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Regionale Unterschiede bei Energieeffizienz von Gebäuden

Bei Wohngebäuden gibt es die Effizienzklassen A+ (sehr effizient) bis H (sehr hoher Verbrauch). Eine GeoMap-Analyse untersuchte die Angebotsanzeigen von Neubauten und Bestandsgebäuden. Die Ergebnisse offenbaren deutliche regionale Unterschiede. Unter den deutschen Metropolen liegt Leipzig klar vorn – nur 16 Prozent der dort inserierten Objekte fallen in die Energieeffizienzklassen E bis H.

Ältere Wohngebäude in Deutschland: Die allgemein angenommene Sanierungsquote von rund 1% wird derzeit nicht erreicht. Um die Klimaziele im Jahr 2030 für den Gebäudesektor zu realisieren, wäre sogar eine Sanierungsquote von rund 2% notwendig. Bild: Fotolia/ Fälchle
Ältere Wohngebäude in Deutschland: Die allgemein angenommene Sanierungsquote von rund 1% wird derzeit nicht erreicht. Um die Klimaziele im Jahr 2030 für den Gebäudesektor zu realisieren, wäre sogar eine Sanierungsquote von rund 2% notwendig. Bild: Fotolia/ Fälchle

Die Analyse der acht größten deutschen Städte zeigt erhebliche Unterschiede bei der Energieeffizienz, sowohl in der Verteilung der Effizienzklassen als auch im Sanierungsbedarf. Leipzig weist mit nur 16 Prozent der Wohngebäude in den Klassen E bis H den niedrigsten Anteil an sanierungsbedürftigen Objekten aller acht betrachteten Städte auf.

Die Energieeffizienzklasse eines Wohngebäudes gibt an, wie viel Energie pro Quadratmeter und Jahr verbraucht wird

Insgesamt wurden 13.330 Angebotsanzeigen ausgewertet, von denen lediglich 2.110 in die niedrigen Energieeffizienzklassen E bis H fallen. Besonders stark ist der Anteil in der Klasse C mit 36 Prozent, gefolgt von 29 Prozent in Klasse D. Zugleich befinden sich 20 Prozent der Objekte in den besonders guten Klassen A+ bis B.

Ein deutlich anderes Bild zeigen westdeutsche Metropolen wie Düsseldorf und Hamburg. In beiden Städten liegt der Anteil der Wohnungsangebote in den Klassen E bis H bei 45 Prozent (Düsseldorf) bzw. 44 Prozent (Hamburg). Besonders häufig vertreten sind dort die Klassen E, F und G. Während in Hamburg immerhin 18 Prozent der Gebäude zu den sehr guten Klassen A+ bis B zählen, sind es in Düsseldorf nur 13 Prozent – der niedrigste Anteil im gesamten Vergleich.

Berlin liegt mit 33 Prozent an Inseraten in den niedrigeren Energieeffizienzklassen im unteren Mittelfeld. Fast die Hälfte des Wohnungsangebots entfällt auf die Klassen D (22 Prozent) und E (27 Prozent), was auf eine große Zahl an unsanierten Bestandsgebäuden hinweist. Der Anteil sehr energieeffizienter Objekte in den Klassen A+ und A liegt bei lediglich 4 Prozent.

Die Energieeffizienzklasse eines Wohngebäudes gibt an, wie viel Energie pro Quadratmeter und Jahr verbraucht wird – eingeteilt in Klassen von A+ (sehr effizient) bis H (sehr hoher Verbrauch). Je niedriger die Klasse, desto höher sind in der Regel Energiebedarf und Heizkosten. Während Neubauten meist in den oberen Effizienzklassen liegen, bestehen bei vielen älteren Gebäuden energetische Schwächen. Ziel der Energieeffizienz ist nicht nur die Senkung von Verbrauchskosten, sondern auch ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Deutschland strebt bis 2045 Klimaneutralität an – dafür sind flächendeckende Verbesserungen im Gebäudesektor notwendig.

