Interview

„Digitalisierung eines Gebäudes in zwei Stunden“

Interview mit Samuel Billot, Leiter Produktentwicklung, metr Building Management Systems GmbH
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Samuel Billot Bild: metr GmbH
Samuel Billot Bild: metr GmbH

Wie sieht die Zukunft des Meterings aus?

Nach der Umsetzung der Energieeffizienz-Richtlinie (EED) können Bewohner von Mietwohnhäusern ab 2022 eine monatliche Auskunft über ihre Verbrauchswerte anfordern. So erhalten sie mehr Transparenz, können zeitnah reagieren und ihren Energieverbrauch sowie die Kosten reduzieren.

Welche Modelle für ein Energiemanagementlassen sich kreieren?

Zunächst wäre ein neues Geschäftsmodell zur Abrechnungsdienstleistung denkbar, mit dem Hausverwaltungen einen besseren Mieter-Service anbieten können.Gebäudeeigentümer können ihren Mietern Wärme als Service anbieten, inklusive Liefergarantie und Einsparungsziel. Auch eine Erweiterung um Strom und Gas hin zum Messstellenbetrieb wäre möglich. Zudem könnte über Mieterstrom-Projekte Öko-Strom lokal erzeugtwerden.

Welche konkreten Projekte haben Sie realisiert?

Wir befinden uns gerade im Roll-out unserer Submetering-Lösung über den Gesamtbestand der GBG Wohnungsbaugesellschaft Mannheim sowie in einigen anderen Pilotprojekten. Unser eigens entwickeltes IoT-Gateway, das m-gate, wird dazu im Keller installiert und erfasst per Mobilfunk die Daten von Wasserzählern, Wärmemengenzählern und Heizkostenverteilern. Auch Strom- und Gaszähler können angebunden werden. Die Digitalisierung eines Gebäudes ist innerhalb von maximal zwei Stunden abgeschlossen.

Welche Vorteile ergeben sich daraus für den Verwalter?

Die EED-Richtlinie sieht vor, dass Mieter Verbrauchsinformationen unterjährig erhalten müssen, soweit die Zähler fernauslesbar sind. Eine Submetering-Lösung kann dies problemlos leisten, denn sie ermöglicht die Auslesung der Zählerwerte aus der Ferne. Wir ermöglichen Gebäudeeigentümern die Selbstabrechnung. Die Abhängigkeit von Messdienstleistern und Geräteherstellern entfällt somit. Zudem können wir Zähler unterschiedlichster Hersteller auslesen.

Wie sehen realistische Einsparpotenziale bei Strom und Wärme aus?

Laut eines Praxistests der Deutschen Energie-Agenturliegt das größte Einsparpotenzial im Bereich Wärme. Nach der Umsetzung der EED-Richtlinie ist durch das angepasste Heizverhalten der Mieter ein Einsparpotenzial von 10 Prozent realisierbar. Durch die gebäudespezifische Einstellung der Heizungsanlage kann der Energieverbrauch um bis zu 40  Prozent reduziert werden. Darüber hinaus lässt sich der Energieverbrauch auch für korrekt eingestellte Heizungsanlagen um weitere 10 bis 15  Prozent durch KI-basierte, automatisierte Heizungsoptimierung reduzieren.

Die Fragen stellte Frank Urbansky

Redaktion (allg.)

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Seite 31
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