Rechtsunsicherheit für Baudienstleister und Bauherren beenden
Die wachsende Bedeutung der Strohballenbranche spiegelte sich bei der Eröffnung der Tagung am 11. September wieder: Landesumweltminister Bernhard Stengele sprach ein Grußwort, Staatssekretär Martin Gude aus dem Landwirtschaftsministerium, Oberbürgermeister Peter Kleine und Uni-Rektor Prof. Guido Morgenthal. Und im Saal saß die geballte Fachkompetenz von mehr als 300 Häusern und Wohnungen, die Architekten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Südtirol oder im Elsass bereits errichtet haben.
Allen voran der Weimarer Architekt Florian Hoppe, der 2006 sein eigenes Haus in Strohballen-Bauweise erstellt hat, Vorsitzender seines Fachverbands FASBA ist und eng mit der Bauhaus-Uni kooperiert, etwa im Fachbereich Tragwerksplanung, und der dort angegliederten Materialforschungs- und -prüfanstalt MFPA.
Neben den Förderungen, betonte Morgenthal, begünstige das Bundesland Thüringen mit „vereinfachten Genehmigungsverfahren und viel Pragmatismus“ das Bauen mit Stroh. Konkrete Folge ist etwa der Bau eines Schulungszentrums der Diakonie Weimar Bad Lobenstein samt Gärtnerwohnung auf einem denkmalgeschützten Gutshof in Strohbauweise. Explizit benannte der Uni-Rektor das Ziel des Landes: Standards und Normen, die das Bauen mit Stroh begünstigen.
Dazu passte der Vortrag von Thomas Hering, Referent im Thüringer Landwirtschaftsministerium in Jena. 25 Jahre hatte der Forstwirt und Verfahrenstechniker darüber geforscht, Stroh als Abfallprodukt so zu verbrennen, dass es Öl, Gas oder Holz ersetzt. Auch hier habe man viele Vorurteile, Stichwort „Strohfeuer“, ausräumen müssen, ehe das Verfahren die EU-Zulassung bekommen habe. Allein in Thüringen stünden jährlich - abzüglich des Bedarfs zur Humusbildung – 880.000 Tonnen Stroh zur Verfügung, wovon man 42.500 Häuser bauen könnte. Zum Vergleich: Aktuell würden jährlich 2000 Einfamilienhäuser neu gebaut.
Das erste lasttragende Strohballenhaus Deutschlands hatte ein Landwirt aus Trier gebaut. Peter Weber weiß, dass die Landmaschinenhersteller einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung leisten könnten. Denn: alle Strohballen müssten nahezu eine identische Größe haben, wofür die Fahrer der Dreschmaschinen geschult werden müssten.
Hohe Vorgaben für die Statik
Dass der internationale Forschungsaustausch etwa mit den USA oder Japan zu wünschen lässt, erklären die Wissenschaftler Christopher Traube (Statik) und Dr. Stefan Helbig (Feuchte, Dichte etc.) mit dem Baurecht. Da nirgendwo auf der Welt die Regulatorik so hoch sei wie in Deutschland, sei der Prüfbedarf für das Bauen dort geringer. Allerdings erhöhten Erdbeben in Italien oder Türkei sowie Starkregen und Hurricans in vielen Teilen der Welt auch dort die Vorgaben für die Statik.
Mancherorts seien die Vorgaben verdreifacht worden, um dem fortschreitenden Klimawandel auch in 20 und 40 Jahren noch Rechnung zu tragen.
Eike Roswag-Klinge, Professor für nachhaltiges Bauen mit Lehm an der TU Berlin, brachte auf den Punkt, weshalb der Strohballenbau forciert werden solle: „Wir müssen den persönlichen CO2-Fußabdruck in Deutschland von derzeit elf Tonnen pro Jahr auf eine Tonne senken.“ Das Stroh mit seiner exzellenten Klimabilanz sei dafür prädestiniert.
Mehr als 100 Teilnehmer, darunter viele Architekten, Bauingenieure und Planer, haben die 2. Bundesweiten Strohballen-Fachtage am 11./12. September in Weimar an der Bauhaus-Uni besucht. Seit 2002 gibt es den Fachverband Strohballenbau (FASBA) mit Sitz in der Goethe-Stadt, der mittlerweile bundesweit 230 Mitglieder hat.
















