Solarpflicht ab 2023

Landtage könnten Millionen Euro mit Solarenergie sparen

In vielen Bundesländern greift bald eine Solarpflicht. Öffentlichen Gebäude könnten eine Vorbildfunktion einnehmen und Photovoltaikanlagen im großen Stil auf ihre Dächer bauen. Mit einer Solaranlage auf dem Dach könnte die Landespolitik ein entscheidendes Zeichen für die Energiewende setzen und auch Geld sparen. Wohnungsunternehmen, Vermieter und WEG-Verwalter würden zum Nachahmen animiert.

Bei einem Mehrfamilienhaus sollte die freie Dachfläche für eine Solaranlage mindestens 100 Quadratmeter betragen. BILD: OTOVO
Bei einem Mehrfamilienhaus sollte die freie Dachfläche für eine Solaranlage mindestens 100 Quadratmeter betragen. BILD: OTOVO

Gerade bei öffentlichen Gebäuden bestehe Nachholbedarf in Sachen Solarenergie vom Dach: Alleine die Landtage von Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen könnten zusammen bis zu 798.600 Kilowattstunden Solarstrom pro Jahr produzieren, damit bis zu 265 Haushalte versorgen und Strom im Wert von 327.000 Euro pro Jahr sparen.

Das fand die Solarplattform Otovo heraus. Sie analysierte das Installationspotential auf den Dächern des Stuttgarter Landtags, des Leineschlosses in Hannover sowie des Hauses des Landtags in Düsseldorf.

Das Installationspotenzial auf den Dächern

Die Einsparmöglichkeiten der Bundesländer im Einzelnen

Baden-Württemberg

Der baden-württembergische Landtag könnte jährlich bis zu 283.200 Kilowattstunden Solarstrom produzieren. Damit könnte die Landespolitik nicht nur ein entscheidendes Zeichen für die Energiewende setzen, sondern auch jede Menge Geld sparen. Die Analyse von Otovo ergab: Die Regierung in Baden-Württemberg könnte jährlich rund 116.000 Euro an Stromkosten sparen* - oder mit den 746 verbauten Modulen genug Strom für mehr als 94 Haushalte** ins Netz einspeisen. Hochgerechnet auf die übliche Lebensdauer einer Solaranlage (mindestens 30 Jahre) ließen sich die Stromkosten sogar um knapp 3,5 Millionen Euro reduzieren.

746 Solarpaneele würden auf das Dach des baden-württembergischen Landtags passen.

Ab 2023 gilt in dem Bundesland eine Solarpflicht für alle Wohn- und Nichtwohngebäude (bei Dachsanierungen). Zwar spielen ästhetische Aspekte bei dem 1961 erbauten Haus des Landtags eine große Rolle. Doch nach einer Novelle des Denkmalschutzes aus dem Juli 2022 sollte der Installation einer Solaranlage nichts mehr im Wege stehen. "Im Zuge der Einsparmaßnahmen wird derzeit der Einbau einer Solaranlage geprüft", heißt es dazu aus der Landesregierung.

Niedersachsen

866 Solarpaneele würden auf das Dach des niedersächsischen Landtags passen.

Der Landtag von Niedersachsen könnte bis zu 300.600 Kilowattstunden Solarstrom pro Jahr produzieren. Damit könnte die Landespolitik nicht nur ein entscheidendes Zeichen für die Energiewende setzen, sondern auch jede Menge Geld sparen. Die Solarplattform Otovo analysierte das Installationspotenzial auf den Dächern des Leineschlosses in Hannover und kam auf eine enorme Summe: Die Landesregierungen könnten jährlich rund 123.000 Euro an Stromkosten sparen* - oder mit den 866 verbauten Modulen genug Strom für bis zu 100 Haushalte** ins Netz einspeisen. Hochgerechnet auf die übliche Lebensdauer einer Solaranlage (mindestens 30 Jahre) ließen sich die Stromkosten sogar um knapp 3,7 Millionen Euro reduzieren.

Bereits 2020 erklärte Finanzminister Reinhold Hilbers in einer Presseerklärung: "Seit 2017 bezieht Niedersachsen für landeseigene Gebäude 100 % Ökostrom. Nun wollen wir den nächsten Schritt gehen und die Dächer unserer Gebäude für Photovoltaik-Anlagen nutzen." Und tatsächlich werde "im Zuge energetischer Maßnahmen für den historischen Kopfbau und den Kammerflügel des Leineschlosses derzeit auch die Installation einer großflächigen Photovoltaikanlage geprüft", wie die niedersächsische Regierung auf Anfrage mitteilt. In Niedersachsen gilt ab 2023 eine Solarpflicht für Gewerbeimmobilien, neugebaute Privathäuser müssen ab 2025 solar bestückt werden.

Nordrhein-Westfalen

571 Solarpaneele würden auf das Dach des nordrhein-westfälischen Landtags passen.

Der nordrhein-westfälische Landtag könnte jährlich bis zu 214.800 Kilowattstunden Solarstrom produzieren. Das Dach des Landtags in Düsseldorf ist 1.800 qm großen und bietet somit ausreichend Platz für eine Solaranlage. Die Regierung in NRW könnte jährlich rund 88.000 Euro an Stromkosten sparen* - oder mit den 571 verbauten Modulen genug Strom für bis zu 71 Haushalte** ins Netz einspeisen. Hochgerechnet auf die übliche Lebensdauer einer Solaranlage (mindestens 30 Jahre) ließen sich die Stromkosten sogar um mehr als 2,6 Millionen Euro reduzieren. Für öffentliche Liegenschaften gilt in dem Bundesland ab 2023 eine Solarpflicht.

>> Bonn erlässt Solarpflicht für neue Bauvorhaben

Quelle: Otovo

Hintergrund Solarpflicht

Im Jahre 2021 wurden in Deutschland gGerade mal 235.000 Solaranlagen installiert. Laut Einschätzung von Experten müssten es aber mindestens zwei bis drei Millionen sein, um die ambitionierten und notwendigen Klimaziele zu erreichen und die rund 11,7 Millionen freien Dächer rechtzeitig zu bebauen.

Das Interess an Solaranalgen würde zwar stetig steigen, aber Kunden sehen sich zu hohen Hürden bei der Zulassung asugesetzt. Außerdem herrsche zurzeit ein Fachkräftemangel.

Fußnoten:

*Ausgehend von einem Strompreis von 41 Cent pro Kilowattstunde.
** Ausgehend von einem Durchschnittsverbrauch von 3000 Kilowattstunden für einen Zwei-Personen-Haushalt
pro Jahr.

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