Paritätischer Wohlfahrtsverband fordert

Wiedereinführung des gemeinnützigen Wohnungsbaus

17.11.2017

Die Zahl der Obdachlosen in Deutschland steigt weiter. Heute hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W), die Bilanz für 2016 vorgestellt. Es fehlen mindestens elf Millionen Ein- und Zweizimmerwohnungen. Neben der schnellstmöglichen Schaffung preiswerten Wohnraums, fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband eine grundlegende Reform des Wohnungsmarktes.

In einem Torbogen liegen mehrere zerknüllte, gebrauchte Schlafsäcke auf dem Asphalt.
In Deutschland fehlen mindestens elf Millionen kleinere Wohnungen. FOTO: PIXABAY

"Die schnellstmögliche Schaffung preiswerten Wohnraums ist das A und O, aber Bauen reicht dafür sicher nicht aus. Der Staat muss auch Belegrechte sichern, Wohnraum zurück kaufen und konsequent vorgehen gegen Leerstände, die nur Spekulationszwecken dienen", so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes.

Bauen alleine reicht nicht

Für eine nachhaltige Lösung des Problems brauche es dringend eine Entfristung der Sozialbindung im öffentlich geförderten Wohnungsbau und dort, wo die Sozialbindung bereits ausgelaufen sei, müsse der Staat aktiv Belegrechte zurückkaufen.

Die Anstrengungen zum Schutz vor Wohnungsverlust müssen nach Ansicht des Paritätischen deutlich verstärkt werden, u.a. durch Regelungen zur Mietschuldenübernahme im SGB II, einen Ausbau von Beratungsangeboten und eine effektivere Kooperation und Vernetzung von Kommunen, freien Trägern und Wohnungsunternehmen vor Ort. Räumungsklagen und Zwangsräumungen gelte es konsequent zu verhindern.

Reform des Wohnungsmarktes nötig

Die Wiedereinführung des 1990 abgeschafften gemeinnützigen Wohnungsbaus ist nach Ansicht des Paritätischen das Gebot der Stunde: "Wir müssen strategisch Weichen stellen, wie wir den Wohnungsmarkt bedarfsgerecht weiter entwickeln können. Für den Paritätischen sind gemeinnütziger Wohnungsbau und eine gemeinnützige Wohnungswirtschaft als Alternative zum gewinnorientierten Wohnungsmarkt unabdingbar. Wir müssen den Wohnungsmarkt langfristig gemeinwohlorientiert gestalten und dürfen ihn nicht allein den Profitinteressen weniger überlassen", so Schneider.

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