Vier Gebäude, vier Architekten – nachhaltig und innovativ

Das Holzbauprojekt der Stiftung Schönau in Brühl

Die Heidelberger Stiftung Schönau errichtet in Brühl bei Heidelberg auf rund 4.000 Quadratmeter vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 39 Mietwohnungen in nachhaltiger Holzbauweise – gebaut mit Holz aus dem stiftungseigenen Forst, das von regionalen Sägewerken verarbeitet wurde. Das erste Gebäude ist fertig, die ersten Mieter ziehen ein.

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Die Stiftung Schönau lässt vier Wohngebäude nach unterschiedlichen Holzbaukonzepten erstellen. Die Minimierung des Ressourceneinsatz über den gesamten Lebenszyklus ist Teil der Gesamtplanung. Bild: Stiftung Schönau
Die Stiftung Schönau lässt vier Wohngebäude nach unterschiedlichen Holzbaukonzepten erstellen. Die Minimierung des Ressourceneinsatz über den gesamten Lebenszyklus ist Teil der Gesamtplanung. Bild: Stiftung Schönau

Das Bauprojekt wurde im Jahr 2016 mit geplanten Kosten von rund 14 Millionen Euro gestartet. Dieses Ziel konnte aufgrund der seither gestiegenen Baupreise nicht ganz gehalten werden, dennoch rechnet die Stiftung mit einer auskömmlichen Rendite. Das Besondere dieses Projekts fasst Ingo Strugalla, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Schönau zusammen: „Jedes der vier Häuser wurde von einem anderen Architekten entworfen und trägt dessen unverwechselbare Handschrift“. Um Planungskosten zu sparen wurde zusätzlich das Büro Element A Architekten aus Heidelberg für die Projektleitung und den Innenausbau aller vier Gebäude beauftragt. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen vergab die Stiftung auch die Tragwerksplanung und den Innenausbau für alle vier Gebäude zentral.

Projektleitung und Teile der Planung für alle vier Gebäude zentral vergeben

Das Bauprojekt verbindet Klimaschutz und hohe Wohnqualität mit der notwendigen Wirtschaftlichkeit. Für das nachhaltige Energiekonzept wurden verschiedene Möglichkeiten der alternativen Energieversorgung geprüft und verglichen. Durch die Berücksichtigung mehrerer Entwürfe wird die Leistungsfähigkeit unterschiedlicher Holzbausysteme erprobt. So wurde ein Mehrfamilienhaus ab Oberkante Keller komplett in Massivholzbauweise ohne den Einsatz von Leim errichtet. Ein anderes Haus wurde in einer Holz-Leichtbauweise mit einer Wärmedämmung aus Holzwolle errichtet, die mit umweltfreundlicher Molke und Soda getränkt ist. Die Behandlung mit reiner Molke verbessert den

Brandschutz und ein Soda-Laugenzusatz soll Pilzbefall dauerhaft und sicher verhindern.

Ein von der Stiftungbeauftragtes Ingenieurbüro führte für alle Entwürfe Simulationen zur Minimierung der Dämmstärken durch, was Baukosten spart und zusätzliche Wohnfläche schafft. Als vorbildlich gilt das umfassende Planungskonzept der Stiftung Schönau. Bei der Planung wurde der gesamte Lebenszyklus der Gebäude betrachtet, insbesondere im Hinblick auf die „Graue Energie“ der Baustoffproduktion, der Betriebs- sowie der Recyclingphase.

Holz im Geschosswohnungsbau ist wirtschaftlich

Zu diesem Ergebnis kommt der gemeinsame Abschlussbericht von Stiftung Schönau, Transsolar Energietechnik (TGA-Planer) und den beteiligten Architektur- und Planungsbüros zur wissenschaftlichen Projektbegleitung, die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert wurde. Während der gesamten Planungszeit wurden die unterschiedlichen Massivholzbauweisen und verschiedene energetische Varianten auf Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit geprüft. Dabei stellte sich heraus, dass auch bei den zurzeit noch höheren Kosten für Holzbau trotz des angestrebten moderaten Mietniveaus eine wirtschaftliche Realisierung möglich ist. Voraussetzung dafür ist eine frühzeitige und mit allen Beteiligten eng abgestimmte Planung.

Die Wärmeerzeugung für Heizung und Trinkwasser wurde mit Photovoltaikanlagen auf den Gebäudedächern und mit einer zentralen Sole-Wasser-Wärmepumpe für alle vier Gebäude auf Erdsonden-Basis realisiert. Da die hohen Investitionskosten für diese innovativen Techniken unter den aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen über Energieeinsparungen für die Bauherrin nicht refinanzierbar wären, wurde der Umweg über einen Energie-Contractor gewählt.