München und Frankfurt am Main vergleichsweise gut aufgestellt

Auch Köln und Stuttgart weisen jeweils 41 Prozent an Wohngebäuden in den Klassen E bis H auf. Beide Städte zeigen eine starke Konzentration im mittleren Effizienzbereich – insbesondere in Klasse D, die in Köln 24 Prozent, in Stuttgart 21 Prozent des Bestands ausmacht. Die besonders energieeffizienten Klassen A+ bis B sind in beiden Städten mit 6 Prozent vertreten.

München und Frankfurt am Main zeigen sich vergleichsweise gut aufgestellt. Beide Städte erreichen mit 26 Prozent (München) und 25 Prozent (Frankfurt) die höchsten Anteile an besonders effizienten Gebäuden (A+ bis B). Auch der Anteil an Wohngebäuden in den Klassen E bis H liegt mit 31 Prozent (München) und 39 Prozent (Frankfurt) unter dem Durchschnitt. Dennoch dominiert in beiden Städten die Klasse D – in München mit 19 Prozent, in Frankfurt mit 15 Prozent – ein Hinweis auf weit verbreiteten, mittelfristigen Modernisierungsbedarf.

Insgesamt zeigt sich: In sämtlichen west- und norddeutschen Großstädten befindet sich weit mehr als die Hälfte des Wohnungsbestands in den unteren Energieeffizienzklassen. Leipzig ist die einzige Metropole, in der dieser Anteil unter 20 Prozent liegt.

Infos zur Erhebung:

Für diese GeoMap-Analyse wurden insgesamt 912.000 Angebotsanzeigen mit vollständigen Adressangaben im Zeitraum vom 1.Januar 2019 bis 31.Dezember 2024 ausgewertet. Dabei wurden nur Anzeigen berücksichtigt, die Informationen zur Energieeffizienzklasse oder zum Energiekennwert in kWh/m²*a enthielten. Wenn mehrere Anzeigen für dieselbe Adresse vorlagen, wurde jeweils die aktuelle Angabe zur Energieeffizienzklasse oder zum Energiekennwert in die Auswertung einbezogen. Anzeigen bzw. Adressen mit Angaben von ≤5 oder ≥500 kWh/m²*a wurden ausgeschlossen, um verfälschende Ergebnisse zu vermeiden.

Die Daten wurden von der Online-Datenbank GeoMap entnommen.

Quelle: Real Estate Pilot AG

Gesetzliche Vorgaben und neue EU-Richtlinien

Mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG), das seit 2020 gilt, wurden energetische Mindestanforderungen für Wohngebäude verbindlich festgelegt. Seit 2024 gilt für Neubauten in Neubaugebieten: Heizungen müssen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Für Bestandsgebäude gelten Übergangsfristen, gestaffelt nach der kommunalen Wärmeplanung – in großen Städten spätestens ab Mitte 2026, in kleineren Kommunen ab Mitte 2028.

Auch bestehende Heizungen müssen langfristig angepasst werden: Gas- und Ölheizungen, die älter als 30 Jahre sind, sind auszutauschen. Eigentümer, die ein Gebäude kaufen oder erben, haben in der Regel zwei Jahre Zeit, um bestimmte energetische Mindeststandards umzusetzen – zum Beispiel bei der Dämmung oder der Heizungserneuerung.

Parallel dazu verschärft auch die Europäische Union ihre Vorgaben: Laut aktuellem Entwurf der EU-Gebäuderichtlinie sollen Wohngebäude bis 2030 mindestens die Effizienzklasse E, bis 2033 die Klasse D erreichen. Eine verpflichtende Sanierung für Gebäude mit schlechterer Klassifizierung würde dann EU-weit gelten – vorbehaltlich finaler Zustimmung durch EU-Kommission, Parlament und Mitgliedsstaaten.

Redaktion (allg.)

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