IVV-Serie: Zukunft der Berufsausbildung (Teil 4)

So punkten Wohnungsunternehmen bei Berufsanfängern, Wechslern und Quereinsteigern

Größere Wohnungsunternehmen und Konzerne bieten eine Vielzahl an Benefits, um kompetente Auszubildende zu gewinnen. In kleineren Wohnungsunternehmen sei die Lage  relativ entspannt, ergab eine Umfrage der Fachzeitschrift IVV. Vor allem ein gutes Image als traditioneller Arbeitgeber ist häufig ein Grund dafür, dass Ausbildungsplätze bislang noch alle besetzt werden können.

Die Wohnungswirtschaft lässt sich so allerlei einfallen, um sich bei Bewerbern als attraktiv zu präsentieren. Die meisten Ausbildungsplätze können in kleineren und mittleren Wohnungsunternehmen besetzt werden. BILD: Adobestock/Alexander Raths
Die Wohnungswirtschaft lässt sich so allerlei einfallen, um sich bei Bewerbern als attraktiv zu präsentieren. Die meisten Ausbildungsplätze können in kleineren und mittleren Wohnungsunternehmen besetzt werden. BILD: Adobestock/Alexander Raths

Serie der IVV: Ausbildungsinitiativen und Nachwuchswerbung in der Wohnungswirtschaft

Der Wettlauf um die besten Köpfe hat auch in der Wohnungswirtschaft längst begonnen. In einer Serie stellt die IVV anhand von Beispielen aus den Unternehmen dar, wie die Situation in der Branche ist und mit welchen Benefits und Karrieremöglichkeiten junge Nachwuchskräfte rekrutiert werden.

Mülheimer Wohnungsbau eG: Unsere Ausbildung profitiert von gutem Ruf

So zum Beispiel heißt es bei der Mülheimer Wohnungsbau eG (MWB): „Wir haben bisher keine Mühe, Ausbildungsstellen zu besetzen. Die Genossenschaft ist in Mülheim an der Ruhr seit 125 Jahren aktiv und daher sehr bekannt, die Ausbildung hier hat einen guten Ruf. Alle Bereiche des Berufsbildes Immobilienkaufmann/-kauffrau (IHK) können wir in unserem Hause sehr gut abdecken, da wir neben der klassischen Bewirtschaftung eigener Bestände auch über ein Bauträgergeschäft, ein Maklerteam und eine Immobilienverwaltung verfügen“, sagt Unternehmenssprecher Andreas Winkler.

Als Wohnungsbaugenossenschaft stellt das Unternehmen nach Angaben Winklers in mancherlei Hinsicht auch besondere Anforderungen an das Team. „Es geht natürlich auch hier um Kompetenz und Leistungsbereitschaft, doch darüber hinaus sind auch Mitarbeiter:innen gern gesehen, welche sich mit der genossenschaftlichen Idee identifizieren und diese in der modernen Welt vertreten.“

Gute Aufstiegschancen für ehemalige Azubis

Die MWB hat derzeit einen Personalstamm von nahezu 100 Personen sowie etwa acht Auszubildende. Die MWB nimmt pro Ausbildungsjahr zwei bis vier Auszubildende an. Das Ziel ist es, diese jungen Menschen nach der Ausbildung im Unternehmen zu behalten und für weiterführende Aufgaben zu qualifizieren. Aufgrund der Altersstruktur – viele ältere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden demnächst in Rente gehen seien die Aufstiegschancen gut.
 
Die MWB ist nach Worte des Unternehmenssprechers bestrebt, eine hohe Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit zu bieten: Sie trägt das Zertifikat „Total-E-Quality“ für Chancengleichheit im Beruf, bietet flexible Arbeitszeiten nach dem System der Vertrauensarbeitszeit und ermutigt das Team zur regelmäßigen Fort- und Weiterbildung. Bildungspartnerin ist dabei in erster Linie das EBZ – Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft mit seiner angeschlossenen Hochschule, der EBZ Business School.

Wer aber nicht die dortigen Bachelor- und Masterstudiengänge angehen möchte, erhält auch andere Chancen zur Weiterqualifizierung, etwa als Bilanzbuchhalter:in oder Immobilienfachwirt:in“, sagt Unternehmenssprecher Andreas Winkler.

