Quartalszahlen des Statistischen Bundesamtes

Baugenehmigungen im ersten Quartal abgestürzt

Die gestiegenen Zins- und Baukosten zwingen die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen weiter auf Talfahrt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, ergab sich zwischen Januar und April ein Minus von 27,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allerdings ist der Bauüberhang nach wie vor sehr hoch – bleibt die Frage, wie viele dieser bereits genehmigten Wohnungen nach der Kostenexplosion tatsächlich noch gebaut werden können.

Die Zahl der Baugenehmigungen schrumpft so stark wie zuletzt im Frühjahr 2007. Foto: Adobestock/Grand Warszawski
Die Zahl der Baugenehmigungen schrumpft so stark wie zuletzt im Frühjahr 2007. Foto: Adobestock/Grand Warszawski

Von Januar bis April 2023 wurden insgesamt 89.900 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt, das waren 27,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum (Januar bis April 2022: 123.700 Baugenehmigungen). Im April 2023 wurde in Deutschland der Bau von 21.200 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das 31,9 Prozent oder 9.900 Baugenehmigungen weniger als im April 2022. Dies war erneut der stärkste Rückgang gegenüber einem Vorjahresmonat seit März 2007. Zum Rückgang der Bauvorhaben dürften weiterhin vor allem hohe Kosten für Baumaterialien und zunehmend schlechtere Finanzierungsbedingungen beigetragen haben, so das Statistische Bundesamt.  

Rückgang bei Mehrparteienhäusern von 27 Prozent

In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden von Januar bis April 2023 insgesamt 74.900 Wohnungen genehmigt. Das waren 30,3 Prozent oder 32.600 Wohnungen weniger als im Vorjahreszeitraum. Dabei ging die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um gut ein Drittel (-33,5 % bzw. -9.200 Wohnungen) auf 18.300 zurück. Bei den Zweifamilienhäusern sank die Zahl genehmigter Wohnungen sogar um mehr als die Hälfte (-52,1 % bzw. -5.800) auf 5.300. Auch bei der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, den Mehrfamilienhäusern, verringerte sich die Zahl der genehmigten Wohnungen deutlich, und zwar um mehr als ein Viertel (-27,1 % bzw. -17.900) auf 48.200.

Forderungen nach staatlichen Milliarden weitgehend verstummt

Zwar meldete sich der Präsident des BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, Dirk Salewski, angesichts dieser Zahlen mit der Mahnung zu Wort, das Baugewerbe werde diesen Rückgang nur schwer verkraften können, Insolvenzen von Firmen und Arbeitslosigkeit sowie ein nicht zu behebender Mangel an Wohnungen würden die Folgen sein. Andererseits sind die Forderungen der Interessenverbände der Bau- und Wohnungswirtschaft nach Milliarden-Hilfen des Staates weitgehend verstummt. Es scheint, dass sich die Erkenntnis durchsetzt: Die aktuelle Zinswende lässt sich nicht „wegsubventionieren“. Das Bundesbauministerium hat jüngst lediglich 350 Millionen Euro bereitgestellt für das am 1. Juni gestartete Förderprogramm „Wohneigentum für Familien“.

Hoffnungen ruhen auf dem hohen Bauüberhang

Bleibt die Frage, in wie weit das Baugewerbe von dem enormen Bauüberhang zehren kann, der seit Jahren in Deutschland wächst. Darunter ist die Zahl der von Bauämtern genehmigten, aber noch nicht erstellten Wohnungen zu verstehen. Zum Jahresende 2022 betrug der Bauüberhang nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 884.800 Wohnungen; das war ein Plus von 38.400 Einheiten gegenüber 2021. Davon befanden sich bereits 462.900 Wohnungen im Bau.

Das ursprüngliche Ziel der Bundesregierung war der jährliche Neubau von 400.0si00 Wohnungen. Im Jahr 2022 wurden in Deutschland 295.300 Wohnungen gebaut. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, waren das 1.900 Wohnungen oder 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. GdW-Präsident Axel Gedaschko sprach von einem „marginalen Anstieg“, der möglich gewesen sei, weil diese Wohnungen noch zu gänzlich anderen Marktkonditionen erstellt wurden. Die Gefahr des Absturzes liege noch vor uns, so die Einschätzung des GdW-Präsidenten.

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) dagegen sprach mit Blick auf die Baufertigstellungen des Jahres 2022 von einem „stabilen Baugeschehen“. Der Bauüberhang werde kontinuierlich abgebaut. Die Realisierungsrate genehmigter Wohnungen sei absolut stabil und der Anteil erloschener Baugenehmigung sei sogar auf drei Prozent gesunken. (Red.)

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