Nur ein Sturm im Wasserglas?
Seit Monaten arbeiten Branchenverbände an einem Geschäftsmodell für ein wohnungswirtschaftliches Immobilienportal in der Rechtsform einer nicht börsennotierten Aktiengesellschaft.
► Wir berichteten: "Wir wollen unsere Daten zurück"
Federführend agiert hier der GdW Bundesverband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. Bereits im Frühjahr 2017 hatte der GdW seine Mitglieder befragt, ob sie ein solches Projekt unterstützen und sich auch finanziell beteiligen würden. Anfang Oktober hielt sich GdW-Präsident Axel Gedaschko auf Nachfragen der IVV bedeckt. Ob das Vermietungsportal tatsächlich an den Markt geht, scheint immer noch offen. Zu jenem Zeitpunkt waren drei externe Experten damit beauftragt, das Geschäftskonzept zu überprüfen, so Axel Gedaschko.
Auf den Einwand der IVV, laut Mitgliederbefragung seien lediglich 28 Prozent der Unternehmen zu einer finanziellen Beteiligung bereit, antwortete der GdW-Präsident etwas süßsauer, zwar laufe das Vermietungsgeschäft derzeit ohne Probleme, „aber in diesem Zyklus wird die Branche nicht immer bleiben“.
Bloße Ankündigung führt zu Nervosität
Bemerkenswert sei allerdings, so Gedaschko gegenüber der IVV, dass allein die Ankündigung eines brancheneigenen Vermietungsportals zu großer Nervosität und zu deutlichen Preisnachlässen bei Marktführer Immobilienscout24 geführt habe. Inzwischen mache der GdW bei Rahmenverträgen mit Internet-Vermittlungsportalen zur Bedingung: Keine Geschäfte mit den Daten aus dem Vermietungsgeschäft nach Wohnungsvermittlung.
Wie die IVV in ihrer September-Ausgabe exklusiv berichtete, geht es den führenden Branchenverbänden – neben dem GdW sind der BFW sowie Haus & Grund beteiligt – um die Rückeroberung der Datenhoheit und die Kontrolle über die Vermarktungsprozesse. Namentlich wurde in diesem Zusammenhang die Marktmacht von Immobilienscout24 kritisiert. Im Schreiben an die Mitglieder stellt der GdW fest, im Zuge der Digitalisierung arbeiteten die „etablierten Immobilienportale verstärkt mit den Daten unserer Mieter, um damit eigene Geschäfte zu machen. Sie dringen damit in den Kernbereich unserer Unternehmensverantwortung ein“. Neben dem Verlust über die Datenhoheit kritisierte der GdW „nicht nachvollziehbare und unverhältnismäßige Preiserhöhungen der Immobilienportale in den vergangenen Jahren“.
Die Analyse des Verbandes hat Dramatik, die Reaktion der Branche erscheint verhalten – alles nur ein Sturm im Wasserglas?
Die IVV wird Sie über den Fortgang der Idee einer Gründung eines eigenen Vermietungsportals informieren.
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