Stadtquartiere kühlen durch Verdunstung
Die Immobilien der Zukunft werden mit Photovoltaik und Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung ausgerüstet sein. Maßgeschneiderte Kombinationen aus Verdunstung, Nutzung und Versickerung machen es selbst in Citylage möglich, Niederschlagswasser zu 100 Prozent zu bewirtschaften. Das spart Ableitungsgebühr und verbessert das Mikroklima im Gebäudeumfeld. Dabei kann zusätzlich noch die Effizienz von Photovoltaikanlagen gesteigert werden, wenn Solar-Gründächer in Trockenperioden mit dem gespeicherten Regen bewässert werden.
Die Städte leiden mittlerweile unter Hitze und Trockenheit, wo Wasser und Begrünung weichen mussten. Der Klimawandel wird diesen Effekt noch verstärken.
Regenwasser als Faktor der Immobilienbewirtschaftung
Um Abhilfe zu schaffen muss Regenwasser künftig länger in der Stadt bleiben und gefahrlos durch die Methoden der Regenwasserbewirtschaftung mit den Aspekten Umweltschutz, Lebensqualität, Stadtklima und Überflutungsschutz verknüpft werden. Das funktioniert am besten dezentral, also auf den Grundstücken und Gebäudedächern. Darin sind sich Politik und Wissenschaft einig. Als neue Aufgabe beschäftigt das Thema mittlerweile Stadt- und Regionalplaner, auch europa- und weltweit. Unsere Lokalpolitik agiert und reagiert ebenfalls mit dem Ergebnis, dass sich in Deutschland Haus- und Grundbesitzer mit kommunalen Maßnahmen konfrontiert sehen:
Bei Neubau hängt die Baugenehmigung von geeigneten Methoden zur Regenwasserbewirtschaftung ab. Einleiten von Regenwasser in Mischkanäle, auch bei Umbau im Bestand, ist in der Regel nicht mehr erlaubt.
Best Practice: Kommunale Gründachstrategie, Hamburg
Solar-Gründächer liefern mehr Strom, wenn die Umgebungsluft der Solarpaneele vom Kühleffekt der Regenwasserverdunstung aus dem Substrat und den Pflanzen profitiert. Kommunale Gründachstrategie nennt sich ein entsprechendes Programm der Stadt Hamburg.
- Hitze und trockene Luft – beides kann krank machen – werden spürbar verbessert, wenn begrünte und andere Dachflächen an trockenen Tagen befeuchtet werden. Das technische Regelwerk und Satzungen werden hier eingreifen.
- Bei bestehenden Gebäuden geben die ständig steigenden Niederschlagsgebühren Anlass, über eine alternative Regenentwässerung nachzudenken.
Dem Regenwasser „neue Wege“ anzubieten ist seit 25 Jahren Thema in Deutschland. Eine klare, bundesweit geltende gesetzliche Grundlage gibt es erst seit einigen Jahren. Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG 2009) ist am 1. März 2010 in Kraft getreten. In § 55 Absatz 2 wird u. a. gefordert, das Niederschlagswasser nicht mehr mit Schmutzwasser zu vermischen, sondern ortsnah in Grundwasser oder Oberflächengewässer einzuleiten.
Gebäude- und Stadtteil-Zertifizierung
Wo Investoren große Immobilien und Stadtquartiere finanzieren, wird immer häufiger gewünscht, das Projekt auf Nachhaltigkeit zertifizieren zu lassen und so den Verkaufswert für Jahrzehnte hochzuhalten. Dafür sind Lösungen im Umgang mit Regenwasser von Vorteil. International anwendbar und für Deutschland von Bedeutung sind das britische BREEAM-, das amerikanische LEED- und das deutsche DGNB-Label. Ihnen gemeinsam sind die Bewertung nach Punkten und die Auszeichnung in mehreren Qualitätsstufen.

Bild: Lageplan einer Wohnanlage in Mannheim-Lanzgarten mit begrüntem Innenhof: Teilweise begrünte Dächer, offene Wasserflächen und intensive Begrünung auf der Tiefgaragendecke optimieren die Verdunstungsrate der Immobilie. Im Sinne der neuen Regelwerke sind 60 bis 70 Prozent des Jahresniederschlags denkbar. Quelle: ZinCo
In Deutschland profiliert sich die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB) seit einigen Jahren auch für ganze Quartiere. Deren erster zertifizierter Stadtteil war das Europaviertel West in Frankfurt. Er erhielt im Jahr 2012 die Auszeichnung in Gold für nachhaltiges Bauen. Bausteine der Regenwasserbewirtschaftung sind Gründächer, Grünanlagen, offene Wasserflächen, WC-Spülung und Gartenbewässerung. Dadurch kann, je nach Maßnahme, Regenwasser verdunstet oder versickert werden. Dies kommt dem lokalen Wasserkreislauf und dem Stadtklima gleichermaßen zugute. Ein weiterer Effekt ist die Einsparung von Trinkwasser. Die Nutzer der Immobilie sparen so Gebühren.
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Autor: Dipl.-Ing. Klaus W. König, Fachjournalist
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