In der Brühler Albert-Einstein-Straße entstand kein architektonischer Einheitsbrei, sondern ein lebendiges und buntes Quartier mit hoher Wohnqualität" freut sich Emilia Karchakova, Abteilungsleiter Planung & Bau, Stiftung Schönau

Contractor und damit Eigentümer und Betreiber der Wärmeerzeugungsanlage (Erdsonden-Sole-Wärmepumpe in Verbindung mit Photovoltaik) ist die Getec Wärme & Effizienz GmbH. Getec refinanziert die Errichtung und den Betrieb der Anlage durch die Einnahmen aus der Wärmelieferung (Warmwasser, Heizung) an die Mieter. Der Contrator kann auch problemlos Mieterstrom bereitstellen.

Sozial und wirtschaftlich nachhaltig

Das Holzbauprojekt in Brühl berücksichtigt nicht nur Umwelt- und Klimaaspekte, sondern ist auch sozial und wirtschaftlich nachhaltig. Für eine hohe Nutzerfreundlichkeit wurden die Wohneinheiten barrierefrei bzw. barrierearm ausgestaltet. Ein Teil der Wohnungen sind sogenannte „Schaltwohnungen“ mit flexiblem Grundriss. Bei Nutzungsänderungen kann die Aufteilung der Wohnung so ohne großen Aufwand verändert werden.

Kurz & knapp

  • Das Holzbauprojekt der Stiftung Schönau in Brühl vereint ökologische und soziale Nachhaltigkeit mit der notwendigen Wirtschaftlichkeit.
  • Ein detaillierter Anforderungskatalog der Stiftung schrieb allen Beteiligten die gleichwertige Berücksichtigung von ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit ins Pflichtenheft.
  • Der Bau und das Energiekonzept berücksichtigen die Gesamtenergiebilanz der Gebäude über den gesamten Lebenszyklus.
  • Das regional verarbeitete Holz aus den Wäldern der Stiftung Schönau vermindert den CO2-Fußabdruck noch weiter.
  • Die zukünftigen Wohnungsmieter bleiben durch Geothermie und Photovoltaik unabhängig von volatilen Energiemärkten.
  • Das Energiekonzept konnte mit den aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen nur mit einem Contracting-Modell umgesetzt werden.
  • Brand- und Schallschutz im Holzmodulbau sind aktuell nur durch eine frühe Planung mit hohem Detaillierungsgrad bereits in der Vorentwurfsphase umsetzbar.
  • Die Nettokaltmiete wird bei 14 Euro pro Quadratmeterliegen, vergleichbar mit anderen Neubauten dieser Qualität in der Region. Besonderheiten sind unter anderem die nachhaltige Bauweise in Holz mit hoher Wohnqualität, Barrierefreiheit bzw. -armut, Aufzüge, Schaltwohnungen sowie die nachhaltige und effiziente Bereitstellung von Energie.
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Über die Stiftung Schönau

Die Stiftung Schönau ist ein Immobilienunternehmen mit Sitz in Heidelberg. Aus rund 21.000 Erbbau- und Pachtverträgen, der Vermietung von rund 900 Wohnungen, Investitionen in Immobilienfonds sowie der Bewirtschaftung von 7.600 Hektar Wald erzielt sie Erlöse, um ihren Stiftungszweck zu erfüllen.

Als Unternehmen der Evangelischen Landeskirche in Baden finanziert sie kirchliches Bauen und Pfarrstellen. Darüber hinaus stellt die Stiftung weitere finanzielle Mittel für den landeskirchlichen Haushalt bereit.

Die Stiftung Schönau ist die größte körperschaftliche Waldbesitzerin in Baden-Württemberg, seit 1999 ist ihr Wald PEFC-zertifiziert. Mit ihrem naturnah bewirtschafteten Wald im südlichen Odenwald, dem nördlichen Kraichgau sowie dem mittleren Schwarzwald stellt sie den Menschen wertvollen Naherholungsraum zur Verfügung.

Die Stiftung fühlt sich verpflichtet, vor allem Kindern und Jugendlichen die Bedeutung des Waldes für uns Menschen und unsere Gesellschaft näher zu bringen.

Thomas Engelbrecht

Thomas Engelbrecht
Chefredakteur
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Artikel Das Holzbauprojekt der Stiftung Schönau in Brühl
Seite 22 bis 24
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