Verbände Sachsen-Anhalt

Auch künftig Leerstand und Landflucht

Die kommunale und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt zieht für das Jahr 2019 eine positive Bilanz. Die Corona-Krise, die schrumpfende Bevölkerung und die Ungleichheit zwischen Stadt und Land bereiten der Wohnungswirtschaft allerdings Sorge. Zur Bilanz und zu den Zukunftsaussichten äußerten sich die Verbandsdirektoren Ronald Meißner (VdWg) und Jens Zillmann (VdW).

Im gesamten Land Sachsen-Anhalt (auch in den Großstädten Magdeburg und Halle) besteht kein Wohnungsmangel. FOTO: PIXABAY/lichtspektrum_org
Im gesamten Land Sachsen-Anhalt (auch in den Großstädten Magdeburg und Halle) besteht kein Wohnungsmangel. FOTO: PIXABAY/lichtspektrum_org

95 Prozent des Bestandes sind  voll- oder teilmodernisiert

Nach ihren Angaben verwalten und bewirtschaften die 191 Wohnungsunternehmen beider Verbände 325.786 Wohnungen (ca. 42,4 Prozent des Gesamtmietwohnungsbestandes in Sachsen-Anhalt), in denen über 600.000 Menschen wohnen. Die Mitgliedsunternehmen investierten seit 1990 ca. 19,7 Milliarden Euro. Heute seien 95 Prozent des Gesamtwohnungsbestandes voll- oder teilmodernisiert.

Allein im Jahr 2019 wurden 509,1 Millionen Euro investiert. Für 2020 seien 599 Millionen Euro geplant. Hauptsächlich die Erhaltung und Modernisierung der Bestandswohnungen, aber auch der Neubau von Wohnungen an zukunftsfähigen Standorten (139 Mio. Euro) bestimmten die Investitionstätigkeit. Dabei seien Formen des altersgerechten Wohnens Investitionsschwerpunkt. Trotz Corona-Krise gehen die Verbandsdirektoren davon aus, dass dieses Investitionsziel erreicht wird.

Die Wohnungsleerstände betrugen Ende 2019 insgesamt 32.670 Wohnungen

Das sind 38.400 Wohnungen weniger als noch 2005. Ohne Wohnungsabriss wäre der Leerstand gestiegen. Die Leerstandsquote bei den Wohnungsgenossenschaften beträgt jetzt 8 Prozent, bei den kommunalen Wohnungsgesellschaften 13 Prozent. Insgesamt haben die kommunalen Gesellschaften und Genossenschaften seit 2000 über 90.000 Wohnungen abgerissen.

Schon heute verteile sich der Wohnungsleerstand ungleich. Während die Leerstandsquote in den Großstädten bei sechs Prozent liege, sei sie im ländlichen Raum doppelt so hoch (13,0 %). Die Verbände werten das als Indiz für die Ungleichheit von Stadt und Land in Sachsen-Anhalt.

Wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Krise belasten

Mit Blick auf die aktuelle öffentliche Debatte um fehlende Sozialwohnungen könne festgestellt werden, dass im gesamten Land Sachsen-Anhalt (auch in den Großstädten Magdeburg und Halle) kein Wohnungsmangel bestehe. Ein vergleichsweise gut modernisierter Wohnungsbestand könne preisgünstig angemietet werden. Gerade auch für Menschen mit geringem Einkommen stehen bezahlbare und sanierte Wohnungen zur Verfügung. Mit durchschnittlich fünf Euro pro Quadratmeter lägen die Wohnungsangebote der VdW/VdWg-Mitgliedsunternehmen in einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis. Im Wesentlichen durch Modernisierungsinvestitionen sei die Durchschnittsmiete gegenüber 2018 um 1,5 Prozent gestiegen.

In der Corona-Krise hätten politische Entscheidungen wie das Kurzarbeitergeld, Umsatzsteuersenkung und das Wohngeld bislang gut gewirkt und Wohnsicherheit gewährleistet. Hält jedoch die Corona-Krise an, würden die Zukunftsaussichten der Branche getrübt. Meißner und Zillmann schreiben: „In diesem und in den nächsten Jahren werden uns die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise deutlich belasten. Sinkende Realeinkommen, verbunden mit Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit, führen zu einer reduzierten Kaufkraft im Bereich Wohnung und Gewerberaum.“

Schrumpfende Einwohnerzahlen in Sachsen-Anhalt

Die Bevölkerung des Landes Sachsen-Anhalt werde im Zeitraum 2018 bis 2030 um weitere 218.000 Einwohner schrumpfen. Während die Prognose von einer annähernd stabilen Entwicklung in den Großstädten Magdeburg und Halle ausgeht, werden ohne Ausnahme alle Landkreise auf einen Bevölkerungsrückgang zwischen 11,2 Prozent (Harz) und 15,7 Prozent (Mansfeld-Südharz) Antworten nden müssen. Die große Mehrheit der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt lebe im ländlichen Raum (80 %) und sei direkt oder indirekt von den negativen Auswirkungen betroffen. Diese Auswirkungen verstärkten sich durch die Corona-Krise und bleiben nach Ansicht der Verbandsdirektoren ein Dauerthema. Die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land werde zu einem zentralen Politikumfeld in Sachsen-Anhalt und sei zugleich Herausforderung für die Wohnungs- und Städtebaupolitik.

Angleichung der Lebensverhältnisse

Es brauche eine verstärkte gesellschaftliche Debatte über die Angleichung der Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Nach Ansicht der Verbände sei auch künftig ein aktiver Stadtumbau in Sachsen-Anhalt notwendig, der von vielen Akteuren getragen und durch eine Stadtumbauförderung auf dem Niveau des Jahres 2020 unterstützt und begleitet wird. Hierzu gehöre auch eine „Altschuldenentlastung“ in Form einer Investitionsförderung von Wohnungsunternehmen im ländlichen Raum. Gerade hierfür habe der Bund den Ländern Mittel bereitgestellt, die nun für die Wohnungswirtschaft zur Stärkung der Infrastruktur im ländlichen Raum zur Verfügung gestellt werden müsse.

Quelle: Verband der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt e.V./ Verband der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt e.V.

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