Mitarbeiter:innen der MWB erhalten die Möglichkeit zur Teilnahme an externen Arbeitskreisen und Fachtagungen, so Winkler.

Chancengleichheit wird Großgeschrieben

Das genossenschaftliche Unternehmen ist seit 15 Jahren sind im „audit berufundfamilie“ zertifiziert. So werden Mitarbeitende bei der Suche nach Kita-Plätzen wie auch bei der Wohnungssuche unterstützt. Weitere Benefits: Die Gesundheitsberatung EAP-Assist:in steht den Mitarbeitenden kostenlos und auf Wunsch anonym rund um die Uhr zur Verfügung und berät in medizinischen und psychologischen Fragen. Sie macht darüber hinaus Familien- und Sozialberatung und auch Rechtsberatung.

Die Mülheimer Wohnungsbau eG unterhält einen Bestand von 5.000 Wohnungen.

Joseph-Stiftung: Bei Auszubildenden gut aufgestellt, bei Spezialisten schwieriger

Gut aufgestellt bei der Besetzung der Ausbildungsplätze sieht sich auch die Joseph-Stiftung, ein kirchliches Wohnungsunternehmen in der Metropolregion Nürnberg. Nach Worten von Pressesprecher Thomas Heuchling (Foto) gibt es dafür zwei wesentliche Gründe: Zum einen seien die Vorlaufzeiten langfristig, zumal nur einmal im Jahr die Ausbildung beginnt. Zum weiteren profitiere man von dem „guten Ruf“ des katholischen und seit 75 Jahren bestehenden Wohnungsunternehmens.

Helfen beim Finden von Azubis: soziale Medien

Bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden setzt man in Bamberg sowohl auf Social Media, auf Ausbildungsmessen sowie auf klassische Zeitungsanzeigen. Die Annoncen werden häufig von Eltern gelesen, die ihre Kinder auf die Ausbildungsangebote aufmerksam machen.

Schwieriger sei die Lage indes bei Spezialisten. Bei der Besetzung von Fachkräften im Unternehmen dauere es länger, aber man bekomme die Stellen in der Regel besetzt. Aufgrund fehlender Fachkräfte zögen sich Baumaßnahmen teilweise in die Länge.

Die Joseph-Stiftung beschäftigt 180 Mitarbeitende und erhielt 2008, 2016 und 2019 den DW-Zukunftspreis der Deutschen Immobilienwirtschaft für ihre Digitalisierungsstrategie.

WIS Spreewald mbH: Direkte Ansprache und Ausbildungsbotschafter

Auch die WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald, ist froh, dass es im Moment keine großen Probleme gibt, um alle Stellen neu zu besetzen. Geschäftsführer Michael Jakobs sagt: „Unsere Strategie zur Besetzung von Ausbildungsstellen, direkt mit Schulen in Kontakt zu treten und an dortigen oder anderen Ausbildungsmessen teilzunehmen, wie beispielsweise der Impuls-Messe, hat sich als sehr effektiv erwiesen. Diese direkte Ansprache hilft uns, frühzeitig junge Leute für unser Unternehmen, unsere Berufe zu interessieren und ihnen durch freiwillige Praktika einen ersten Einblick zu gewähren.“

Zusätzlich entsendet die WIS so genannte Ausbildungsbotschafter - also die eigenen Auszubildenden des 2. und 3. Lehrjahres - in die umliegenden Schulen, in denen sie Klassen besuchen und direkt über ihre Ausbildung berichten.

Arbeitgeber mit zahlreichen Benefits

Zu Ausbildung und Weiterbildung sagt Jakobs: „Obwohl wir bisher keine dualen Studiengänge anbieten, legen wir großen Wert auf die fachliche Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter.“

Wir bieten Weiterbildungen an, die je nach Bedarf und Wunsch der Mitarbeitenden ausgerichtet werden und unterstützen diese sowohl zeitlich als auch finanziell. Dies ermöglicht es unseren Teams, stets auf dem neuesten Stand in ihrem Fachbereich zu bleiben“, so Jakobs weiter.

Zusätzliche Benefits: Die WIS im Spreewald bietet Arbeitszeiten mit Gleitzeit, Mitarbeiterrabatte in Tochterunternehmen, einen Mietbonus für Wohnungen im eigenen Bestand, die Möglichkeit zu regelmäßigem Homeoffice sowie Freizeitausgleich für geleistete Mehrarbeitsstunden.

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