Vermieterreport

Private Vermieter warten auf klare Signale aus der Politik

Private Kleinvermieter bilden das Rückgrat des deutschen Mietwohnungsmarkts. Laut einer aktuellen Umfrage des Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zeigen sich 36 Prozent der Befragten unzufrieden mit der aktuellen Wohnungspolitik. Hauptthemen dürften dabei die Vereinfachung des Neubaus und klare Zielvorgaben für energetische Sanierungen sein.

Bild: Adobestock/ Imillian
Bild: Adobestock/ Imillian

Mieten moderat halten

Die Mehrzahl der befragten Vermieter agieren bei der Mietperisgestaltung weiterhin zurückhaltend: Mehr als 50 Prozent erhöhen bei Neuverträgen die Miete derzeit nicht, 44 Prozent nur moderat. Auch im Bestand werden Mieterhöhungen meist nur infolge gestiegener Betriebskosten (28 Prozent) vorgenommen. Diese Zahlen decken sich auch mit der Selbsteinschätzung der Vermieter zu ihrem eigenen Mietanpassungsverhalten: 45 Prozent geben an, dass sie die Mieten in bestehenden Verträgen über längere Zeit konstant halten.

Energieeinsparungen erzielen

Über die Hälfte der Befragten (53 Prozent) hat in den letzten Jahren bereits energetische Sanierungsmaßnahmen umgesetzt, häufig in Form neuer Heizungen – 30 Prozent haben diese Sanierungsmaßnahme in mindestens einer ihrer Mietwohnungen durchgeführt. 23 Prozent ließen Fenster austauschen und 18 Prozent führten Dämmungsarbeiten durch. 

Grund für die Maßnahmen ist für rund die Hälfte der Befragten, langfristige Energieeinsparungen zu erzielen. Doch auch die Erhöhung der Mieterzufriedenheit (39 Prozent) sowie die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks (33 Prozent) sind relevante Motive. Verzichten Vermieter auf Maßnahmen, liegt das häufig an mangelnder Dringlichkeit (65 Prozent), daran, dass die Mieter es nicht wünschen (21 Prozent), oder am Kostenaufwand (20 Prozent).

Prof. Dr. Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft, warnt:

Dass erneut rund die Hälfte der befragten Vermieter derzeit keine energetischen Sanierungsmaßnahmen geplant hat, muss ein Warnsignal für die Politik sein.“  

Bedarf an Beratung ist hoch

Künftige Maßnahmen plant lediglich etwa die Hälfte der privaten Vermieter, dabei fehlt vielen ein klares Bild der politischen Anforderungen: Nur 17 Prozent haben sich bereits intensiv mit den Klimazielen bis 2045 beschäftigt. 41 Prozent sind sich der notwendigen Schritte bislang gar nicht bewusst. Hier besteht offensichtlich noch erheblicher Beratungsbedarf.

Zufriedenheit mit der eigenen Vermietungstätigkeit ist hoch 

Die Zufriedenheit mit der eigenen Vermietungstätigkeit ist weiterhin hoch: 71 Prozent der befragten privaten Vermieter geben an, zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Deutlich anders fällt hingegen die Bewertung der aktuellen Wohnungspolitik aus: Nur 17 Prozent äußern Zufriedenheit, während 36 Prozent unzufrieden oder sehr unzufrieden sind. Die Mehrheit zeigt sich hier unentschlossen oder neutral – ein Zeichen dafür, dass viele Vermieter auf klare politische Signale warten.

Die Unzufriedenheit mit der aktuellen Wohnungspolitik...

... spiegelt sich auch in der Einschätzung der privaten Vermieter zu ihrer Meinung nach vernachlässigten wohnungspolitischen Themen wider. So nehmen etwa bei der Berücksichtigung von Mieter- und Vermieterinteressen 51 Prozent der Vermieter eine Unwucht wahr und wünschen sich hier einen faireren Ausgleich. Außerdem wird ihrer Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit auf die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für Menschen mit mittlerem Einkommen (58 Prozent) und Wohnungsbau für ältere Menschen (30 Prozent) gelegt. 

Altersvorsorge ist Hauptmotiv für die Immobilieninvestition

Die meisten privaten Vermieter investieren bewusst und sehr langfristig in Wohnimmobilien – fast ein Drittel vermietet bereits seit mindestens 20 Jahren. Mehr als die Hälfte bietet dabei lediglich eine Wohnung an, deren Mieteinkommen in den meisten Fällen 10.000 Euro pro Jahr nicht überschreitet und auch nur einen geringen Anteil am Gesamteinkommen darstellt. 57 Prozent der Befragten sind älter als 55 Jahre.

58 Prozent der Befragten nennen die eigene Altersvorsorge als Hauptmotiv für ihre Immobilieninvestition, 54 Prozent möchten sich dadurch ein zusätzliches Einkommen sichern. Auch die Vermögensstruktur unterstreicht die Immobilienorientierung: Im Schnitt entfallen 65 Prozent des Vermögens auf selbstgenutzte und vermietete Immobilien. Bei der Immobilienfinanzierung war für lediglich rund 12 Prozent der Befragten eine Lebensversicherung wesentlicher Bestandteil ihrer Finanzierungsstrategie.

Quelle/ über:  Der Deutschland.Immobilien Vermieterreport wird jährlich gemeinsam von der DI Deutschland.Immobilien AG und dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) herausgegeben. Die aktuelle Befragung wurde im Januar und Februar 2025 mit rund 1.000 privaten Vermietern in Deutschland durchgeführt. Ziel ist es, ein differenziertes Bild dieser zentralen, aber oft wenig beachteten Gruppe auf dem Wohnungsmarkt zu zeichnen.

 

Martina Eisinger

Redaktionelle Mitarbeiterin
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