Charakteristika von Mieter- und Eigentümerhaushalten

Eigentum eröffnet mehr Raum für die persönliche Entfaltung

In Deutschland überwiegen Mieterhaushalte mit einem Anteil von 53,5 Prozent an der Gesamtzahl der privaten Haushalte. Die restlichen 46,5 Prozent sind im Besitz von Wohneigentum. Trotz der Jahrzehnte währenden Förderung des Eigenheimbaus blieb Deutschland ein Mieterland. Unser Statistikexperte zeigt, wie unterschiedlich die „Lebensräume“ von Mietern und Eigentümern sind.

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Dass Eigentum dauerhaft glücklich macht, ist nicht bewiesen. Aber je größer die Wohnung, desto besser die persönlichen Entfaltungs­möglichkeiten. Bild: Peopleimages.com / stock.adobe.com
Dass Eigentum dauerhaft glücklich macht, ist nicht bewiesen. Aber je größer die Wohnung, desto besser die persönlichen Entfaltungs­möglichkeiten. Bild: Peopleimages.com / stock.adobe.com

Wohnfläche von Mieter- und Eigentümerhaushalten

Bereits bei der Wohnfläche ergeben sich große Unterschiede. In Deutschland liegt die durchschnittliche Wohnfläche pro Haushalt insgesamt bei 96,2 Quadratmeter und je Person bei 55,5 Quadratmeter. In Eigentümerhaushalten sind es 126,0 und 65,1 Quadratmeter, in Mieterhaushalten dagegen 74,6 und 48,5 Quadratmeter.

Eigentümer wohnen zu 70,8 Prozent in Einfamilienhäusern und verfügen hier über 136,5 Quadratmeter Wohnfläche je Wohnung und 67,5 Quadratmeter pro Person. Der überwiegende Teil der Wohnungseigentümer lebt auf mehr als 80 Quadratmeter Wohnfläche, mehr als ein Drittel verfügt sogar über Wohnungen mit 140 Quadratmeter Wohnfläche.

Mieterhaushalte leben zu 85,2 Prozent in Mehrfamilienhäusern und verfügen über eine durchschnittliche Wohnfläche von 69,4 Quadratmeter pro Wohnung und 46,3 Quadratmeter pro Person. Das relativiert die am Anfang aufgeführte durchschnittliche Wohnfläche insgesamt ganz erheblich.

Fast die Hälfte der Eigentümerhaushalte hat fünf und mehr Wohnräume zur Nutzung, Der Masse der Mieterhaushalte (69,8 %) stehen nur zwei bis drei Wohnräume zur Verfügung. Eigentümerhaushalte verfügen also über wesentlich mehr Räume und größere Flächen.

Auf dieser Grundlage sind breitere Entfaltungsmöglichkeiten für das Familienleben und die Freizeitgestaltung, die Ausübung von Hobbys und der Erholung gegeben. Tabelle 1 zeigt die Verteilung der Haushalte nach der Wohnfläche.

Baujahr

Ein erheblicher Teil sowohl der Mieter- als auch der Eigentümerhaushalte lebt in Gebäuden, die in der Zeit zwischen 1949 und 1978 fertiggestellt wurden. Über ein Viertel der Eigentümerhaushalte lebt allerdings in Gebäuden, die nach 1991 errichtet wurden, bei den Mieterhaushalten sind es knapp ein Fünftel. Wohnfläche und Wohnkomfort sind in dieser Zeit beachtlich angestiegen. Die Förderung des Eigenheimbaus war zeitweise sehr umfangreich.

Haushalte nach Gemeindetyp

Eigentümerhaushalte bevorzugen Kleinstädte und Landgemeinden. Hier lebt über die Hälfte dieser Haushalte, während es bei den Mieterhaushalten nur etwas mehr als ein Viertel ist. Der größte Teil der Mieterhaushalte lebt in Großstädten. Eine wesentliche Ursache dieser Verteilung sind die leichtere Verfügbarkeit von Bauland und relativ niedrigere Baukosten. Auch spielen Erbschaften eine nicht unwesentliche Rolle. Insgesamt sind in einer Kleinstadt bzw. Landgemeinde zwei von drei Haushalten Besitzer von Wohneigentum.

Wohnkostenbelastung

Sie beträgt bei fast zwei Drittel der Eigentümerhaushalte bis zu 20 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens. Es bestehen kaum Unterschiede hinsichtlich des Gemeindetyps (Gemeindegröße). Eine Überlastung bei den Wohnkosten ist nur bei einer geringen Zahl von Haushalten zu verzeichnen. Eine Überlastung zwischen 40 und 50 Prozent ist nur bei 3,6 Prozent und über 50 Prozent bei 5,1 Prozent der Eigentümerhaushalte zu finden.

Der Anteil der Mieterhaushalte mit einer Überlastung von 40 bis 50 Prozent lag bei 5,4 Prozent und mit 50 Prozent und mehr bei 6,7 Prozent der Mieterhaushalte.

Zahlungsrückstände

Es werden nur Rückstände bei Hypotheken- und Mietzahlungen sowie bei Rechnungen von Versorgungsbetrieben betrachtet. Die Rückstände insgesamt sind bei Eigentümerhaushalten geringer als bei Mieterhaushalten. Die Anteile zeigt Tabelle 3.

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Bei Hypotheken- und Mietzahlungen ist die Zahlungsdisziplin höher, da hier die existenzielle Bedrohung eine größere ist.

Haushaltsnettoeinkommen

Im Haushaltsnettoeinkommen bestehen erhebliche Unterschiede zwischen Eigentümer- und Mieterhaushalten. Hieraus lassen sich viele der anderen Unterschiede herleiten. Ein höheres Nettoeinkommen erleichtert die Bildung von Eigenkapital und diese Verbindung schafft auch günstigere Bedingungen für die Kreditvergabe durch Banken und Sparkassen. Hinzu kamen vielfältige Subventionen durch den Staat und gesellschaftliche Kräfte.

Ein Nettoeinkommen von 3.000 Euro und mehr bezieht ein knappes Drittel der Mieterhaushalte, bei den Eigentümerhaushalten sind es fast zwei Drittel. Den Überblick über die Verteilung auf die Einkommensgruppen gibt Tabelle 4.

Fazit

Mieter- und Eigentümerhaushalte unterscheiden sich in wesentlichen Merkmalen. Grundlage sind die über Jahrzehnte gewährten Förderungen des Eigenheimbaus sowie die in der Regel besseren finanziellen Verhältnisse von Eigentümerhaushalten. Sie gaben ihnen vielfältigere Möglichkeiten der Lebensgestaltung, führten aber auch zu höherer Inanspruchnahme von Ressourcen (Flächen, Energie).

Literaturhinweise

  • Bundeszentrale für politische Bildung/Statistisches Bundesamt u.a.; Datenreport 2021 – Sozialbericht für Deutschland

  • Statistisches Bundesamt; Mikrozensus 2022, Zusatzerhebung Wohnen

  • Statistisches Bundesamt; Fachserie 15, Reihe 3

Dr. Wolfgang Lange

Dr. Wolfgang Lange
Dipl.-Ökonom, freier Autor
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