Studie des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss

Viele Firmen der Immobilienwirtschaft arbeiten nach wie vor traditionell

Hightech-Informations-und-Kommunikationstechnik ist aus vielen Branchen schon lange nicht mehr wegzudenken. Unternehemn der Immobilienbranche setzten zwar schon früh auf Vermittlungsplattformen für Wohnungen im Netz. Das Gros blieb jedoch eher traditionellen Geschäftsmodellen treu. Das Thema Digitalisierung steht jedoch bei 90 Prozent der Immobilienunternehmen auf der Agenda. 

152 Unternehmen gaben Auskunft über ihre digitalen Strategien. FOTO: PIXABAY/GERALT
152 Unternehmen gaben Auskunft über ihre digitalen Strategien. FOTO: PIXABAY/GERALT

Nicht nur Start-ups der Branche (PropTech-Start-ups) haben das Thema Digitalisierung auf dem Zettel. Das zeigt eine Umfrage des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, die gemeinsam mit der Unternehmensberatung Ernst & Young Real Estate (EY Real Estate) durchgeführt wurde.

Welche sind die wichtigsten Zukunftsthemen?

Die etablierten Vertreter und die jungen Technologieunternehmen der Immobilienwirtschaft sehen ähnliche Trends, zum Beispiel "Big Data" und Datenstrukturierung.  Die jungen Technologieunternehmen der Immobilienwirtschaft setzen bereits jetzt mehrheitlich auf Big Data (55 Prozent). „Oder aus Sicht eines klassischen Immobilienfonds: Ziehen auffällig viele ähnliche Büromieter in einen bestimmten Stadtteil oder einen bestimmten Immobilientypus wie beispielsweise sanierte Fabriketagen?“ Zwar sind Immobilienfonds und andere etablierte Unternehmen der Branche beim Thema Big Data noch zurückhaltender (42 Prozent), wollen aber aktiver werden.

Augmented Reality und Künstliche Intelligenz

So ähnlich die Ziele der beiden Gruppen in vielen Feldern sind – nicht alle Zukunftsvisionen werden geteilt. Ein Beispiel ist die künstliche Intelligenz. „Das Thema wird von den etablierten Unternehmen als weniger wichtig gewertet“, sagt Christian Schulz-Wulkow, Leiter des Immobiliensektors in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei EY. Gleiches gilt für die sogenannte Augmented Reality – ein Beispiel wären hier Datenbrillen für virtuelle Wohnungsbesichtigungen – oder für das Internet der Dinge, wonach mehr oder weniger alle technischen Geräte in einer Wohnung oder in einem Büro automatisch über das Netz miteinander kommunizieren: Die etablierten Marktteilnehmer haben die Themen auf der Agenda, halten sie aber nur bedingt für wichtig.

Immobilienunternehmen in Gefahr?

Ein Großteil der Befragten geht davon aus, dass sein Kerngeschäft durch den digitalen Wandel und durch die jungen Technologie-Unternehmen nicht in Gefahr ist. Auch die Immobilienwirtschaft wird mit einer neuen Realität konfrontiert werden, clevere Outsider drohen mit neuen Businessmodellen, so die Einschätzung der Studienherausgeber.

Nur 14 Prozent der Befragten sehen eine ernst zu nehmende Gefahr. „Im Gegenteil erwarten viele der etablierten Marktteilnehmer, dass ihr Geschäft durch die innovativen Player zusätzlich beflügelt wird“, so Schulz-Wulkow. Umgekehrt denkt die Mehrheit der digitalen Jungunternehmer (63 Prozent) allerdings durchaus, dass sie die alten Platzhirsche herausfordern können.

Der ZIA plädiert hier für ein Miteinander-statt-Gegeneinander. „Kooperationen bieten Chancen für beide Seiten, nur werden sie bislang noch nicht ausreichend genutzt“, sagt Martin Rodeck. „Dabei muss es nicht immer gleich Geld sein, das ein etabliertes Unternehmen in ein Start-up investiert. Oft genügen schon der Informationsaustausch und das Eröffnen von Netzwerken im Sinne einer Annäherung.“ Eine solche Annäherung scheint sinnvoll: Die Umfrage habe gezeigt, dass die jungen Technologieunternehmen der Immobilienwirtschaft einen deutlichen Vorsprung beim Thema Digitalisierung haben. „Wir haben in der Branche derzeit noch zwei Geschwindigkeiten“, beobachtet Rodeck.

