände. Rund 140 Millionen Euro hat Hessens größtes Wohnungsunternehmen 2021 in diesem Bereich investiert. „Dank unserer Klimastrategie haben wir seit 2019 durch Neubau und Modernisierung bereits eine CO2-Reduktion in unserem Portfolio von rund zehn Prozent erreicht“, fasst Monika Fontaine-Kretschmer zusammen. Auch für die Zukunft ist sie zuversichtlich: „Trotz aller widrigen Umstände werden wir das Gros unserer zukünftigen Vorhaben umsetzen. Allerdings werden wir den zeitlichen Korridor deutlich verlängern müssen.“  (Red.)

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