Digitale Hauptstadt Berlin

Im Rahmen der Untersuchung wurden insgesamt 114 Technologie-Start-ups jeweils mit Gründungsjahr, Unternehmensschwerpunkt und Gründungsort erfasst. Zum größten Teil wurden die Teilnehmer in den vergangenen drei Jahren ins Leben gerufen. Rund 42 Prozent der jungen Unternehmen (48 Start-ups) gründeten sich im Raum Berlin. Dahinter folgt Bayern mit einem Anteil von 18 Prozent (21 Start-ups); die Unternehmen haben sich hier überwiegend im Raum München angesiedelt. Hamburg belegt mit zehn Unternehmen den dritten Platz im Ranking der Digital-Standorte. „Wer beispielsweise erwartet hätte, dass die immobilienwirtschaftlich orientieren Start-ups aus dem Bereich Finanztechnologien überwiegend im Raum Frankfurt angesiedelt sind, muss feststellen, dass sich diese Unternehmen über sechs Regionen verteilen“, sagt Schulz-Wulkow.

Über die Studie:

Insgesamt haben 152 sowohl privatwirtschaftliche als auch öffentliche Unternehmen Auskunft über ihre digitalen Strategien gegeben. Die teilnehmenden etablierten Immobilienunternehmen sind dabei in erster Linie in der Nutzungsphase (zum Beispiel in Mieterbetreuung) oder in der Phase der Investition/Finanzierung aktiv. Dabei beschäftigen sie sich schwerpunktmäßig mit Büro-, Wohn- und Einzelhandelsimmobilien. Die befragten technologienahen Unternehmen bewegen sich mehrheitlich in der Phase der Vermarktung (zum Beispiel als Online-Makler) und der Nutzung. Sie fokussieren sich dabei auf die Wohnimmobilie.

Die vollständige Studie können Sie hier kostenfrei herunterladen.

Mehr zum Thema Digitalisierung lesen Sie in unserem Themenspecial.
Start-ups im Faktencheck - Die Partner für die digitale Transformation
Ein ausführlicher Artikel in der IVV immobilien vermieten & verwalten Sonderpublikation, die am 24.10.16 erscheint.
Bestellen Sie Ihr Probeheft
 

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) schreibt vor, dass zu Prozessen, bei denen personenbezogene Daten verarbeitet werden, der Verantwortliche Verfahrensverzeichnis führen muss. Insbesondere bei einer Prüfung durch die Datenschutzbehörden muss der Verantwortliche...
Printer Friendly, PDF & Email
28.11.2017
Mit dem PropTech Innovation Award werden seit diesem Jahr Unternehmen ausgezeichnet, die neue Geschäftsmodelle in der Immobilienbranche anbieten. Der erste Durchlauf 2017 mit über 200 Bewerbungen aus...
13.3.2018
PropTech Innovation Award 2018
Die Bewerbungsphase läuft noch bis zum 15. März. Zu den Pitches und dem Finale in der Start-up-Hauptstadt Berlin werden die neun besten PropTechs weltweit eingeladen und zwar am 16. Mai. Gründer und...
28.5.2018
Bundesverband Deutsche Startups
Die PropTech-Fachgruppe des Bundesverbandes Deutscher Startups hat sich die Mühe gemacht, die wichtigsten deutschen PropTechs mit ihrem jeweiligen Themenfokus und ihrer Entwicklungsphase aufzulisten...
31.7.2018
Vorteile nicht nur beim Bauen
BIM (Building Information Modeling) als Methode für die softwareunterstützte Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Bauwerken entfaltet seine Vorteile nicht nur beim Bauen. Insbesondere während...
15.2.2018
Bühne für Real Estate Start-ups auf Messe ExpoReal 2018
Technologie-Unternehmen mit innovativen Ideen für die Immobilienbranche sind aufgerufen sich zu bewerben: das Real Estate Startup-Event auf der ExpoReal 2018 ist der größte StartUp-Wettbewerb der...
8.11.2017
Eigenes Immobilienportal
Kommt ein eigenes Immobilienportal der Wohnungswirtschaft oder versandet das Projekt, weil die Vermietung läuft wie geschnittenes Brot?